Aufgespießt!

Die Mainstream-Medien-Flops der Woche

Von Horrorbildern, Zuchtmeistern, Langweilern und Zensoren

Es gibt diese gruseligen Bilder, die bekommt man einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wie er da sitzt in all seiner untertänigen Massigkeit, die bleichen Waden unter hochgerutschten Hosenbeinen hervorblitzend, die Patschhändchen andächtig zur Merkel-Raute gefaltet, das Ganze in einem TV-Studio, das aussieht wie die Raumschiffbrücke in einem Trash-Scifi-Film, während Hofmoderatorin Sandra Maischberger ihn artig zu den neuesten Ratschlüssen seiner Herrin befragt: Peter Altmaier, von Beruf Merkel-Paladin und Talkshowgast, im Nebenjob Bundeswirtschaftsminister, in seiner vollen Pracht.

Wollte man das Elend der deutschen politischen Klasse in einem Bild zum Ausdruck bringen, dieser Schnappschuss wäre wohl einer der Favoriten. »Immer wenn ich diesen Herrn sehe«, kommentiert die inzwischen wieder nach China zurückgekehrte Publizistin Zhang Danhong sarkastisch, »denke ich an den Eunuchen eines chinesischen Kaisers mit dem bekannten Spruch: ›Wenn seine Majestät zu einem Reh sagt, das sei ein Pferd: Dann ist es ein Pferd.‹«

Und die Funk- und Fernseheunuchen helfen eifrig mit, die frohe Kunde im ganzen Land zu verbreiten. Am Ende der Woche, wenn schon alles gesagt ist, aber noch nicht von allen, kommt dann die Sonntagabend-Gouvernante Anne Will und sammelt die Reste auf. Diesmal ohne die Dauergäste vom Grünen-Bundesvorstand oder den schrägen Karl Lauterbach, dafür mit irgendwelchen Ethik-Experten und Landespolitikern aus der zweiten Reihe. FDP-Vize Wolfgang Kubicki durfte ab und zu mal Reste von liberalem Widerspruchsgeist aufblitzen lassen, damit anschließend künstliche Empörung zelebriert werden kann. Regierungskritisches hat in so einer Sendung nun mal nichts verloren, da sind sich Moderatorin und Gäste ganz einig. Die übliche bleierne Langeweile also.

Die Medien-Zuchtmeister können aber auch anders, sollte das dumme Zwangsgebührenzahler-Volk es wagen, etwa aufzumucken und sich zu beschweren. ›ARD‹-Chefredakteur Rainald Becker vom ›SWR‹ packt da schon mal die große Reitpeitsche aus: »All diesen Spinnern und Corona-Kritikern sei gesagt, es wird keine Normalität mehr geben wie vorher.« Wenn die Obrigkeit das so beschlossen hat, dann hat der Pöbel eben »Lebensstil, Konsumverhalten und Wirtschaft grundlegend zu verändern«. Und die öffentlich-rechtlichen Herolde hämmern es ihm ein, bis es auch der letzte kapiert hat.

Madonna und Robert De Niro, hebt der ›ARD‹-Chefredakteur drohend den Zeigefinger, haben es inzwischen ja auch schon gesagt. Wer sein altes Leben zurückhaben will, wer Demokratie, Grundrechte und seine Freiheit gegen übergriffige Behörden und Konzerne verteidigen will, der ist für den Regierungsfunk also ein »Spinner«, und Hollywood-Millionäre sind dafür die maßgebliche Autorität. Da fragt man sich denn doch, wer da tatsächlich nicht mehr alle Latten am Zaun hat.

Das Framing ist gesetzt. Wenn jugendliche Schulschwänzer mit halb verdauten Ideologiebrocken und wirren Plakaten gegen irgendwas mit »Klima« demonstrieren, kriegen Staatsfunk und Medien-Establishment sich nicht mehr ein vor Begeisterung. Wenn aber erwachsene Bürger und Steuerzahler ihre Grund- und Freiheitsrechte einfordern, singen »Tagesschau« und etablierte Politik dasselbe Lied: lauter »Rechtsradikale« oder »Verschwörungstheoretiker« oder beides.

Eine willkommene Gelegenheit, sich mal wieder an Thüringens FDP-Chef und Kurzzeit-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich abzuarbeiten. Seit der sich statt des Kommunisten Ramelow, der seine Mehrheit verloren hatte, auch mit den Stimmen der unberührbaren AfD-Abgeordneten hatte wählen lassen, ist er ja sowieso eine bevorzugte Hassfigur des linksgrünen Medien- und Polit-Establishments von SED bis CDU.

Der böse Kemmerich also, empörte sich der Mediensturm und sogar die eigene Partei, habe doch tatsächlich in Gera »mit der AfD« gegen die Corona-Beschränkungen demonstriert. Wahr daran ist, dass auch Mitglieder und Sympathisanten der AfD bei der Kundgebung waren. Da jeder vierte Thüringer diese Partei unterstützt, ist das auch kaum verwunderlich, dass die Demonstration von einem CDU-Mittelständler angemeldet worden war, der Kemmerich um ein Grußwort gebeten hatte – wen kümmert’s. Statt über die Sorgen und Nöte der vielen rechtschaffenen Bürger und Steuerzahler zu reden, die das Gros der Demonstranten stellten, ist es ja auch viel bequemer, mal wieder auf die AfD einzuteufeln.

Wer der Regierungspolitik und ihren Propagandasendern ›ARD‹ und ›ZDF‹ skeptisch gegenübersteht, den trifft das Verdikt. Ob die Kritik berechtigt ist, muss dann gar nicht erst noch geprüft werden. Sogar katholische Bischöfe kriegen eins mit der »Verschwörungstheoretiker«-Keule, wenn einer von ihnen mal aus der Reihe tanzt und Kritik anmeldet.

Kennt man ja auch kaum noch, dass Kirchenobere einen eigenen Standpunkt vertreten und nicht vom Gottesdienstverbot an Ostern bis zur Extrawurst für Muslime alles bejubeln, solange man sie nur ungestört ihre Geschäfte in der Migrations- und Sozialindustrie weiterbetreiben lässt. Die staatsfromme Amtskirche hat die Abweichler dann ja auch gleich in den Senkel gestellt.

Die Originalquelle des Aufrufs der Bischöfe haben die Verschwörungstheoretiker vom Regierungsfunk natürlich nicht verlinkt. Sonst hätten aufmerksame Leser ja leicht herausfinden können, dass die Kirchenfürsten berechtigte und vernünftige Kritik vortragen. Sie äußern nicht selbst Zweifel an der »tatsächlichen Ansteckungsgefahr« des Virus, sondern zitieren diese, und sie warnen vor »dauerhaften Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der damit verbundenen Kontrolle über Personen und der Verfolgung all ihrer Bewegungen […] Diese illiberalen Steuerungsversuche sind der beunruhigende Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht«. Die Formulierung »Weltregierung« mag man als überzogen kritisieren, in der Sache haben sie recht.

Kein Wunder also, dass Informanten und »Whistleblower« mit brisanten Enthüllungen lieber gleich zu den freien und alternativen Medien gehen. Wenn den Staatsfunkern und Mainstream-Medien die Zuschauer und Leser noch schneller davonlaufen, je mehr sie sich zum Lautsprecher und Vollstrecker der Etablierten machen lassen, sind direkte staatliche Subventionen – GEZ für den ganzen Mainstream sozusagen – nur der nächste folgerichtige Schritt.

Die Corona-Krise bietet auch dafür den perfekten Vorwand. Dann muss dem Journalismus eben noch mehr als anderen Branchen geholfen werden, meinen Grüne und Linke und legen auch gleich die passenden Pläne dafür vor. Die Grünen hätten gerne einen »medienübergreifenden Förderfonds zur Stärkung der Medienvielfalt«, bei dem ein »staatsfernes und politisch neutrales« Gremium über die Verteilung der Gelder entscheidet. Mit »staatsfern« meinen sie wohl die ihnen treu ergebene »Zivilgesellschaft«. Und die SED-PDS-»Linke« hat schon einen »Soforthilfefonds ›Systemrelevanter Journalismus‹ zum Erhalt medialer Vielfalt und Beschäftigung« gebastelt und beantragt. Fragt sich nur, welches »System« sie da genau im Auge haben.

Bei ›Facebook‹ haben sie dagegen schon wieder ganz andere Sorgen. Da heißt die Herausforderung, Inhalte so zu löschen und zu zensieren, dass es möglichst wenig Schwierigkeiten gibt, weder mit kontrollwütigen Regierungen wie der deutschen noch mit aggressiven Lobbygruppen.

Zur reibungslosen Abwicklung haben sie sich einen eigenen »Obersten Gerichtshof« zusammengestellt. Der entscheidet, welche Inhalte von der weltweit größten Social-Media-Plattform zugelassen oder entfernt werden. Eines der Mitglieder: die Jemenitin Tawakkol Karman, eine berüchtigte Aktivistin der Muslimbruderschaft. Da werden sich Trumps Republikaner im Präsidentschaftswahlkampf wohl noch wundern, wo ihre Inhalte bloß hin verschwinden, während auf der Linken wieder das Lied von den finsteren »russischen Manipulationen« gesungen wird.

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