Kein Familiennachzug sondern Rückkehr zur Familie

In Deutschland gibt es eine lebhafte Debatte über den Familiennachzug für temporär aufgenommene Flüchtlinge. Wer könnte nicht verstehen, dass Menschen Sehnsucht nach ihrer Familie haben. Zumal, wenn sie unter teils dramatischen oder schmerzlichen Umständen von ihr getrennt wurden.
Viele der in Deutschland aufgenommenen Bürgerkriegsflüchtlinge wünschen sich, dass ihre Familien hierher nach Deutschland kommen dürfen. So verständlich dieser Wunsch ist, so verkehrt wäre es, dem nachzugeben.

Es ist deutlich erkennbar, dass sowohl im Irak als auch in Syrien weite Teile inzwischen vom Terror befreit worden sind. Der UNHCR hat bereits im Juni registriert, dass immer mehr Syrer in ihre Heimat zurückkehren.

Seit 2015 sind bereits rund 250.000 syrische Flüchtlinge, überwiegend aus der Türkei, nach Syrien zurückgekehrt.

Auch eine stattliche Anzahl von Irakern hat den Weg in die Heimat gefunden.
Die Gefahren für Leib und Leben sind deutlich geringer geworden. Auch die politischen Verfolgungen gibt es offenbar in dem Umfang nicht mehr. Wenn selbst Asylberechtigte gehäuft Urlaub in der Heimat machen und dort sogar ihre Hochzeit feiern, so ist das mehr als ein Indiz dafür, dass auch Bürgerkriegsflüchtlinge gefahrlos in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Syrische Flüchtlinge in der Türkei, die wieder in ihr Heimatland reisen

Für die Herkunftsländer ist es elementar, dass die Flüchtlinge weitgehend zurückkommen.

Nur mit deren Hilfe lassen sich zerstörte Länder schnell wieder aufbauen.

Das ist offenbar auch dem Syrischen Präsidenten Assad sehr bewusst. Bereits im Mai rief er seine geflüchteten Landsleute auf, in die Heimat zurückzukehren. »Die Regierung wird ihr Möglichstes tun, um die Heimkehr von Flüchtlingen zu befördern«, warb er in einem Interview.
Vor diesem Hintergrund wäre es eine grundfalsche Entscheidung der Bundesregierung, einen Familiennachzug für Bürgerkriegsflüchtlinge einzuleiten. Noch dazu ohne jede rechtliche Verpflichtung. Vielmehr sollte dafür geworben werden, zur Familie in die Heimat zurückzukehren. Das gilt insbesondere für unbegleitete minderjährige Jugendliche. Es macht keinen Sinn, heute die Familien nach Deutschland zu holen und bei einer endgültigen Befriedung der Herkunftsländer diese Familien dann wieder dorthin zurückzuschicken.

Hinzu kommt, dass es in Deutschland einen zunehmend prekären Wohnungsmarkt gibt. Bereits heute erhalten deutsche Wohnungssuchende, die sich auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung finanziell nicht leisten können, seitens des geförderten Wohnungsbaus gehäuft eine Absage mit dem Hinweis, dass jede freie Wohnung an Flüchtlinge vergeben wird.

Dem inneren Frieden in Deutschland dient das mit Sicherheit nicht.


Erika Steinbach

war von 1990  bis  2017 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie trat im Januar 2017 aus Protest gegen Merkels Massen-einwanderungspolitik aus der CDU aus.

QUELLEBild: imago
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