Freiheit für Familien

In Deutschland und Österreich ist die Geburtenrate zu niedrig – seit Jahrzehnten. Die politische Klasse preist daher das »skandinavische Modell« an: Hohe Frauenbeschäftigungsquote und großflächige Kinderbetreuungseinrichtungen sollen zu einer hohen Geburtenrate führen. Die Gleichung soll sein: «Mehr Kinder durch weniger Familie». Doch stimmen die Thesen der Vertreter der sogenannten «Defamilisierung» tatsächlich?

1. These: Familie ist ein Auslaufmodell:
Falsch: Wenig erstaunlich zeigen alle Untersuchungen: Eine positive Einstellung zu Ehe und Familie geht mit einer höheren Bereitschaft, Kinder zu bekommen, einher. Auch in Skandinavien sind es die in traditioneller Paarbeziehung lebenden Ehefrauen, die die meisten Kinder haben. Gleichzeitig ist auch dort der Bedeutungsverlust der Ehe eindeutig mit dem Rückgang der Geburtenzahlen verbunden gewesen, was der Abfall der Geburtenzahlen seit den 1960er-Jahren zeigt.

2. These: Traditionelle Werte und Bindungen spielen keine Rolle mehr:
Falsch: Es ist zweifelsfrei belegt, dass aktive Religiosität eine positive Einstellung zu Kindern ebenso begünstigt wie eine mit Geschwistern erlebte Kindheit. Der statische Zusammenhang ist eindeutig: Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, wird später eher Kinder haben.

3. These: Vollzeiterwerbstätigkeit der Frauen steigert Geburtenzahl:
Falsch: Eine Beziehung zwischen Vollzeit­erwerbstätigkeit und Geburtenfreudigkeit besteht nicht. Der Doyen der europäischen Demografie, Prof. Dr. Herwig Birg, brachte diesen Umstand auf den Punkt: »Wahrscheinlich ist die statistische Korrelation zwischen der Geburtenrate und der Zahl der Störche höher als der behauptete Zusammenhang mit der Frauenerwerbsquote«.

4. These: Teilzeitarbeit der Mütter ist nur auf mangelnde Betreuungsplätze zurückzuführen:
Falsch: Dass hohe Teilzeitquoten von Müttern auf ein mangelhaftes Betreuungsangebot zurückzuführen seien, findet im Ländervergleich keine Bestätigung. Vielmehr zeigt sich, dass gerade in besonders wohlhabenden Gesellschaften, in denen kein Druck zur (zweiten) Vollzeiterwerbstätigkeit besteht, die Teilzeitquoten tendenziell hoch sind. Dies gilt auch bei gut ausgebauter Betreuungsinfrastruktur (Frankreich, Belgien, Norwegen), woraus geschlossen werden kann: Teilzeitarbeit entspricht den Vorstellungen vieler Frauen, was die Balance zwischen Familie und Erwerbsarbeit betrifft.

Die Conclusio kann nur sein: Wahlfreiheit! Die jungen Familien entscheiden ohne ökonomischen und politischen Druck selbst.


Barbara Rosenkranz

ist Abgeordnete im österreichischen Nationalrat. 2010 war sie Präsidentschaftskandidatin der FPÖ.

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