90 Meter Trümmer: Auf Deutschland kommt ein riesiges Entsorgungsproblem zu

Krebsgefahr durch Windradschrott!

Tausende Windräder kommen in die Jahre und müssen demnächst abgebaut werden. Doch das Entsorgen der ausgedienten Rotorblätter erweist sich als äußerst schwierig. Der Windradschrott wird zu einem gigantischen Umweltproblem – vergleichbar mit dem krebserregenden Asbest.

Umgeknicktes Windrad: Die Entsorgung von Windradschrott stellt ein gigantisches und derzeit völlig ungelöstes Umweltproblem dar

Rund 28.000 Windradanlagen stehen mittlerweile im »zugespargelten« Land – auf Äckern, Wiesen und Hügeln, an Küstenstreifen und auf hoher See.

Am 29. Juli meldete das ›heute journal‹ des zweiten deutschen Staatsfernsehens eine für seine Verhältnisse beachtliche (Halb-)Wahrheit: »Windräder sind eine saubere Sache, solange sie Strom produzieren. Aber sie können für die Umwelt zu einem riesigen Problem werden, sobald man sie abreißen muss.«

Unwahr daran ist der erste Satz, wenn man allein an das Massensterben der Vögel, die gerodeten Waldbestände und die negativen Auswirkungen auf das jeweilige Mikroklima in den mit Windrädern übersäten Regionen denkt. Uneingeschränkt wahr ist hingegen der zweite Satz.

14.000 Windräder müssen entsorgt werden

Die Rückbauwelle wird jedenfalls gigantisch. Sie ist direkt mit dem Auslaufen der staatlichen Subventionen der Anlagen verbunden. Ab Januar 2021 enden für die erste Windrad-Fördergeneration, deren Rotorblätter sich teilweise 20 Jahre und länger drehen, die Subventionen nach dem »Erneuerbare-Energien-Gesetz« (EEG).

Allein im ersten Jahr werden nach Angaben der Bundesregierung 5.608 Altanlagen mit einer Gesamtleistung von 4.400 Megawatt betroffen sein. Bis 2025, so schätzt der »Bundesverband Windenergie«, fallen Kraftwerke mit insgesamt 16.000 Megawatt Leistung aus der Förderung. Das entspricht in etwa der Hälfte des aktuellen Anlagenbestandes in Deutschland – also rund 14.000 »Entsorgungsfälle«.

Nach dem Ende der staatlich garantierten Förderung haben Windkraftbetreiber theoretisch drei Möglichkeiten:

► 1. das sogenannte Repowering – also den Ersatz einer alten durch eine moderne, meist leistungsstärkere Anlage –, was allerdings nicht das Schrottproblem löst.

►2. den wenig lukrativen Weiterbetrieb ohne staatliche Förderung.

►3. den ersatzlosen Rückbau mit anschließendem Recycling.

Die erste Windradgeneration, die heute abgebaut wird, lässt sich zwar noch relativ leicht wiederaufbauen – etwa nach einem Weiterverkauf in osteuropäische Länder. Aber auch dieser Markt ist nicht unendlich. Denn mittlerweile setzen auch diese Abnehmer verstärkt auf neue Anlagen.

Problemfall Rotorblätter

Das eigentliche Problem stellt sich spätestens bei der zweiten Windradgeneration, deren Förderung in wenigen Jahren endet: Diese Windräder sind mittlerweile so komplex, dass sich ein Wiederaufbau für neue Abnehmer finanziell nicht mehr lohnt.

Was also nicht verkauft werden kann, muss »recycelt« werden. Bei vielen der verarbeiteten Stoffe ist das kein Problem: Beton kann im Straßenbau wiederverwendet werden, Stahl und Elektroschrott landen im Altmetall. Auch für seltene Erden wie Neodym gibt es Möglichkeiten zur Wiederverwertung.

Das eigentliche Problem sind die Rotorblätter. Sie bestehen aus Faserverbundstoffen. Diese Stoffe sind nur schwer voneinander zu trennen und damit schwierig zu »recyceln«. Vor allem, weil CFK (Kunststoff) und GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) mitverarbeitet sind – Stoffe, die nicht abbaubar sind!

Da die Deponierung von GFK-Abfällen verboten und die Verbrennung nur eingeschränkt möglich ist, stellt sich die Frage: Wohin mit den Rotorblättern, die vor allem aus diesen Materialien bestehen?

Krebsgefahr durch CFK

Die Glasfaserkunststoffe (GFK) lassen sich theoretisch zu hohen Kosten schreddern und mit Reststoffen aus der Papierherstellung mischen. Das Produkt – auch »Fluff« genannt – wird an Zementwerke verkauft und dort zur Herstellung von Baustoffen verwendet.

Das Verfahren ist aber mitnichten befriedigend. Es wird unter anderem kritisiert, dass bei dieser Lösung Stoffe verbrannt und vernichtet werden, die eigentlich viel sinnvoller für andere Zwecke genutzt werden könnten. Beispielsweise befindet sich in den meisten Rotorblättern Balsaholz, welches auch als Dämmstoff verarbeitet werden könnte.

Noch nicht gelöst ist generell die Entsorgung von CFK, welches bei neueren Rotorblättern verarbeitet wird. Carbonfaser-Stäube, etwa aus der Verbrennung, gelten laut einer Bundeswehr-Studie als hochgradig gesundheitsgefährdend weil krebserregend – vergleichbar mit der Wirkung von Asbest. (hh)

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