Aufgespießt!

Die Mainstream-Medien-Flops der Woche

Überholte journalistische Neutralität, Denkmalstürze im Überschwang, wendige Regierungsschreiber und ein gescheiterter Kinder-›Spiegel‹

Endlich Schluss mit der nervigen Heuchelei, mit dem lästigen Sich-Verstellen. So als wäre man als Journalist immer noch den Idealen von Neutralität, Objektivität und Wahrheitssuche verpflichtet. »Sagen, was ist« und dem Leser das Urteil überlassen – alles alter Plunder, auch wenn Augsteins Maxime immer noch irgendwo im Verlagshaus herumgeistert.

Nein, »die Zeit der Neutralität ist vorbei«, jubelt ein »Debattenbeitrag« auf der ›Spiegel‹-Seite. Und findet es auch ganz in Ordnung, dass der Meinungschef der ›New York Times‹ seinen Hut nehmen musste. Einen Taliban-Boss seine Überzeugungen in den Spalten einer linksliberalen Meinungsführerzeitung darlegen lassen, ja, das ist mutig – aber ein Gastkommentar von einem republikanischen Senator, der Trump unterstützt, das geht gar nicht.

Wer die Zeichen der Zeit nicht begriffen hat und »einem überholten Ideal von neutralem Journalismus« nachhängt, der muss halt gehen. Immerhin, sogar beim ›Spiegel‹ gibt es auch Gegenstimmen, die dem nassforschen Kollegen widersprechen und das alte Augstein-Ideal hochhalten. Aber dem Gros der Haltungsjournalisten und Meinungskrieger quer durch die Redaktionen dürfte doch eher die Ausrufung des Endes der Neutralität aus dem Herzen sprechen. Schön, dass es endlich mal einer ganz offen zugibt – ein echter Befreiungsschlag.

Gerade für die Öffentlich-Rechtlichen und ihre Restles und Raschkes, möchte man meinen. Aber was ist mit Kai Gniffke los, bis letzten Sommer noch Chef von »ARD aktuell«, also von »Tagesschau« und »Tagesthemen«, und vor einem Jahr zum neuen Intendanten des ›Südwestrundfunks‹ (›SWR‹) gewählt? »Wir jubeln Ihnen keine Meinung unter, weder offen noch zwischen den Zeilen«, verkündet Gniffke in einem Kommentar, der gerade die Runde in den sozialen Medien macht, und: »Wir wollen informieren, nicht missionieren. Wir sind Journalisten und keine Lügner.«

War das Satire? Oder das reumütige Gelöbnis eines Geläuterten? Nicht so schnell. Damals, als es gegen »Pegida und AfD« ging, habe man sehr wohl einen »missionarischen Eifer« gehabt, plauderte »Tagesschau«-Gniffke 2018 ganz locker auf der »re:publica«. Die Texte seien ja alle »unangreifbar« gewesen, aber »zwischen den Zeilen kam es aus allen Poren: Ihr sollt die bitte doof finden«. Deswegen habe man dann auch immer schön »die rechtspopulistische AfD« dazugesagt.

Ein Glück, sonst hätten wir womöglich gar nicht gemerkt, dass wir die »doof finden« sollen. Auf das mühevolle Verstecken der Botschaften »zwischen den Zeilen« kann man sowieso eigentlich verzichten. Wer seine »Informationen« nur aus ›ARD‹ und ›ZDF‹ bezieht, der muss zu der Überzeugung kommen, dass von der West- bis zur Ostküste der USA, in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Europa und der ganzen Welt allüberall nur freundliche, wohlgesinnte Menschen gegen »Rassismus« usw. demonstrieren. Plünderungen, Übergriffe auf Polizisten, Hetzjagden auf Weiße, Brandstiftungen, Denkmalschändungen und was sonst so zu »friedlichen Protesten« für die gute Sache gehört – all das findet in einer anderen Welt statt, aus der man am ehesten noch aus freien und unabhängigen Medien erfährt.

Und was heißt schon »Denkmalschändungen«: Das ist doch alles »normal, richtig und befreiend«, wenn historische Persönlichkeiten, die heute wahrscheinlich eher nicht bei den Grünen wären, vom Sockel gestürzt und aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt werden.

Die Taliban-mäßigen Bilderstürmereien seien ja doch nur »Gesten im Überschwang«, verharmlost der ›Spiegel‹, bei dem – siehe oben – offensichtlich die letzten Hemmungen gefallen sind. »Warum in den USA die Statuen jetzt fallen müssen«, ist der Beitrag überschrieben. Und natürlich nicht nur dort; die grünlinken Taliban hierzulande sind auch schon eifrig am Listen schreiben.

Die Abdankung eines Landes im kollektiven Ideologiewahn hat dieser Tage ihr ikonografisches Symbolbild bekommen: Drei deutsche Polizisten aus dem »failed state« NRW knien vor einem abschätzig herabblickenden schwarzen Anführer mit unversöhnlicher Hassparole auf dem Rücken.

Geht es nach den Mainstream-Agitatoren, sollten wir alle auf den Knien rutschen. »Kritisches Weißsein« nennt sich das ideologische Konjunkturprogramm für migrationshintergründige Meinungskrieger, die jetzt mit Pamphleten Karriere machen, in denen sie von der Propagandawelle überrollten Biodeutschen erklären, wie sie ihren Schuldkomplex zu pflegen haben.

»Entdeckt eure innere Kartoffel!« betitelt ein gewisser Malcolm Ohanwe seine deutschenfeindliche Tirade im ›Spiegel‹. Dass der nämliche Herr vor einiger Zeit schon seine Begeisterung für Lynchmorde an weißen Frauen und Kindern während des haitianischen Sklavenaufstands vor 225 Jahren bekundete, den er gern im Kinoformat verherrlicht hätte, sei nur am Rande vermerkt.

Gestern noch Corona, heute alles auf Antirassismus, da kann auch ein geübter Regierungsschreiber mal kurz die Orientierung verlieren. Noch vor einem Monat polemisierte ›FAZ‹-Redakteur Jasper von Altenbockum brav gegen Demonstranten, die die Corona-Maßnahmen der Regierung infrage stellen: Die hätten ja ein »Brett vor dem Kopf« und könnten sich dafür nicht auf die »Grundrechte« berufen.

Vier Wochen später pries derselbe Redakteur in derselben Zeitung die »Proteste gegen Rassismus«, bei denen Abstands- und Hygieneregeln und der ganze Corona-Eiertanz auf einmal gar keine Rolle spielten, als »eine Wohltat«. Hier anschaulich gegenübergestellt. Widerspruch? Egal. Hauptsache immer schön laut mit den Wölfen geheult.

Auch die Hauptstadtpresse weiß da natürlich, was von ihr erwartet wird. Wenn der Bundesinnenminister vom Bundesverfassungsgericht eine Klatsche bekommt, weil er sein Amt und dessen Ressourcen missbraucht hat, um eine Oppositionspartei in ihren Wettbewerbschancen zu behindern, wird selbstverständlich nicht der Minister kritisiert, sondern die Richter, die den Minister am mit allen Mitteln geführten »Kampf gegen rechts« hindern.

Also macht der Berliner ›Tagesspiegel‹ nicht etwa die klare juristische Niederlage des Ministers zur Schlagzeile, sondern transportiert seine fragwürdige Aussage noch mal dick und fett auf der Titelseite; und die Hamburger ›Morgenpost‹ setzt sogar noch einen drauf und gestaltet gleich ihre ganze erste Seite als Wandzeitung mit lauter Diffamierungsparolen gegen die AfD. Die Hamburger AfD-Fraktion reagiert schlagfertig und gibt es dem Regierungsblatt mit gleicher Münze zurück: Eine Collage im gleichen Layout mit lauter medienkritischen Aussagen, zentraler Slogan: »Die MOPO ist klopapierwürdig.«

Es gibt aber auch noch gute Nachrichten. ›Bento‹, die vom ›Spiegel‹ finanzierte Schülerzeitung für dauerpubertierende Jung-Linke, die permanent grünkorrekt und gendergerecht über Sex schwadronieren müssen wie Blinde über die Farbe, wird eingestellt. Das eigenartige Erzeugnis, das allenfalls von anderen Grünlinken »irgendwas mit Medien«-Berufsjugendlichen gelesen wurde, ist in der Krise schlicht zu teuer geworden.

Schlechte Nachrichten für ›Bento‹-Zielpersonen wie Philipp, der meint, er hätte nicht sechseinhalb Jahre Politik studiert, um sich jetzt als Pizzalieferant zu bewerben. Wäre aber immerhin was Nützliches. Einen Job in der ›Bento‹-Redaktion kann er sich jetzt jedenfalls auch abschminken. Aber bestimmt gibt’s demnächst ein paar neue »Antidiskriminierungsbüros«, bei denen sich der ein oder andere Haltungsjob abstauben lässt.

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