AfD-Bundesparteitag in Braunschweig:

AfD wählt Meuthen und Chrupalla zu Parteivorsitzenden

BRAUNSCHWEIG. Die in Braunschweig versammelten Delegierten der AfD haben Jörg Meuten und Tino Chrupalla zu Vorsitzenden der Partei gewählt. Meuthen konnte sich mit 69,18 Prozent gegen Nicole Höchst und Wolfgang Gedeon durchsetzen. Chrupalla wurde im zweiten Wahlgang von 54 Prozent der Delegierten gewählt.

Die Nachfolge von Alexander Gauland bei der AfD ist entschieden: Der Sachse Tino Chrupalla (rechts) ist neuer Co-Vorsitzender der konservativ-freiheitlich-patriotischen Partei. Jörg Meuthen (links) war zuvor als Bundessprecher im Amt bestätigt worden.

Chrupalla wurde Nachfolger auf Alexander Gaulands Posten. Er setzte sich gegen Gottfried Curio und Dana Guth durch. Der Malermeister aus Sachsen bewarb seine Kandidatur betont bodenständig und auf Ausgleich bedacht. Er stehe: »für eine Doppelspitze aus Ost und West, Handwerker und Akademiker.« Gauland hatte zuvor bekannt gegeben, dass er nicht mehr kandidieren wolle. Er benannte Chrupalla als seinen Wunsch-Nachfolger.

Der wiedergewählte Bundessprecher Jörg Meuthen zielte in seiner Bewerbungsrede auf eine mögliche Regierungsverantwortung: »Wir müssen nun regierungsfähig und -willig werden!« Er mahnte, »für eine Rechtsaußenpartei« stehe er nicht zur Verfügung. Der alte und neue Vorsitzende der Partei damit schlug in die selbe Kerbe wie Alexander Gauland, der in der Eröffnungsrede davon sprach, die Partei müsse eine »patriotische, demokratische und bürgerliche Volkspartei« bleiben. Der Traum einiger weniger von einer »kleinen sozialrevolutionären Partei« sei unrealistisch, so Gauland. »Wir Deutsche sind nicht gut in Revolutionen.« Und könnten sich die verbliebenen Konservativen in den Unionsparteien durchsetzen und zu einer »vernunftgeleiteten nationalen Politik« zurückfinden, kämen sie bei der Suche nach einem Partner an der AfD nicht vorbei.

Zur Wahl des neuen SPD-Führungsduos Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans erklärte Jörg Meuthen: »Mit der heutigen Wahlentscheidung der SPD sind Neuwahlen sicher wahrscheinlicher geworden.«

Gauland zeigt sich zufrieden

Unterstützung erhielt Chrupalla auch von der Vize-Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion Alice Weidel. Sie sagte gegenüber Medienvertretern, die Wahl des sächsischen Bundestagsabgeordneten wäre »ein Zeichen des Respekts auch gegenüber Gauland« und seinen Verdiensten als Brückenbauer. Chrupalla habe ein Direktmandat im Bundestag, darüber hinaus schätze sie ihn als Teamspieler, der integrierend wirke. Thüringens Landeschef Björn Höcke sagte, er wünsche sich in erster Linie eine angemessene Vertretung des Ostens im Bundesvorstand. Dafür könne er sich Gaulands Wunsch-Nachfolger gut vorstellen.

Nach der Wahl der Vorsitzenden wurde Alice Weidel, die zusammen mit Gauland an der Spitze der AfD-Bundestagsfraktion steht, zur ersten stellvertretenden Parteisprecherin gewählt. Sie trat ohne Gegenkandidaten an.

Zum zweiten Stellvertreter wurde der thüringische Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner gewählt. Brandner erzielte 61,90 % der abgegebenen Stimmen und schlug in diesem Wahlgang den hessischen Bundestagsabgeordneten Albrecht Glaser (21,65%) und den rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten Uwe Junge (15,03 %).

Zur dritten Stellvertreterin wählten die Delegierten mit knapp über 50% die Berliner Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch.

Die weiteren Wahlen zu den Bundesvorstandsämtern werden voraussichtlich bis in den späten Samstagabend andauern.

Im Vorfeld des Parteitags demonstrierten mehrere Tausend Linksextreme gegen die Veranstaltung. (fjs)

Mit Material von dpa/Reuters

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