Patrioten gewinnen Wahlkrimi in Warschau: Noch ist Polen nicht verloren!

Froelich & frei

von Tomasz M. Froelich

Als am Wahltag um 21 Uhr die ersten Hochrechnungen zur Stichwahl ums polnische Präsidentenamt präsentiert wurden, stand der amtierende Amtsinhaber Andrzej Duda von der patriotisch-konservativen PiS bei 50,4 Prozent, und sein Kontrahent Rafał Trzaskowski von der linksliberalen PO bei 49,6 Prozent. Ein Wahlkrimi in Warschau, wie er spannender nicht sein könnte – mit glimpflichem Ausgang für Duda: Letztlich entfielen 51,2 Prozent der Stimmen auf ihn. Durchatmen.

Trzaskowski, der globalistische Horrorkandidat

Dass es überhaupt so spannend werden konnte, ist besonderen Umständen geschuldet: Der Termin zum ersten Wahlgang wurde Corona bedingt verschoben. Die PO nutzte das sich bietende Zeitfenster und tauschte mal eben ihren Spitzenkandidaten aus: Małgorzata Kidawa-Błońska, die einen recht desolaten Eindruck im Wahlkampf machte und katastrophale Umfragewerte erzielte, wurde durch den eloquenten und charismatischen Bürgermeister von Warschau, Rafal Trzaskowski, ersetzt. In postkommunistischen Gesellschaften kommen kosmopolitische Ausstrahlung, Mehrsprachigkeit und Stilsicherheit gut an, davon profitierte der PO-Kandidat, dessen Werte sofort in die Höhe gingen.

Für Kidawa-Błońska war dies sicherlich eine Demütigung, die aber der globalistischen Sache dienlich war: Trzaskowski war als Student in Oxford Stipendiat der Soros-Stiftung. Als ehemaliger EU-Parlamentarier gehört er zum EU-fanatischsten Flügel des polnischen Politikspektrums. Und er trägt im katholischen Polen einen Kulturkampf aus, führte beispielsweise in Warschau die »LGBT+-Karte« ein, mit der die Bevölkerung für psychosexuelle Fragen, Geschlechteridentitäten und anderen Mumpitz, der den Wahnsinn zum Maßstab erhebt, sensibilisiert werden soll. Ein Präsident Trzaskowski wäre der Horror gewesen, weil er der Kandidat linksglobalistischer Eliten war.

Diese haben über Jahrzehnte hinweg weiten Teilen des Westens ihren Selbsterhaltungstrieb durch Verächtlichmachung all dessen, was für ihn notwendig ist, genommen: christliche Religiosität, Tradition, Heimatliebe, Identität, Marktwirtschaft, Familie. Diese Agenda mit universalem Anspruch soll auch vor Polen nicht Halt machen. Tut sie aber zum Glück. Noch. Im Westen können viele das Denken der Polen, die nun mehrheitlich Duda gewählt haben, nicht nachvollziehen. Aber das ist eher ein Problem des Westens, nicht Polens. In Polen geht man immer noch lieber zur sonntäglichen Messe als zum Christopher Street Day. Und das ist auch gut so.

Duda und PiS – als deutscher Rechter muss man sie verstehen

Präsident Duda und die regierende PiS haben das verstanden. Sie trotzen der Kritik des Westens. Sie bekennen sich zum katholischen Glauben und betonen die wichtige Rolle der katholischen Kirche, die in Polen eine andere als in Deutschland ist. Sie wenden sich gegen den Multikulturalismus, weil sie verstehen, dass ein Mindestmaß an gesellschaftlicher, kultureller und ethnischer Homogenität Grundvoraussetzung für Ordnung und Freiheit ist. Und sie wenden sich rigoros gegen kulturmarxistische Umerziehungsversuche, die Gesellschaften zu zersetzen drohen. Sie wirken vor allem nach innen, was die Zusammenarbeit mit freiheitlich, rechts und patriotisch gesinnten Partnern auf internationalem Parkett erschwert, etwa dann, wenn die PiS mit utopischen Reparationsforderungen gegen Deutschland aufwartet, die zwar ärgerlich, aber häufig entweder ein Reflex auf Brüsseler und Berliner Belehrungen oder eben populistisches Wahlkampfgetöse sind – billig, aber effektiv.

Man kann sich natürlich auch am sozialkonservativen Profil der PiS stören, das zuweilen einen übertriebenen Etatismus begünstigt. Auf der anderen Seite war es die PiS, die in der Vergangenheit auch viele marktliberale Reformen durchgeführt hat, etwa steuerliche Erleichterungen für Jungunternehmer. Und selbst wenn es ganz anders wäre: Das sind polnische Angelegenheiten, nicht unsere.

Mit der außenpolitischen Positionierung Polens verhält es sich anders, die geht uns tatsächlich etwas an. Warschau setzt auf Washington. Das ist historisch zwar nachzuvollziehen, aber mit Risiken verbunden, etwa wenn Biden Trump ersetzen sollte. Biden und Duda dürften keine engen Freunde werden, weil Biden eher die progressiveren Kräfte im Land unterstützen würde. Bleibt zu hoffen, dass es anders kommt.

Und Russland? Duda und die PiS wären gut beraten, ihre Russophobie ein wenig abzulegen, schließlich steht ihre geopolitische Westorientierung ein wenig im Widerspruch zu ihrem eigenen gesellschaftspolitischen Programm und der gesellschaftspolitischen Agenda des Westens. Was historisch nachvollziehbar ist, ist gegenwärtig zuweilen anachronistisch. Gut, zugegeben: Moskau macht es Duda und der PiS mit antipolnischer Geschichtsklitterung, die fast schon als Versuch gewertet werden muss, den Polen einen Schuldkult einzuimpfen, nicht gerade leicht. Eine Entspannung der polnisch-russischen Beziehungen bleibt daher wohl erstmal Wunschdenken. Aber was nicht ist, kann vielleicht irgendwann einmal werden.

Krzysztof Bosak – nationalkonservativ, katholisch, marktliberal

Neben dem Sieg von Andrzej Duda ist auch das gute Abschneiden des jungen Krzysztof Bosak im ersten Wahlgang, in dem er etwa 7 Prozent holte, eine erfreuliche Botschaft: nationalkonservativ, katholisch, marktliberal – diesen Dreiklang reklamiert Bosak für sich. Er ist Sejm-Abgeordneter der Konfederacja, einem libertär-reaktionär-rechtsnationalen Gemischtwarenladen mit dem minarcho-monarcho-libertären Exzentriker Janusz Korwin-Mikke und einigen jüngeren Polittalenten wie Robert Winnicki oder Konrad Berkowicz, die sich unter anderem massive Steuersenkungen, stärkere Elternrechte, den Kampf gegen die LGBTQ-Propaganda, eine starke polnische Armee und eine unabhängige polnische Außenpolitik auf die Fahnen geschrieben haben.

Gerade im jüngsten Wählersegment konnte Bosak punkten und erzielte dort mit über 20 Prozent ein besseres Ergebnis als Duda, der vor allem von älteren Semestern gewählt wurde.

In den vergangenen Jahren führte die PiS einen Kampf gegen die polnische Rest-Rechte, allen voran gegen die Konfederacja. Aus wählerdemographischen Gründen wird sich die PiS irgendwann umorientieren und den harten Kurs gegen die bei den jungen Wählern populäre Konfederacja aufgeben müssen, wenn sie stabile rechte Mehrheiten auch in Zukunft generieren und bisher nicht, bald aber womöglich schon notwendige Koalitionen mit der Konfederacja bilden möchte.

Der antikulturmarxistische Schutzwall bleibt!

Alles in allem war die Wahl ein guter Tag für Polen. Und für Europa. Die Frustration westlicher Eliten wird nach dem Wahlsieg Dudas groß sein: Die Westgrenze Polens markiert weiterhin den antikulturmarxistischen Schutzwall. Hoffen wir, dass sich dieser antikulturmarxistische Schutzwall in Zukunft weiter gen Westen verschieben wird. Noch ist alles nicht verloren.

Tomasz M. Froelich

1988 geboren und aufgewachsen in Hamburg. Studium in Wien. Politischer Berater in Brüssel. Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland.

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