Angriff auf den Mittelstand:

Europäische Zentralbank dient der Konzern-Lobby

Europäische Zentralbank schafft für die Konzern-Lobby künstliches Wachstum – auf Kosten des Mittelstandes

Deutschlands Familienunternehmer geraten durch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Auffassung von Interessenvertretern zunehmend unter Druck. Das jüngst beschlossene Anleihekaufprogramm der EZB sei eine »üble Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Konzerne«.

International wird seit Jahrzehnten der Mittelstand als Garant für Stabilität und Arbeitsplätze gepriesen. Mit Sorge blicken Deutschlands Mittelständler jedoch auf die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), der seit Freitag die Französin und ehemalige Chefin des IWF, Christine Lagarde, vorsteht.

So verurteilt der Interessenverband »Die Familienunternehmer« das jüngst beschlossene Anleihekaufprogramm der EZB als »üble Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Konzerne«. »Der weitere Ankauf der EZB von Unternehmensanleihen von großen – auch nicht europäischen – Industriekonglomeraten gefährdet den deutschen und europäischen Mittelstand«, kritisiert Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée gegenüber der ›Welt‹ die EZB-Politik.

Die EZB hatte im September beschlossen, ab November wieder für monatlich 20 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Papiere zu erwerben, darunter auch Unternehmensanleihen. Dies führe zu einem »künstlichen Anstieg der Unternehmensbewertungen, der nicht die reale Entwicklung abbildet«, so der Verbandspräsident weiter. Durch die »unnötigen Liquiditätsspritzen« begünstige die EZB »große Unternehmen bis hin zur Übernahme deutscher Mittelständler«, so der Verbandspräsident weiter.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte von der EZB mehr Augenmaß: »In Zukunft brauchen wir eine viel tiefere, ernsthafte Diskussion über die notwendigen Maßnahmen, um Europas Wachstum bei Preisniveaustabilität zu sichern«, teilt BDI-Präsident Dieter Kempf gegenüber der ›Welt‹ mit.

»Wer nun unter Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde auf einen Kurswechsel hofft, dürfte enttäuscht werden«, urteilt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. »Die Französin hat Draghis Geldpolitik stets unterstützt und wird als ehemalige Finanzministerin viel Verständnis für die Wünsche ihrer ehemaligen Kollegen haben.«

Der Interessenverband »Die Familienunternehmer« repräsentiert nach eigener Darstellung die wirtschaftspolitischen Interessen von 180.000 Familienunternehmern in Deutschland, die acht Millionen sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigen. Deutschland stellt europaweit die größte Anzahl an kleinen und mittleren Unternehmen.

Drucken