Es war einmal …
… eine Partei, die fürchtete seit ihrer Gründung vor 71 Jahren Gott und sonst gar nichts. Die regierte seit 1957 in Bayern fast ausnahmslos mit absoluter Mehrheit – ja, einmal sogar mit einer Zweidrittelmehrheit.
Diese Partei schrieb in ihr Grundsatzprogramm heilige Sätze wie: »Unsere erste politische Bestimmung ist, für die Menschen da zu sein. Wir bieten politische Heimat für bürgerliche Überzeugungen. Wir tragen Verantwortung für Deutschland und Europa. Wir bekennen uns zu diesem christlichen Menschenbild in seiner abendländisch aufgeklärten Prägung.«
Die herausragenden Köpfe dieser Partei, die noch immer wider besseres Wissen behauptet, »nah bei den Menschen« zu sein, waren: Franz Josef Strauß; Fritz Zimmermann; Edmund Stoiber (»Laptop&Lederhose«); Peter Gauweiler.
Das Löcken gegen den Berliner (früher: Bonner) Stachel gehörte zum Überlebensgesetz der Partei. Ihr Ur-Gen war die Angst, in einem fremdbestimmten Zentralstaat die eigene Identität zu verlieren. Zweimal, 1980 und 2002, stellte die Partei sogar den Kanzlerkandidaten der Union (Strauß und Stoiber).
Die Partei, die sich unter Horst Seehofer (68) immer weiter von ihren Wurzeln entfernt hat, nennt sich noch immer »Christlich Soziale Union« (CSU). Ihr seit 2008 amtierender Parteichef mimt in der Münchner Staatskanzlei gerne den populistisch brüllenden Bayern-Löwen. Im Berliner Kanzleramt aber ist Horst Seehofer noch stets als kuschliger Bettvorleger bei Angela Merkel gelandet. Spötter in Berlin bezeichnen ihn sogar mit dem Schimpfwort »Vollhorst«.
Seine politischen Schwüre – sie halten oft nicht von zwölf bis Mittag: Verfassungsklage gegen Merkels Flüchtlingspolitik; keine Homo-Ehe; mehr Bürgerbeteiligung (Volksbegehren); Ausstieg aus dem Ausstieg (Kernenergie) … Wie versprochen, so gebrochen!
Die ehedem so stolze CSU, die einmal Gott fürchtete und sonst gar nichts – heute hat sie mehr Angst vor dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit in Bayern als Vaterlandsliebe!
Was ist bloß aus dieser Partei geworden? Ein unterwürfiger Merkel-Wahlverein! Vielen CSU-Wählern zerreißt es am Stammtisch das Herz – mit Wehmut denken sie oft zurück: »Weißt du noch, damals, unter FJS, unter dem Stoiber. Da galt noch: Mia san mia!«



