Machtkampf bei ›Bild‹

Unter dem Druck der anhaltenden Auflagen-Talfahrt spitzt sich der Machtkampf bei der Mainstream-Mediengruppe ›Bild‹ offenbar zu: Insider erwarten, dass es noch in diesem Jahr zur Entscheidungsschlacht kommt.

Das Verhältnis der Chefredakteurinnen Tanit Koch (›Bild‹) und Marion Horn (›BamS‹) zu Ober-Chefredakteur Julian Reichelt (online) wird als äußerst angespannt beschrieben.

Reichelt, an dessen Lippen Springer-Vorstand Mathias Döpfner regelrecht kleben soll, suche die Entscheidung, meldet der »Flurfunk« bei Axel Springer. Er wolle als »Vorsitzender der Chefredakteure« endlich »durchregieren«.

Ein Anlass dafür, dass die Karten beim – trotz galoppierender Schwindsucht – noch immer auflagenstärksten Mainstream-Medium neu gemischt werden, könnte sich schon in Kürze bieten: Am 19. Oktober kommen die Auflagenzahlen für das dritte Quartal 2017 heraus. Seit geraumer Zeit sinken die ›Bild‹-Auflagen mit 10 Prozent und mehr – »not so great« findet man das in der Springer-Vorstandsetage. Denn trotz aller digitalen Höhenflüge macht Springer noch immer ein Drittel des Umsatzes im alten Kerngeschäft Print.

Reichelt mit seinem festgefügten Feindbild aus AfD, Putin und Assad, so der »Flurfunk« weiter, könnte einen neuen Versuch wagen, die gesamte ›Bild‹-Macht an sich zu reißen.

In einem ersten Anlauf war er laut Berichten mehrerer Mediendienste noch gescheitert. Im Frühsommer soll er demnach versucht haben, ›BamS‹-Chefredakteurin Horn durch seinen langjährigen Kumpel Tom Drechsler zu ersetzen. Durchsetzen konnte sich Reichelt aber (noch) nicht. Drechsler wurde Chef bei ›Auto-BILD‹. Während des Streits soll die entnervte Horn ihren Rücktritt angeboten haben, was Springer-Chef Döpfner aber (noch) abgelehnt haben soll.

Auch wenn ›Bild‹-Chefin Tanit Koch und Reichelt nach außen um den Anschein von Harmonie bemüht sind, dürfte ihr wahres Verhältnis eher dem von Katz und Maus gleichen – wobei Reichelt die »Katze« sein dürfte. Laut Insidern soll er sich zunehmend an einer unkritischen Nähe Kochs zum Kanzleramt stören. Hinzu komme, dass sich der als gleichermaßen intrigant wie rabiat geltende Ober-Chefredakteur vom abgehalfterten ›Bild‹-Totengräber Kai Diekmann emanzpiere, während Koch als dessen frühere Büroleiterin ein weiterhin enger Draht zu Diekmann nachgesagt wird. Reichelt hingegen soll sich häufiger mit dem alten ›Bild‹-Rambo Hans-Herrmann Tiedje treffen und dessen Rat suchen, um dem Mainstream-Blatt eine härtere Linie im Kampf gegen den Auflagenabsturz zu verpassen.

Es ist allerdings noch nicht allzu lange her, da säuselten Koch und Reichelt unisono: »Alles haben wir bei Kai Diekmann gelernt …« Die Revolution frisst ihre Kinder.

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