AfD wirft Kirche Ausgrenzung vor

Distanzierung gegenüber der AfD – kein Problem mit Linken und Linksradikalen: Mehrere AfD-Fraktionen werfen der evangelischen Kirche Einseitigkeit vor

Bei der Vorstellung eines Positionspapiers mit dem Titel »Unheilige Allianz« bemängeln mehrere AfD-Fraktionen die politische Einseitigkeit der evangelischen Kirche. Sie sehen sogar Parallelen zu früheren Diktaturen.

Mehrere AfD-Landtagsfraktionen haben der Evangelischen Kirche vorgeworfen, sie biedere sich den Regierungsparteien an und grenze die AfD aus. Der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke sagte bei der Vorstellung eines gemeinsamen Positionspapiers mit dem Titel »Unheilige Allianz«, »dass es nicht gut ist, wenn sich Kirchenfunktionäre mit dem Zeitgeist ins Bett legen«.

Der sächsische Fraktionschef Jörg Urban beobachtet eine rot-grüne »Einseitigkeit« der Kirchenvertreter, die »einen negativen Beigeschmack« habe. »Dann kommen tatsächlich Assoziationen an frühere Diktaturen, wo die Kirche eben auch schon diesen Weg gegangen ist, zum Schaden, sag ich mal, für sich selbst«, so Urban, der sich sicher ist, dass Gläubige das nicht möchten und diese eher von der Kirche wegtreibe.

Höcke wies darauf hin, dass es sich nicht um ein Positionspapier der Gesamtpartei handele. Dahinter stehen die AfD-Fraktionen von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. In dem Papier wird der evangelischen Kirche vorgeworfen, sie vertrete in Bezug auf Genderfragen, Klimaschutz, Flüchtlinge und in ihrer Haltung zur AfD politische Positionen.

So beklagte Höcke, kürzlich sei eine AfD-Veranstaltung im thüringischen Sömmerda durch Glockengeläut einer nahe gelegenen Kirche gestört worden. Ein weiterer Anlass für die Kritik sei der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 19. bis 23. Juni in Dortmund, zu dessen Podiumsgesprächen kein Vertreter der AfD eingeladen wurde.

Kirchen steht eine mitgliederschwache Zukunft bevor

Bis zum Jahr 2060 wird sich die Zahl der Mitglieder der beiden großen Kirchen in Deutschland praktisch halbiert haben (der Deutschland Kurier berichtete). In den vergangenen beiden Jahren verloren beide Kirchen in Deutschland 1,2 Millionen Mitglieder. 2017 waren es 660.000, ein Jahr zuvor 530.000. Die Mitgliederzahl der Katholischen Kirche sank nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im vergangenen Jahr insgesamt um 270.000 auf 23,3 Millionen. Der Verlust durch Austritte macht also 62,2 Prozent aus.

Die Evangelische Kirche (EKD) hat 2017 insgesamt rund 390.000 Schäfchen verloren. Auch hier gingen mehr als die Hälfte (51,3 Prozent) der Mitglieder durch Austritte verloren. Die EKD hat nun 21,5 Millionen Mitglieder. Die »Austrittswahrscheinlichkeit« ist vor allem bei Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren hoch.

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