›ARD‹-»Antifa«-Journalist:

›taz‹ tappt im Dunkeln

Der ›Deutschland Kurier‹ hatte am Dienstag über den »Antifa«-Aktivisten Sebastian Friedrich berichtet. Dieser war zuvor für die linksextreme Monatszeitschrift ›ak – analyse & kritik‹ (›ak‹) als Redakteur tätig. Deren Redaktion gehört der Interventionistischen Linken (IL) an, die durch den Verfassungsschutz des Bundes und etlicher Länder beobachtet wird und auch schon Geld für Waffen sammelte sowie als hauptverantwortlich für die Ausschreitungen während des G20-Gipfels gilt. Die Zugehörigkeit der ›ak‹ wurde am Mittwoch in einem Artikel der ›taz‹ bestritten. Doch nun mussten die ›taz‹-Autoren  einräumen, von dem entscheidenden Faktum keine Kenntnis gehabt zu haben: Die ›ak‹-Redaktion hat selbst angegeben, Mitgliedschaft der IL zu sein.

von Christian Jung

Die ›taz‹ gibt sich ahnungslos – dabei hätte sie mit wenig Rechercheaufwand feststellen können, dass die Redaktion der Zeitschrift ›ak – analyse & kritik‹ (kleines Logo) der vom Verfassungsschutz beobachteten Interventionistischen Linken angehört (Montage: Deutschland Kurier)

Frühjahr 2008. Die Interventionistische Linke lädt zur Aktionskonferenz. Dazu hat sie eigens eine Broschüre zusammengestellt. Vielmehr zusammenstellen lassen. Denn die ›ak‹-Redaktion übernahm die Auswahl der Texte. Titel: »Dazwischen gehen!« Unter anderem drucken die »Antifa«-Genossen den folgenden äußerst aufklärenden Auszug aus einem Interview der ›ak‹ mit einer »Genossin« über den »Erfolg« ihres Blockade-Konzeptes ab:

»Es war schön mitzuerleben, wie Tausende die Grenzen der Legalität überschritten haben, um ihrem Protest dagegen Ausdruck zu verleihen. Dazu gehörte das selbstverständliche Eindringen in das verbotene Gebiet am Zaun, die Sitzblockaden, die kleineren Barrikaden aus Baumstämmen und Steinen. Aber auch die Steinwürfe auf die Polizei am Rande der Großdemonstration am Samstag.«

Auch sonst wird viel gejubelt über den G8-Gipfel in Heiligendamm und den »Schwarzen Block«. Weniger gejubelt haben sicherlich die über 400 verletzten Polizeibeamten von Heiligendamm. Nicht nur deshalb ist klar: Die ›ak‹ ist linksextremistisch bis ins Mark, selbst wenn sie nie Mitglied bei der IL gewesen wäre. Doch das ist sie – bis zum heutigen Tage.

Die ›ak‹ trat der IL bei, aber augenscheinlich nie aus

Auf der letzten Seite der durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung gesponserten 65-seitigen Broschüre heißt es (Hervorhebung durch den Autor):

Wer ist die Interventionistische Linke?

Zur Zeit sind dabei: Antifaschistische Linke Berlin, FelS Berlin, Antifaschistische Linke International Göttingen, Organisierte Autonomie Nürnberg, Radikale Linke Nürnberg, Projekt Interventionistische Linke Köln, Redaktion ak – analyse&kritik, Redaktion Fantômas, Kampagne Libertad!, Gruppe dissident Marburg, Avanti – Projekt undogmatische Linke (Norddeutschland), Antifa KOK Düsseldorf, Institut für Theologie und Politik Münster, Rote Aktion Kornstraße Hannover sowie viele GenossInnen, die als Einzelne bei der IL und ansonsten in anderen Zusammenhängen aktiv sind.

Die ›ak‹-Redaktion erklärte in einer von ihr für die IL zusammengestellte Broschüre selbst, Mitglied in der durch den Verfassungsschutz beobachteten Organisation zu sein. (Bild: Ablichtung der letzten Seite der IL-Broschüre »Dazwischen gehen!«, Hervorhebungen durch die Redaktion)

Zudem heißt es auf Seite 2 der Broschüre:

Die IL ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Einzelpersonen und Gruppen aus der undogmatischen und post-autonomen Linken, darunter auch die ak-Redaktion.

Auch in der Fachliteratur wird, wie von uns im Artikel vom Dienstag aufgezeigt, die ›ak‹-Redaktion der IL zugerechnet. Übrigens erscheint schon etwa ein Jahr nach obiger Erklärung der erste Artikel des neuerdings der ›ARD‹ zugehörenden Friedrichs in der ›ak‹, der inzwischen gegenüber der ›taz‹ zudem einräumt, entgegen seiner Behauptung doch eine Anfrage des ›Deutschland Kurier‹ erhalten zu haben.

›ak‹-Redaktion schweigt zu eigener Erklärung der Mitgliedschaft in der IL

Im ›taz‹-Artikel streitet die ›ak‹-Redaktion jedoch die Mitgliedschaft in der IL ab. »Wir sind dort kein Mitglied«, erklärte ak-Redakteur Jan Ole Arps gegenüber der ›taz‹. Der ›Deutschland Kurier‹ hätte bei dem linksextremen Blättchen auch nicht nachgefragt gehabt, so Arps. 

Was ist aber mit den eigenen Aussagen der ›ak‹, eben doch bei der IL Mitglied zu sein? Einzige noch mögliche Erklärung: Die ›ak‹ hätte irgendwann einmal aus der IL austreten müssen. Dafür haben wir keinen Hinweis gefunden; nicht einen. Nicht in der ›ak‹-Zeitung, soweit sie uns nach vielen Ausgaben bekannt ist, und auch nicht auf der Internetseite der IL.

taz‹-Redakteurin kennt Quelle nicht

Zwei E-Mails an die Redaktion und eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter der ›ak‹ mit der Frage wann und warum diese aus der IL ausgetreten sein (will), blieben bislang gänzlich unbeantwortet. Die Linksextremisten der ›ak‹, die gegenüber der ›taz‹ noch geklagt hatten, man hätte sie nur fragen müssen, hüllen sich jedoch gegenüber dem ›Deutschland Kurier‹ in vielsagendes Schweigen.

Kein Wunder: War doch dies die entscheidende Frage, die der ›ak‹-Redaktion von ›taz‹-Autorin Anne Fromm natürlich nicht gestellt wurde. Denn diese musste gegenüber dem ›Deutschland Kurier‹ einräumen: »Eine Quelle, in der sich die AK selbst als Teil der IL erklärt, ist mir nicht bekannt.« Wer schlecht recherchiert, kann auch keine guten Fragen stellen. Und da die ›taz‹-Autorin schon beim Weglassen ist, übergeht sie auch die Informationen des Verfassungsschutzes Berlin, laut dem sich der »Aktivist der linksextremen Szene« Friedrich in »gewaltbereiten« Gruppen »engagiere«.

Nebelkerzen für einen unter Druck Geratenen?

Dabei wäre Fromm hinsichtlich der IL-Mitgliedschaft noch nicht einmal auf die Broschüre angewiesen gewesen. Auch auf der Internetseite der Interventionistischen Linken, für die ›taz‹ keine Unbekannte, wäre sie fündig geworden. Dort heißt es in einem Nachdruck eines Interviews in der Sozialistischen Zeitung:

Zur Interventionistischen Linken (IL) zählen sich: Antifaschistische Linke Berlin (ALB), FeLS Berlin […] Redaktion Analyse & Kritik, […]

Was bleibt? Die ›ak‹-Redaktion war – und ist – Mitglied der IL. Und Sebastian Friedrich war vor seiner fragwürdigen journalistischen Tätigkeit für die ›ARD‹ und ›tagesschau.de‹ Mitglied dieser Redaktion. Das hat den GEZ-Sender nicht daran gehindert, Friedrich mit der Berichterstattung über die AfD zu betrauen. Für diese Aufgabe hat er sogleich einen »Antifa«-Mitstreiter aus seiner ›ak‹-Zeit als Experten vor das ARD-Mikrofon geholt. So hörte sich der Beitrag denn auch an. Linke unter sich. Genau wie im Artikel der ›taz‹.

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