Jeder gesunde Mensch verfügt über zwei Chromosomen. Bei Frauen sind das zwei X-Chromosomen, bei Männern ein X- und ein Y-Chromosom. In seltenen Fällen kommt es bei der Befruchtung dazu, dass ein Chromosom fehlt. Die Folge in über 99 Prozent der Fälle ist ein Spontanabort, also eine Fehlgeburt im frühen Stadium.

Mädchen, die nur mit einem X-Chromosom geboren werden, sind unfruchtbar und weisen oft eine Reihe von Symptomen auf, die aber mit Hormontherapie behandelt werden können. Sie sind intelligenzmäßig oder die Lebenserwartung betreffend nicht zurückgesetzt. Auch äußerlich sind die Betroffenen klar dem weiblichen Geschlecht zuordenbar. Der medizinische Fachbegriff lautet »Turner-Syndrom«.

In Zeiten, in denen an deutschen Universitäten mehr Lehrstühle für die Fake-Wissenschaft »Gender Studies« existieren als für die Zukunftswissenschaft Informatik, sind Frauen mit »Turner-Syndrom« plötzlich ein Politikum. Gender-Wahnsinnige behaupten nämlich, dass diese geschlechtslos sind. An sich könnte man diesen Unsinn achselzuckend beiseite schieben, wäre ihm nicht das Bundesverfassungsgericht beigesprungen.

Mit Beschluss vom 10. Oktober hat das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen: 1 BvR 2019/16) nunmehr entschieden, dass es dem Persönlichkeitsrecht einer Frau mit Turner-Syndrom widerspricht, als Frau im Register eingetragen zu sein. Der Gesetzgeber müsse ein »drittes Geschlecht« vorsehen.

Abgesehen davon, dass mit dieser Entscheidung das Bundesverfassungsgericht jede Seriosität verloren hat, sind die in der Gerichtsentscheidung zitierten Stellungnahmen beteiligter Verbände lesenswert. Dass die Deutsche Gesellschaft für Psychologie, der Lesben- und Schwulenverband oder die rot-rote Thüringer Landesregierung vom dritten Geschlecht überzeugt sind, verwundert kaum. Die schwammige Antwort der Bundesärztekammer ist schon irritierend. Aber den Vogel schießt – wie so oft – die Evangelische Kirche ab, hier ein ominöses »Studienzentrum für Genderfragen und Theologie«: »Das institutionell und kulturell dominierende Ordnungsprinzip der Zweigeschlechtlichkeit stellt für Menschen jenseits der binären Zweigeschlechtlichkeit einen erheblichen Eingriff in ihr Selbstbild und die Lebbarkeit gemäß diesem Selbstbild dar.« Die Bibel liest sich da anders: »Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.« (1 Mose 1, 27 – Luthertext).

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