»Steuerzahlergedenktag«: Bis jetzt haben wir nur für den Staat geschuftet!

Je nachdem, ob man das Glas als halb voll oder halb leer betrachtet, ist der 9. Juli Grund zur Freude oder Anlass zur Wut: Bisher haben die Deutschen statistisch gesehen nur für Steuern und Abgaben gearbeitet – von nun an erst wirtschaften sie in die eigene Tasche.

Ein gutes halbes Jahr nur für den Staat! Nach einer Prognose des »Bundes der Steuerzahler« (BdSt) arbeiten wir erst ab dem 9. Juli an für den eigenen Geldbeutel. Die Prognose des Steuerzahlerbundes basiert auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Alles, was wir im ersten Halbjahr 2020 erwirtschaftet haben, greife der Staat mit Steuern und Sozialabgaben direkt wieder ab, sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel. In kaum einem anderen europäischen Land werde der Steuerzahler so stark zur Kasse gebeten wie in Deutschland.

So hält der Gier-Staat die Hand auf

Laut Steuerzahlerbund kassiert der Staat rein rechnerisch bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmerhaushalt rund die Hälfte des Einkommens ab. In diesem Jahr bleiben demnach von jedem verdienten Euro im Schnitt nur 47,9 Cent im eigenen Portemonnaie – der Rest geht an die sogenannte öffentliche Hand. Umgerechnet aufs Jahr ergibt sich den Berechnungen zufolge: Seit dem 9. Juli, punkt 17.30 Uhr, fließen Lohn und Gehalt wirklich aufs eigene Konto. Darauf ein Glas Sekt!

Kurios: Verglichen mit dem Vorjahr ist die Belastung leicht gesunken. Grund dafür sei vor allem die Corona-Krise, relativierte Holznagel. Weil viele Menschen in Kurzarbeit sind oder ihre Arbeit verloren haben, zahlten sie weniger Einkommensteuer. Im Zuge dessen sanken auch die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung. Außerdem sei erneut die niedrige Inflation (weniger Konsum) zugunsten der Steuerzahler berücksichtigt und die sogenannte kalte Progression gedämpft worden. »Unter dem Strich bleibt Deutschland eines der Länder, wo die Menschen am meisten durch Steuern und Abgaben belastet werden«, betonte der Steuerzahler-Präsident.

AfD fordert: Steuern runter!

Der »Steuerzahlergedenktag« wirft aus Sicht von AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla die Frage auf, »ob unser Steuer- und Abgabensystem noch zeitgemäß ist«. Chrupalla erklärte zu den Zahlen des BdSt: »Wollen wir Deutschland reformieren, muss auch das Steuerrecht angepasst werden. Dies ist dringend geboten, ist doch die leistungstragende Mittelschicht zum Goldesel der Nation geworden. Immer häufiger zahlen ihre Angehörigen den Spitzensteuersatz. Auch die kalte Progression trägt zu den hohen Steuersätzen bei und ist zu beseitigen.«

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