Klartext des Chefredakteurs, Ausgabe 4

Liebe Leser,

unter Juristen ist der »Zirkelschluss« eine raffinierte Form scheinbarer Beweisführung. Eine trickreiche Argumentation, die sich im Kreise dreht. Das Ergebnis wird am Ende mit sich selbst begründet.

Wenn uns also Berlin und Brüssel weismachen wollen, die Türkei sei eigentlich n u r wegen Erdogans brutaler Präsidialdiktatur mehr denn je von einem EU-Beitritt entfernt, dann betreiben Frau Merkel, Herr Gabriel und Herr Juncker Augenwischerei wie bei einem Zirkelschluss. Denn die Türkei gehört überhaupt nicht zu Europa! Ob mit oder ohne Sultan Erdogan spielt gar keine Rolle.

Weder geografisch noch kulturell gehört die Türkei zu uns. Das Erbe der Antike, die jüdisch-christliche Ethik, die abendländische Kultur, die Aufklärung und der schwarz-rot-goldene Freiheitsdrang der Burschenschaften im 19. Jahrhundert auf dem Hambacher Schloss sind an ihr genauso vorübergegangen wie zum Glück an uns 1683 (Türken ante portas in Wien) die Haremskultur, Vielweiberei und Kinderehen.   

Europa, das ist im Übrigen auch der moralische Anspruch, den wir an uns selbst stellen: Geschichte hinterfragen, aus ihr lernen und aus ihr Verantwortung für die Gegenwart ableiten. Die Türkei hat diese Befähigung zu keiner Zeit besessen. Bis heute leugnet sie den Völkermord an den Armeniern.

Wer ein außereuropäisches Land aufnimmt, kann sich auf Dauer auch den Maghreb-Staaten, der Ukraine, Weißrussland oder Russland nicht verschließen. Europa als geografische Einheit, als gemeinsamer Geschichts- und Kulturraum und nicht zuletzt als Wertegemeinschaft ginge endgültig zugrunde.

Herzliche Grüße,
Ihr David Bendels

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