Aktie bricht ein

Springer-Chef Döpfner gerät schwer unter Druck

Die Aktien von »Axel Springer«, Europas noch immer größtem Medienhaus, brachen vergangene Woche dramatisch ein. Sie verloren innerhalb eines Jahres fast 40 Prozent an Wert. Wie lange kann sich Verlagschef Mathias Döpfner noch halten?

Zündet viel rhetorisches Blendwerk: der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Mathias Döpfner bei der Bilanzpressekonferenz 2019 in Berlin

Wenn Mathias Döpfner, der Springer-Vorstandsvorsitzende und Vertraute der Mehrheitsaktionärin Friede Springer, über die digitale Transformation spricht, dann sind seine Zuhörer stets ergriffen: Hier scheint einer die Wende geschafft zu haben – weg vom energieintensiven Zeitungsindustriebetrieb vergangener Zeiten hin zum digitalen Unternehmen, weltumspannend wie das Internet.

Allerdings trübt sich das vermeintlich schöne Bild schnell ein: Nachdem Döpfner bis auf die Boulevard-Blätter ›Bild‹ und ›B.Z.‹ und die hochdefizitäre ›Welt‹ fast alle Print-Beteiligungen (u. a. ›Hör Zu‹, ›Hamburger Abendblatt‹, ›Berliner Morgenpost‹) versilbert hat, trennt sich der Verlag auch von immer mehr digitalen Beteiligungen. Der Druck, zur Aufhübschung der Bilanzen an Geld zu kommen, muss offenbar groß sein. Denn: Die Auflagenverluste der noch verbliebenen Restblätter haben inzwischen existenzbedrohliche Ausmaße angenommen. Dazu muss man wissen: Springer macht noch immer rund ein Drittel seiner Umsätze im Printgeschäft. Die Aktionäre werden zunehmend unruhig.

Die (anonyme) Website »Spoekenkiekerei«, die sich schon häufiger mit kritischen Insider-Beiträgen zum Springer-Chef hervorgetan hat, schrieb jüngst: »Döpfner ist ein alternder Narr, der gerade beobachten kann, wie sein Lebenswerk in Trümmer fällt. Verantwortlich dafür ist allein er selbst. Denn Döpfner war es doch, der bei Springer nur Linke eingestellt hat, am liebsten von der taz oder noch linker. Konservative wurden abserviert.«

Dennoch gelingt es dem redegewandten und stets modisch gekleideten Springer-Chef, der zugleich Präsident des »Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger« (BDZV) ist, immer wieder, mit rhetorischem Blendwerk positive Schlagzeilen der ihm wohlgesonnenen Mainstream-Medien zu generieren, so auch in der vergangenen Woche, die bei Lichte besehen für den Verlag eine einzige Katastrophe war: Das Medienhaus Axel Springer habe seinen Umsatz im vergangenen Jahr »dank eines starken Digitalgeschäfts« gesteigert, hieß es. 2019 wolle der Konzern »vor allem in Wachstum investieren«.

Nimmt man die Zahlen unter die Lupe, sieht es weniger freundlich aus: Tatsächlich steigerte »Axel Springer« die Erlöse nur um vergleichsweise magere rund 4 Prozent auf 3,18 Milliarden Euro. Zum Umsatzwachstum trugen vor allem Job- und Immobilienportale mit einem Wachstum um circa 20 Prozent bei. Das klassische Zeitungsgeschäft indes war rückläufig.

Dementsprechend fällt auch der Ausblick auf 2019 verhalten aus. Der an zweistellige Wachstumsraten gewöhnte Medienkonzern rechnet für 2019 mit einem Umsatzwachstum im nur noch niedrigen einstelligen Prozentbereich.

An der Börse kamen die Zahlen denn auch gar nicht gut an. Die Springer-Aktie brach vergangene Woche um zeitweise acht Prozent ein. Die wichtige Unterstützung bei 50 Euro wurde gerissen, ebenso eine weitere charttechnische Auffanglinie bei 47,50 Euro. Springer-Aktionäre, deren Papiere im Februar 2018 noch bei rund 75 Euro standen, verloren binnen Jahresfrist fast 40 Prozent ihres Investments – sofern sie nicht rechtzeitig verkauften. (oys)

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