Aufgespießt!

Die Mainstream-Medien-Flops der Woche

Diesmal mit Agitprop in Spielfilmlänge, »Fake News« über merkelbegeisterte Amis und einem frischpolierten Heiligenschein für die Kanzlerin

Wer glaubt, beim allsonntäglichen »Tatort« handele es sich um Unterhaltungsfilme der Gattung »Krimi«, der hat wohl schon lange keinen mehr gesehen. Der geübte und unerschrockene ›ARD‹-Konsument weiß: Ein »Tatort« ist szenische Volkspädagogik bis in die letzte Nebenrolle, ein 90-Minuten-Intensivkurs in politisch erwünschter und korrekter Gesinnung, oder kurz gesagt: Agitprop in Spielfilmlänge.

Am letzten Aprilsonntag lieferte der ›NDR‹ mal wieder ein Paradestück der Gattung. Beim »Fall« mit dem Titel »National feminin« ist kein Platz für Zwischentöne: Hier die gute Kommissarin Lindholm mit ihrer schwarzen Kollegin – ja, so sieht es aus in deutschen Kommissariaten –, dort die sinistren Gestalten von der »neuen Rechten«, die sich selbstverständlich gegenseitig umbringen.

Die Handlung bietet so viele Überraschungen wie ein Leitartikel in der ›Prawda‹ oder im ›Neuen Deutschland‹. Mordopfer ist eine smarte und attraktive Jurastudentin, die in ihrem titelgebenden Blog »national feminin« Migrantengewalt gegen Frauen thematisiert. Die guten Kommissarinnen sind angemessen angeekelt, schließlich weiß doch jeder, dass das »Patriarchat« an allem schuld ist.

Die Studentin ist Aushängeschild der »Jungen Bewegung«, einer leicht erkennbaren Karikatur der »Identitären«; und deren Protagonisten sehen natürlich auch so aus wie die bekannten realen Köpfe der Identitären Bewegung. Dann gibt es da noch eine eiskalte Juristin, die ans Bundesverfassungsgericht berufen werden soll, leicht als Kopie von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel zu durchschauen ist und mal eine Affäre mit der Bloggerin hatte. Aber der Mörder ist natürlich der Bewegungschef und Martin-Sellner-Verschnitt, der seine schwangere Verlobte verraten und die schöne Aktivistin gestalkt hat.

Der Mörder ist immer der Rechte; kriminelle Migranten gibt es nicht im »Tatort«-Paralleluniversum, außer die böse Gesellschaft zwingt sie dazu. Das ist so platt und plump, dass man nur noch lachen könnte, wäre es nicht ein neuer Tiefpunkt im öffentlich-rechtlichen Niveau-Limbo, eine reale Persönlichkeit des politischen Lebens über eine leicht entzifferbare Filmfigur zum Mörder zu stempeln.

Die echten Rechten sind wie so oft humorvoller und kreativer. Einige, offenbar aus dem Umfeld der »Identitären«, haben prompt die von den Drehbuchmachern erfundene »Junge Bewegung« samt Namen, Logos und Protagonisten gekapert und rollen damit die sozialen Medien auf. Ein Schuss in den Ofen dürfte auch der Merkspruch aus einem der hölzernen Dialoge sein, den die ›ARD‹ vorab verbreitete: »Wenn du deine Identität nur durch ein Feindbild aufrechterhalten kannst, dann ist deine Identität eine Krankheit.« Das können sich Antifanten, Feministinnen und die Tatort-Drehbuchmacher gemeinsam hinter die Ohren schreiben.

Aber Hauptsache, der oberste »Antifa«-Aktivist der CDU, Ruprecht Polenz, hat einen »Klasse Tatort« gesehen und die trotz ihrer Verwandtschaft mit dem großen Dirigenten Wilhelm Furtwängler erschütternd talentfreie blonde Kommissarinnen-Darstellerin Maria Furtwängler hat wieder Haltung gezeigt und ihren sechsjährigen Film-Sohn beruhigt, dass sie »die Faschos« schon »in den Griff« bekommen werde, damit der Kleine auch gut schlafen kann.

Im realen Leben ist Maria Furtwängler übrigens mit dem Verleger-Milliardär und Merkel-Fan Hubert Burda verheiratet. Nach ihrem »Tatort« durften dann bei Merkel-Fan Anne Will die Merkel-Fans Armin Laschet, Christian Lindner und Annalena Baerbock ohne störende AfD-Opposition wieder über irgendwas diskutieren. Alles wie immer also im Merkel-Land. Wie kommt der FDP-Quertreiber Wolfgang Kubicki bloß darauf, das Publikum in deutschen Talkshows, das immer wie auf Kommando nur stramm links applaudiert, könnte irgendwie »bezahlt und gecastet« sein? So was gibts doch nicht im besten Deutschland, das wir je hatten.

Doppelt genäht hält allerdings besser, gerade in der Propaganda, deswegen bemüht die ›Welt‹ sicherheitshalber auch die USA als Kronzeuge – das gute Amerika der Nicht-Trump-Anhänger natürlich. Die feiern gerade die weise und große Krisenmanagerin Angela Merkel, lesen wir da. Na gut, genau genommen ist es nicht ganz Amerika, sondern nur zwei notorische Trump-Hasser, die in leicht exotischen linken Blättern ihre Tiraden ablassen. Einer von ihnen wünscht sich Merkel gar als Vizepräsidentin neben Trump-Herausforderer Joe Biden, was auch in US-Ohren nicht so recht ernsthaft klingen dürfte. Aber Hauptsache, es passt irgendwie ins vorgefertigte Bild.

Und in der Heimat gibt es ja schließlich noch genug Merkel-Bewunderer in allen möglichen Redaktionen. Gläubige Verehrerinnen wie Miriam Khan zum Beispiel, Redakteurin vom Dienst beim linken ›Stern‹. Die weiß genau, »warum jeder von uns heilfroh sein sollte, dass Angela Merkel noch Kanzlerin ist«. Wegen ihrer Besonnenheit, ihrer analytischen Kühle, weil sie »Wissenschaftlerin« sei – ein Pflicht-Argument in der Merkel-Heiligenbeschreibung – und mit »Weitblick und Augenmaß« immer die richtigen Worte findet. So wie hier. Und jetzt beten wir alle noch ein Merkel unser und gehen zu Bett.

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