Die politischen Debatten gewinnen an Tiefe auf den Parteitagen der AfD. An der Oberfläche gilt: Es wird ruhiger. Sowohl vor der Halle, wo Linke demonstrieren und ein kleines Häufchen eher einen unterentwickelten Versuch der Blockade unternimmt. Als auch in der Augsburger Messehalle, wo die Delegierten der AfD sich immer seltener mit der früher üblichen Kanonade an Geschäftsordnungsanträgen beharken.

Hingegen gerät in München und Berlin das Spitzenpersonal von CDU und CSU angesichts der AfD-Erfolge verstärkt in Panik.

Showdown in der sozialpolitischen Ausrichtung vertagt

Die suizidale Verve mit der sich CDU und CSU traktieren, vermittelt die zentrale Botschaft wie von alleine: »Merkel muss weg!»
Die AfD selbst vertagt manchen Konflikt. So in der Sozialpolitik. Geschickt setzt sich »Flügel»-Mann Björn Höcke an die Spitze und verlangt einen Parteitag mit »Sozialpolitischer Schwerpunktbildung». Zeit: Nächstes Jahr. Ort: Sachsen.

Im Freistaat deshalb, weil dort 2019 Landtagswahlen stattfinden, so Höcke. Sachsen bedeutet freilich auch einen Heimvorteil für den »Flügel».

Bundessprecher Jörg Meuthen befürwortet den Parteitag, hält aber inhaltlich dagegen. Der Diplom-Volkswirt will mehr Markt. Er verspricht sich davon Verbesserungen, etwa für die Rentenbeitragszahler, die »ein lausig schlechtes Geschäft» mit der Umlagefinanzierung machten.

Dem David nicht die Schleuder entreißen

Wie die Kräfteverhältnisse sindwund sich entwickeln werden – lässt sich kaum einschätzen. »Wir haben sowohl die, die an den reinen Markt wollen, als auch den Glauben mancher, Geld komme aus dem Automaten», sagt ein Bundestagsabgeordneter dem Deutschland-KURIER.

Zu den geänderten Stimmungsbildern gehört zweifellos die Anerkennung der Desiderius-Erasmus-Stiftung als parteinah. Die Abneigung der AfD-Delegierten und Basis gegen parteinahe Stiftungen und deren »absurd hohe Staatsfinanzierung» bleibt zwar. Doch nicht zuletzt die Rede der Stiftungsvorsitzenden Erika Steinbach und das Verlangen nach Waffengleichheit geben den Ausschlag.

»Man darf dem David nicht die Steinschleuder wegnehmen, um den Goliath zu erlegen», meint Steinbach. Schein-Goliath Horst Seehofer wird in derselben Nacht seinen Rücktritt vom Rücktritt erklären.


Christian Jung

freier Journalist und Filmemacher.

 

QUELLEBild: imago
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