»Der Sachse liebt das Reisen sehr, / nu dem lich das in‹ Knochen! / Drum fährt er gerne hin und her / in sein‹ drei Urlaubswochen«, so beginnt die inoffizielle Sachsenhymne »Sing mei´ Sachse, sing!« von 1979. Die Urlaubsziele waren damals beschränkt: DDR und Ostblock, vielleicht noch die Sowjetunion. Die Revolution 1989 brachte endlich die Reisefreiheit: Mittelmeer statt Schwarzes Meer, Paris statt Prag, Bodensee statt Balaton.
Von Dresden starten täglich Flugzeuge in die Türkei. Wie lange noch? Wer genießt Urlaub an der französischen Côte d´Azur mit schwer bewaffneten Soldaten am Strand? Tunesien, Ägypten sind längst keine Orte mehr für den Familienurlaub. Die Welt der Reiseziele wird immer kleiner.
Dafür gibt es wieder Direktflüge nach Varna und Moskau, ist die Ostsee beliebt wie in den Achtzigern, werben Tschechien, Polen, Ungarn um sächsische Touristen. Und die reisen gern dahin: die sichersten Länder Europas sind Ungarn und Polen – nicht zufälligerweise genau die Staaten, die sich vehement gegen die Masseneinwanderung wehren. Auch Sachsen wird als Reiseziel attraktiv: sicherer Urlaub in Deutschland.
Es war eben doch nicht alles schlecht – oder ist es nicht vielmehr beängstigend, wie der importierte Terror ein Reiseziel nach dem anderen unattraktiv macht und nur übrig bleibt, was schon 1979 offen war: »Bis nunder nach Bulgarchen / dud er die Welt beschnarchen.«?


