AfD als Vorbild für die Christdemokraten?

CDU plant Aufbau eines eigenen Newsrooms

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer im Fokus der Medien: Die Christdemokraten wollen ihre Kommunikation professionalisieren und orientieren sich dabei an der Medienarbeit der AfD

Vor einem Jahr löste die AfD für ihre Ankündigung, einen eigenen Newsroom aufbauen zu wollen, eine Empörungswelle aus. Nun kündigt CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer an, den Aufbau genau solch eines Newsrooms in ihrer Parteizentrale zu planen.

Ein Newsroom ist ein Modell, um Kommunikation – strikt nach Themen und Medien getrennt – zu erarbeiten. Neben klassischer Pressearbeit sollen insbesondere die sozialen Medien bespielt und mit den jeweiligen Inhalten versorgt werden. Dass es sich hierbei nicht um eine »Fake-News-Schmiede« handelt, sondern um eine hoch professionierte Kommunikationsorganisation, scheint nun auch bei der CDU angekommen zu sein.

In einem Interview mit der Zeitung der Jungen Union sagte Annegret Kramp-Karrenbauer, ihre Partei müsse einen Weg finden, in Echtzeit auf unterschiedlichen Kanälen zu kommunizieren und Nachrichten zu setzen. Moderne politische Kommunikation zeichne sich dadurch aus, Herr über die eigenen Bilder zu sein und die Nachrichten selbst zu produzieren, so die CDU-Funktionärin. Als positives Beispiel für ihre Idee nannte Kramp-Karrenbauer den Auftakt zu den CDU-Werkstattgesprächen, bei dem man keine Journalisten zugelassen und stattdessen einen Livestream angeboten habe. Auf die Frage, ob sie sich hierbei etwas von der AfD, die solch einen Newsroom in ihrer Bundestagsfraktion eingerichtet habe, abschaue, argumentiert die CDU-Vorsitzende damit, dass sie sich mit ihrem politischen Gegner ernsthaft auseinandersetze.

Die Ankündigung der AfD vor einem Jahr, ihre Kommunikation künftig über einen Newsroom zu steuern und sich dadurch unabhängiger von den Mainstream-Medien zu machen, löste, wie so oft, eine Empörungswelle aus. So warf ein Kommunikationsberater der AfD aufgrund dieser Ankündigung ein »antidemokratisches Medienverständnis« vor und unterstellte der Partei, die vierte Gewalt durch »Parteipropaganda« zu ersetzen. Bereits zum Zeitpunkt dieser ebenso unfundierten wie auch wahrheitswidrigen Kritik war die AfD diejenige Partei, die hoch erfolgreich ihre Themen platzierte und in den sozialen Medien wie ›Facebook‹ rund dreimal so viele Menschen erreichte wie CDU und SPD.

Mehr als ein Jahr hat es nun offensichtlich bei der CDU gedauert, bis man sich dort langsam dazu entschließt, seine eigene Kommunikation zu professionalisieren.

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