AfD kritisiert Ausbau von unwirtschaftlicher und umweltfeindlicher Windkraft

Ineffektiv und gefährlich: Windindustrieanlage auf dem Schauinsland im Schwarzwald

Windindustrie ist, abgesehen von wenigen besonders bevorzugten Lagen, in Deutschland ein mehrheitlich politisches Betreiben ohne nennenswerten Effekt, dafür mit starken negativen Nebenwirkungen. Das gilt auch für die Windkraftanlagen in Baden-Württemberg. Trotzdem setzt die schwarz-grüne Landesregierung auf den Ausbau der Windenergie. Die AfD kritisiert das – steht damit aber fast allein da.

Windkraftanlagen als Ursache für das Sterben von Vögeln, Fledermäusen und Insekten. Mit dieser durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gestützten These (der Deutschland Kurier berichtete) hat die AfD am Mittwoch im baden-württembergischen Landtag viel Kritik auf sich gezogen. AfD-Fraktionschef Bernd Gögel meinte, Windkraft sei nicht wirtschaftlich, die Anlagen verschandelten die Landschaft, und sie töteten »unfassbar viele Fluginsekten«. Die anderen Fraktionen stellten sich grundsätzlich hinter das Ziel der grün-schwarzen Landesregierung, die Windkraft trotz diverser Probleme weiter auszubauen.

FDP lehnt »planwirtschaftliche Energiewende« ab

Die FDP-Abgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr sagte: »Alles hat Nebenwirkungen – auch die erneuerbaren Energien.« Die FDP unterstütze jedoch den Ausbau. »Wir müssen zügiger vorankommen, denn die Zeit drängt. 2022 sollen alle Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz sein.« Gleichzeitig lehne die FDP eine »planwirtschaftliche Energiewende«, die bestimmte Technologien der Stromerzeugung einseitig bevorzuge, ab. Baden-Württemberg sei wegen seiner Windschwäche und der schwierigen Topografie kein besonders wettbewerbsfähiger Standort für Windkraft, so die sich widersprechenden Argumente Reich-Gutjahrs.

Grüne: AfD verwendet Insektensterben als Scheinargument

Der Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter hielt der AfD vor, an Fakten vorbei zu argumentieren. So seien Glasscheiben und auch der Straßenverkehr deutlich häufiger für den Tod von Vögeln verantwortlich als Windkraftanlagen. In der Tat sei auch das Insektensterben ein großes Problem, so die Grüne, die relativierend hinzufügt, dass dieses jedoch bereits vor der Nutzung der Windkraft begonnen habe und somit den Erkenntnissen der DLR widerspricht.

Der CDU-Abgeordnete Paul Nemeth sprang demonstrativ der grünen Argumentation bei und hielt der AfD vor, »unehrlich« zu argumentieren. »Wenn Sie die Insekten und die Vögel vorschieben, obwohl Sie eigentlich kategorische Windkraftgegner sind, dann verspielen Sie – und verlieren damit – Ihre Glaubwürdigkeit.« Die AfD sei bei Veranstaltungen, die sich um Klimaschutz drehten, nicht anwesend. Die Zukunft gehöre den erneuerbaren Energien. Die CDU wolle, so Nemeth, um im diffusen Argumentationsmuster der FDP zu bleiben, »Windkraft nicht um jeden Preis, sondern da, wo sie sinnvoll ist«.

Der SPD-Abgeordnete Nicolas Fink plädierte klar für den Ausbau der Windkraft – auch wenn die Umsetzung vor Ort wegen Bürgerprotesten nicht immer einfach sei. Aufgabe der Politik sei es laut der Sozialdemokratin, den »Dialog mit den Menschen zu suchen und Überzeugungsarbeit zu leisten«. Die AfD hingegen würde »Ängste schüren, um daraus politisch Kapital zu schlagen«.

Grüner Umweltminister: Ausbau der Windenergie notwendig

Nach den Worten von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) ist Baden-Württemberg auf die eigene Erzeugung erneuerbarer Energien angewiesen. Wenn die Kernenergie im Jahr 2022 wegfalle und der Kohleausstieg komme, müsse der Strom von irgendwoher kommen, so die grüne Feststellung. Neben dem Ausbau von Stromtrassen aus dem windreichen Norden in den Süden sei es nötig, dass Baden-Württemberg die erneuerbaren Energien ausbaue. Aber der Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg stockt. Die Windkraft hat einen Anteil von 3,7 Prozent an der hiesigen Bruttostromerzeugung.

Windindustrie in Deutschland ist ein reines politisches Placebo – ohne nennenswerten Effekt, dafür mit starken negativen Nebenwirkungen

Wie viele Windkraftanlagen (WKA) in Deutschland jedoch tatsächlich aufgebaut werden müssen, um einen Teil der elektrischen Leistung des Netzes sicher zur Verfügung zu stellen, diese Zahlen werden von den politischen Verfechtern der Windkraft nicht genannt. Eine Berechnung zum Ausmaß benötigter WKA zur anteiligen Energieversorgung mit Windenergie – erstellt für die Initiative Vernunftkraft – kommt zu dem Ergebnis, dass »die gesamte Fläche Deutschlands von Flensburg bis nach Berchtesgaden, von Aachen bis nach Görlitz im Abstand von durchschnittlich 8 km mit Windparks« zugebaut werden müsste, um ein Viertel der Stromversorgung Deutschlands mit Windkraftanlagen sicherzustellen.

Ebenso werden von den Befürwortern der Windkraft die Auswirkungen der Windkraftindustrie auf den Menschen bislang nur unzureichend erwähnt. Eine bislang oftmals bagatellisierte Gefahr gehe laut der Initiative vom sogenannten Infraschall aus. Einschlägige gesetzliche Vorschriften variieren beträchtlich zwischen den einzelnen Bundesländern; der Schutz der menschlichen Gesundheit werde somit unterschiedlich ernst genommen. Bestehende Schallschutz- und Abstandsregeln seien zudem nicht auf der Höhe der Zeit. Auch die optische Bedrängung werde in gegenwärtigen Planungen nicht adäquat berücksichtigt.

Dem Mythos, Windkraft und Photovoltaik können kurz- bis mittelfristig Atom und Kohle ersetzen und es müsse deshalb ein möglichst schneller Ausbau vorangetrieben werden, widerspricht die Initiative. Die bundesweite Bürgerbewegung – ehemals unterstützt durch Echno zu Gutenberg, Mitgründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der diesen aus Protest wegen dessen Lobbytätigkeiten für die Grünen verließ – argumentiert, dass Photovoltaik und Windindustrie, abgesehen von wenigen besonders bevorzugten Lagen, in Deutschland ein reines politisches Placebo – allerdings ohne nennenswerten Effekt, dafür mit starken negativen Nebenwirkungen – sei.

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