Andenken an Heimatvertriebene bewahren, Versöhnung in Europa fördern und deutsche Minderheiten unterstützen!

Mein Großvater, Joseph Protschka, wurde kurz nach dem Krieg aus seiner sudetendeutschen Heimat nach Bayern vertrieben. Er kam mit seiner Mutter und zwei Geschwistern in Dingolfing an, zwei Koffer durften sie mitnehmen, der Rest musste dort bleiben. Über das ihm widerfahrene Grauen vor der Ankunft in Bayern kann ich bis heute nur spekulieren.

Er hat das Schicksal vieler seiner Landsleute geteilt, die nach dem verlorenen Krieg, nach Flucht und Vertreibung vor allem eines getan haben: Die Ärmel hochgekrempelt und das Vaterland wieder aufgebaut.

Denn es lag ja alles in Trümmern, seine neue Heimat, mein beschaulicher Landkreis Dingolfing wurde noch im Mai 1945 von schweren Kämpfen zerstört, kaum eine Familie die nicht zum Ende des Krieges hin noch mindestens einen Angehörigen verloren hat.
Also haben alle zusammen, die Alteingesessenen, die Vertriebenen, die Heimkehrer, eben alle Deutschen die sich noch auf den Beinen halten konnten, die Trümmer weggeräumt und das Dorf, den Freistaat und Deutschland wieder aufgebaut. Heute leben wir in dem Wohlstand den diese Generation nach unvorstellbarem Leid für uns geschaffen hat. Ein Wohlstand den wir viel zu häufig als selbstverständlich wahrnehmen.

Politisch wurde den Vertriebenen in der Bundesrepublik schnell keine richtige Aufmerksamkeit mehr zu teil. Die Mehrheit von ihnen wollte sie auch nicht. Sich zügig einfügen, keinen Ärger machen und den Heimatverlust schnell vergessen, das war der Plan. Anfangs von SPD und CDU als billiges Stimmvieh missbraucht gerieten ihre Anliegen schnell in Vergessenheit und es oblag wenigen Aufrechten wie etwa Frau Steinbach, an erlittenes Unrecht zu erinnern.

Spätestens nach der Wende war klar, dass die Erinnerung an den Deutschen Osten in Parlament und Kanzleramt eine unangenehme, ungewollte Vergangenheit war. Ein Vergangenheit die allzu bereitwillig in Schulbüchern und Atlanten geopfert wurde um schnell und geräuschlos zu vergehen.

Allein: Es war eine Vergangenheit die nicht vergehen wollte. Die Sehnsucht nach dem Land der Väter jenseits Oder und Neiße lebt fort und nicht umsonst bieten gerade die Tourismusunternehmen für ältere Herrschaften, die sich im preisgünstigen Sektor bewegen, viele Busfahrten in den „alten deutschen Osten“ an.

Dort sitzen sie dann, die ergrauten, stummen Helden des Wideraufbaus und wenn sie die Hügel und Felder von Ostpreußen, Schlesien oder dem Riesengebirge sehen, bekommen sie feuchte Augen und denken an vergangene Zeiten.

Für uns als Parlamentarier der AfD ist die Gründung einer Gruppe für Heimatvertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten mehr als nur der Versuch den letzten Heimatvertriebenen eine Stimme zu geben. Wir glauben, dass eine langfristige Ordnung des Friedens und der Würde in Europa nur auf der Basis gegenseitiger Anerkennung geschehen kann.

Die Erinnerung an den deutschen Osten, die Pflege seines Erbes – auch und besonders zusammen mit den heutigen Bewohnern dort – und die Unterstützung für die verbliebenen deutschen Volksgruppen im Ausland ist integraler Bestandteil einer solchen Ordnung der Würde und des Friedens.


Stephan Protschka

ist Mitglied des 19. Bundestags. Bei der Bundestagswahl 2017 wurde er über die Landesliste der AfD Bayern in den Deutschen Bundestag gewählt. Sein Wahlkreis ist Rottal-Inn. Protschka ist Bezirksvorsitzender der AfD Niederbayern, Beisitzer im AfD Bundesvorstand und Vorsitzender der „AfD-Arbeitsgruppe für „Heimatvertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten im Deutschen Bundestag“.

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