Andreas Scheuer – der »Dr. Dünnbrettbohrer« der CSU

Wer auf Google als Suchbegriff »Dr. Dünnbrettbohrer« eingibt, wird prompt fündig. Die Suchmaschine wirft als erstes einen am 1. Februar
2014 erschienenen Artikel in der ›Welt‹ aus: »Andreas Scheuer ist ein Doktor Dünnbrettbohrer.«

Neulich hatte der Kolumnist das gleichermaßen belanglose wie peinliche Wirken der Digital-Staatsministerin im Kanzleramt, Dorothee Bär (CSU), einer näheren Betrachtung unterzogen. Im Rahmen einer, wenn man so will, lockeren Serie über die (Un-)Fähigkeiten der CSU-Politiker in Berlin soll an dieser Stelle der »Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur« gewürdigt werden. Scheuer, Ex-CSU-Generalsekretär, brilliert vor allem mit inhaltsleerer Phrasendrescherei. Heraus kommen dann mitunter wahrhaft philosophische Erkenntnisse wie: »Die Zeit in ihrem zeitlichen Verlauf …«

Wie das naive »CSU-Schneewittchen« Bär mit der Beschäftigung ihres (späteren) Ehemannes auf Steuerzahlerkosten hat es auch schon der smarte Scheuer Andi aus Passau, der seit 2002 für die CSU im Bundes­tag sitzt, zu unrühmlichen Schlagzeilen gebracht. Es geht um seinen »Doktortitel« in Politologie, den er vorsorglich aus dem Handbuch des Deutschen Bundestages gestrichen hat.

Dazu folgende Geschichte: Vor seiner Ernennung zum CSU-General­sekretär 2014 wurde ruchbar, dass Scheuers sogenanntes kleines Doktorat an der Universität Prag (»Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns«) ganz offensichtlich auf einem Plagiat basiert.

Die ›Welt‹ schrieb damals: »Scheuers Frevel ist nicht, seine Doktorarbeit abgekupfert zu haben, sondern deren Belanglosigkeit und Phrasendrescherei. Fassungslos beugt man sich über die Seiten…«

Was Scheuer auf 300 Seiten vorlegte und was die Universität Prag tatsächlich so auch akzeptierte, ist ein Sammelsurium aus sich wiederholender penetranter CSU-Propaganda und umständlich formulierten Banalitäten!

Die angeblichen Erfolge der CSU beschwörte »Dr. Dünnbrettbohrer« öfter als Horst Seehofer in jeder Ascher­mittwoch­srede. Sätze kamen aus dem Nirwana und endeten auch dort: »Ein Gespräch, das Bürgerinnen und Bürger suchen, das diesen jedoch auch zugemutet werden kann. Nicht die Bürgerinnen und Bürger sind von der Partei gewissermaßen abzuholen.«

Schwachstrom statt Vollgas: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU)

Das Opus magnum strotzte überdies nur so vor Worthülsen: »Das Nahverhältnis der Parteien zum Staat ist nicht anders zu betrachten als das Nahverhältnis der Bürger zum Staat.« Oder: »Wer wählt, investiert alles was er hat, nämlich die eigene Stimme, in ein Experiment mit ungewissem Ausgang.«

Beim Abkupfern passierte dem Pla­giator allerdings ein verräterischer Fehler: »Die Politische Arbeit und die Erfolge der CSU sind fast untrennbar mit dem Namen Franz-Josef Strauß verbunden«, heißt es bei Scheuer. Der Satz ist nicht nur fast wörtlich einer Schrift der
»Bundeszentrale für Politische Bildung« entnommen, der da lautet: »Politische Arbeit und Erfolge dieser Partei sind untrennbar mit dem Namen Franz-Josef Strauß verbunden«; der Plagiator machte sich nicht einmal die Mühe, auf die richtige Schreibweise des Vornamens von Franz Josef Strauß (ohne Bindestrich) zu achten!

Unter Hauptstadtjournalisten hat der Verkehrsminister einen wenig schmeichelhaften Spitznamen: »Andi Bescheuert«. Doch das ist eine andere Story: Einmal filmte sich der Autonarr mit dem Oldtimer-Tick beim Fahren und stellte den Clip ins Internet – was ihm fast eine Anzeige (Handy am Steuer) und einen Punkt in Flensburg eingebracht hätte.

Bei seiner Jungfernrede als frisch gebackener Verkehrsminister am 22. März versprach der eitle CSU-Politiker den 13 Millionen Dieselfahrern in Deutschland, er werde ihnen »rechtliche und finanzielle Sicherheit« geben. Darauf warten die kalt enteigneten
Dieselfahrer bis heute.

Im Vorwort des Verkehrsetats 2018 heißt es, der Bund konzentriere sich mit
3,9 Milliarden Euro »vorrangig« auf die Substanzerhaltung des Straßennetzes. Wer genauer hinschaut, erfährt, dass z.B. für die nach der Katastrophe von Genua hochaktuelle »Brückenertüch­tigung« die vergleichsweise lächerliche Summe von 645 Millionen Euro eingeplant ist – ein Tropfen sozusagen auf den heißen Asphalt! Die Ausgaben für Lärmschutz an Autobahnen sinken sogar – von 440 auf 345 Millionen Euro.

Dafür allerdings ist der Spesentopf des trinkfesten Passauers, der einem hochprozentigen Absinth nicht abgeneigt ist, prall gefüllt: 37.200 Euro stehen monatlich »zur Verfügung des Bundesministers«. Ob das »Dr.« Andreas Scheuer auch durch seinen neuen »Newsroom« im Ministerium mit 14 auf Steuerzahlerkosten beschäftigten Propagandisten unter Leitung des früheren ›Bild‹-Redakteus Wolfgang Ainstetter ver­melden lässt? Eher unwahrscheinlich. Der »Newsroom« dürfte derzeit alle Hände voll zu tun haben mit dem Diesel-­Chaos der Bundesregierung.

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