Aufgespießt!

Die Mainstream-Medien-Flops der Woche

Diesmal mit Hofjournalismus auf Ramschniveau, vertrauter Langeweile im GEZ-Propagandakarussell und der letzten Flakabwehr der Regierung

Die Propagandaplakatmaler vom ›Spiegel‹ haben wieder zugeschlagen: Fahlblau eingefärbt wie giftige Geister blicken einen die AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel, der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke und sein Brandenburger Kollege Andreas Kalbitz vom Cover der aktuellen Ausgabe herab stechend an.

Der »völkische ›Flügel‹« wolle »die AfD übernehmen«, raunt es dazu in angesagtem Schablonen-Dummdeutsch. Und damit auch ja bei jedem das Nazometer schrillt, werden die solcherart unvorteilhaft Porträtierten auch noch, in Anspielung auf ein berüchtigtes NS-Kampfblatt, als »Die Stürmer« tituliert. Wer die Kolportagegeschichte unbedingt lesen will, wartet am besten, bis das Lesezirkel-Abo das Heft ins Wartezimmer seines Zahnarztes bringt; für die gedruckte Ausgabe wie für die Online-Bezahlschranke wäre jeder Euro zu viel.

Kampfblatt kann der ›Spiegel‹ bekanntlich selbst recht gut, das belegen nicht nur seine zwanghaften AfD-Titelgeschichten. Für den Video-Ableger ›Spiegel TV‹ sind Kritiker der Corona-Maßnahmen der Regierenden, die dagegen auf die Straße gehen, selbstredend Wüteriche, »Hetzer« und Anhänger von »kruden Verschwörungstheorien«.

Man könne ja schon mal »mit der Arbeit der Bundesregierung in der Corona-Krise unzufrieden sein und deswegen auf die Straße gehen – aber bitte aus den richtigen Gründen«, gesteht ›Spiegel‹-Oberkommentator Markus Feldenkirchen gönnerhaft zu, immerhin. Die real existierenden Demonstranten scheinen für ihn aber immer die Falschen zu sein. Da brauchen Merkel & Co. dringend etwas Aufmunterung: »Die Politik darf sich von verwirrten Verschwörern nicht verrückt machen lassen.«

Kim Jong-uns Hofschreiberlinge hätten das nicht schöner ausdrücken können. Oder stammt die Zeile aus dem ›Neuen Deutschland‹, so vom Sommer 1989? Aus Wien stammt die linke Agitatorin Natascha Strobl, die sich auf die »Identitären« und ihren Chef Martin Sellner eingeschossen hat. Außerdem hat sie irgendwas mit Politik studiert, weswegen der ›Spiegel‹ sie gleich zur »Wissenschaftlerin« und »Extremismusforscherin« hochjubelt und sie in einem Stichwortgeber-Interview ihre Meinungen als wissenschaftliche Erkenntnisse ausbreiten lässt.

»Rechtsextreme«, doziert das Fräulein Strobl da, würden sich an Protesten gegen Corona-Maßnahmen besonders gern beteiligen, weil es aus ihrer Sicht ja eh nichts ausmacht, wenn die »Kranken und Schwachen« sterben. Belegen kann sie das natürlich nicht, das hat sie mal eben so in die Luft geschwurbelt. »Krude Verschwörungstheorie«, könnte man dazu im ›Spiegel‹-Jargon sagen. Oder, einfacher ausgedrückt: Hofjournalismus auf Ramschniveau.

In der ›Alpen-Prawda‹ aka ›Süddeutsche Zeitung‹ hört sich das ganz ähnlich an, das Framing ist aber subtiler in den Text eingebaut. Da stehen »zahlreiche Proteste in Berlin-Mitte gegen die Corona-Einschränkungen« (böse, mindestens aber verdächtig) auf der einen Seite, »Gegendemonstrationen von Initiativen und Gruppen, die zu Vernunft aufrufen und sich gegen Verschwörungstheorien wenden« – die »Guten«, fraglos – auf der anderen.

Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als Journalisten stolz darauf waren, den Mächtigen allezeit kritisch auf die Finger zu schauen? Lang ist’s her. Heute schaut man in den Redaktionen erst mal nach, aus welcher Richtung der Wind der Macht gerade weht, und klopft dann Abweichlern und Oppositionellen auf die Finger.

Vor ein paar Jahren feierte der ›Spiegel‹ seinen 70. Geburtstag, indem er legendäre Politikerbeschimpfungen auf die Titelseite druckte. Das war zu dem Zeitpunkt schon nostalgische Folklore und Vergangenheitsverklärung. Die knackigen Zitate stammen alle aus der alten Bundesrepublik; von Angela Merkel ließ sich offenbar schon keine so richtig kritische Aussage über den ›Spiegel‹ auftreiben. Woher auch – das einstige »Sturmgeschütz der Demokratie« ist längst zur letzten »Flakabwehr der Regierung« geworden.

Das öffentlich-rechtliche TV-Propagandakarussell dreht sich unterdessen mit gleichbleibend vertrauter Langeweile weiter im Kreis. Zu ihrer Sonntagsplauderrunde mit einem der beiden Grünen-Vorsitzenden und wechselnden Gästen aus dem Umkreis der Regierungsparteien hatte »Anne Will« diesmal wieder Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock eingeladen (Habeck war ja erst), außerdem für die GroKo Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und einen CDU-Finanzmann, eine von der Regierung bestallte Sachverständige sowie, als Oppositionssimulation, den Chef des Steuerzahlerbundes Reiner Holznagel.

Die größte Oppositionspartei AfD war natürlich wieder nicht vertreten, was nachvollziehbar ist, denn da wäre ja Grundsatzkritik am fröhlichen Milliardenausgeben zu erwarten gewesen. Seit Beginn der Corona-Krise hat man daher sicherheitshalber überhaupt keine AfD-Politiker mehr in öffentlich-rechtliche Talkshows eingeladen. Der auch für die »SteuerzahlerINNEN« zuständig ist, wie Frau Will nicht müde wird zu betonen, als gäbe es nichts Wichtigeres.

Aber halt, das stimmt nicht ganz; letzte Woche war Parteichef Jörg Meuthen immerhin mal bei Maischberger zu Gast. Da haben dann allerdings vor allem die anderen Gäste aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen über die Corona-Krise geplaudert, während Meuthen zum Parteiausschluss von Andreas Kalbitz befragt wurde. Wenn saftige Personalstreitereien anstehen, kann man auch beim sonstigen Ausgrenzen der AfD mal eine Ausnahme machen.

Auch bei Formaten, zu denen gar keine Politiker eingeladen werden, ist auf die Einäugigkeit der öffentlich-rechtlichen Programmgestalter Verlass. Im ›ARD‹-»Presseclub« am Sonntagmittag diskutierten über den Aufstieg Chinas trotz oder wegen Corona-Krise Journalistenkollegen von ›taz‹, ›Spiegel‹, ›Süddeutsche‹ und ›Tagesspiegel‹. Von ganz links über links bis linksliberal wäre damit auch schon das ganze Spektrum abgedeckt, auf dem sich der deutsche Medien-Mainstream so zu bewegen pflegt.

Annalena Baerbock, die Entdeckerin der Kobolde im E-Auto-Akku, hatte übrigens auch diesen Sonntag wieder eine neue Erkenntnis parat: Deutschland sei »die größte Volkswirtschaft der Welt«. Zwar liegen wir nach den gängigen Statistiken auf Platz vier hinter den USA, China und Japan, aber wir wollen ja auch die ganze Welt retten, also keine falsche Bescheidenheit.

Immerhin ist Deutschland die stärkste Volkswirtschaft in der EU, noch jedenfalls. Selbst das könnte sich ändern, wenn der Merkel-Macron-Plan umgesetzt wird und die Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch Eurobonds unter dem Etikett »Wiederaufbaufonds« kommt. 135 Milliarden hat Merkel dafür schon mal als Anschubfinanzierung in den Schornstein geschrieben – so hoch wäre der deutsche Anteil an dem 500-Milliarden-Paket, das nach dem Prinzip »Die EU-Kommission verteilt, Deutschland und ein paar andere Doofe zahlen zurück« unter die Euro-Südstaaten gebracht werden soll. Vorerst jedenfalls.

Kritik daran üben vor allem die Nörgler von der AfD, aber die kommen im Medien-Mainstream ja kaum noch vor. Die Flakhelfer vom ›Spiegel‹ attackieren die Regierungschefs von Österreich, Schweden, Dänemark und den Niederlanden, die sich tatsächlich erdreisten, ihren – und auch den deutschen – Steuerzahlern dieses Haftungsmonster ersparen zu wollen, als »die frechen Vier«. Und Tina Hassel, das Merkel- und Grünen-Groupie vom ›ARD‹-Hauptstadtstudio, bangt schon, einer von diesen Querulanten könnte den Merkel-Macron-Plan zu Fall bringen, mit dem doch ein »anderes«, ein »besseres« Europa anbrechen würde. Na, dann gute Nacht.

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