ARD bezahlte 120.000 Euro für »Framing Manual«

Die ARD weigerte sich bislang, die Kosten für das durch die Sendeanstalt beauftragte »Framing Manual« offenzulegen. Am Dienstag nun teilte die Sendeanstalt mit, 120.000 Euro Beitragsgeld in das hoch umstrittene »Expertengutachten« investiert zu haben. Die Senderleitung hält die Aufregung um das »Umerziehungspapier« für »völlig übertrieben«. Privatsender fühlen sich jedoch durch das Gutachten »diskreditiert«.

Nächster ARD-Skandal: Zwangsgebühren-finanzierte Anleitung, um Kritiker herabzusetzen

Eigentlich wollte die ARD-Sendeanstalt überhaupt nicht, dass die Öffentlichkeit etwas über den Inhalt oder die Erstellungskosten des bereits vor zwei Jahren in Auftrag gegebenen 89-seitigen »Gutachten« in Kenntnis gesetzt wird.

ARD-Verantwortliche halten Kritik am »Framing Manual« für völlig überzogen

Auskunft zum Inhalt des ARD-»Framing Manual« – beauftragt beim »Berkeley International Framing Institute« und erstellt durch die Sprachwissenschaftlerin und »Framing Institute«-Chefin Elisabeth Wehling – wollte die ARD mit Verweis auf angebliche Urheberrechte nicht geben. Am Sonntag stellt dann die Plattform Netzpolitik.org das Papier ins Internet. Weiterhin jedoch weigerte sich die ARD, darüber zu unterrichten, in welcher Höhe Frau Wehling mit den zwangsweise eingetriebenen Gebühren für ihre Arbeit entlohnt wurde. Am Dienstag tat die Rundfunkanstalt dann noch kund, wie teuer die Handreiche dem Beitragszahler gekommen ist: Die Kosten für die Arbeitsunterlagen und begleitende Workshops beliefen sich der ARD zufolge auf 90.000 Euro, die der ›MDR‹ als Vorsitzanstalt bezahlt hat. Weitere 30.000 Euro habe das ARD-Generalsekretariat für Folgeworkshops ausgegeben.

Die »Aufregung« um das »Framing Manual« halten die ARD-Verantwortlichen einhellig für wenig nachvollziehbar. So betitelte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm die Kritik an dem Papier als »völlig übertrieben«. ARD-Chefredakteur Rainald Becker bedauert es im Nachhinein, dass der Sender nicht selbst den Inhalt des Manuals veröffentlicht habe. »Wir haben nichts zu verbergen«, beteuert der ARD-Funktionär gegenüber WeltOnline. Deshalb hält Becker die Reaktionen auf das Gutachten für unverhältnismäßig: »Ich kann da keinen Skandal entdecken, wie einige das getan haben. Wir haben niemanden unter Mindestlohn bezahlt, wir haben niemanden unterdrückt. Ich finde das eine künstlich aufgeblasene Diskussion.«

ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab hatte die immer lauter werdende Kritik bereits am Donnerstag zurückgewiesen und in einer Stellungnahme nochmals erklärt: Das »Framing Manual« sei als Angebot an die Mitarbeiter gedacht, sich mit dem Thema offen auseinanderzusetzen. »Wie sie dann kommunizieren, ist jeder und jedem selbst überlassen«, so Pfab.

SED-Genossinnen und medienkapitalistische Heuschrecken

MDR-Chefin Karola Wille, die vor ihrem Wirken beim MDR bereits eine Karriere als SED-Genossin und Juristin in der DDR hinter sich hatte, beauftragte während ihres ARD-Vorsitzes das »Framing«-Gutachten bei der in der linkspolitischen Medienwelt tätigen Linguistin Wehling. Bislang wollte sich die 60-jährige Ex-Genossin Wille nicht zum ARD-Gutachten äußern. Auch Wehling sah sich zwischenzeitlich genötigt, eine »Klarstellung in eigener Sache« abzugeben. Zu Wehlings Wirken bemerkte der Autor Roland Tichy, dass die Dame zwar keine Journalistin, aber immerhin als Jurorin im »Reporterpreis«, der von der Zigarettenfirma Reemtsma wesentlich finanziert wird, aktiv ist. Der »Reporterpreis« sei jener Preis, »in dem der Medienerfinder und Meisterdichter Relotius so auffällig häufig ausgezeichnet wurde«, so der Hinweis.

Das Papier wird von Kritikern, aber auch von Mitarbeitern des Senders als »Leitfaden zur Manipulation der deutschen Öffentlichkeit« bewertet. Statt Fakten würden »emotionalisierte Argumente (sogenannte Frames) geliefert, um Kritiker herabzusetzen und moralisch zu diskreditieren«. Wer die ARD kritisiert, müsse – so nicht nur der Autor Roland Tichy – mit Ausgrenzung durch den mächtigen Senderverbund rechnen. Auch der Verband der Privaten Medien meldete sich zu Wort, nachdem im Gutachten unter anderem dazu geraten wurde, Privatsender als »medienkapitalistische Heuschrecken« zu bezeichnen. Der Verband mahnte von der ARD eine »sachliche und faire Tonlage« an. »Warum man jetzt Beitragsgelder dafür ausgibt, uns massiv zu diskreditieren, kann ich beim besten Willen nicht verstehen«, so Verbands-Chef Hans Demmel, der gegenüber der Bild-Zeitung anmerkte, dass es sinnvoller wäre, »die ARD würde mit konstruktiven Vorschlägen zur eigenen Zukunft aufwarten«.

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