Aufschwung trotz Brexit

Rekordbeschäftigung und kräftig steigende Löhne in Großbritannien

Trotz der anhaltenden Brexit-Debatte, die insbesondere im deutschen Mainstream in den dunkelsten Farben gezeichnet wird, hat sich der britische Arbeitsmarkt robust entwickelt. Die Löhne steigen so stark wie seit elf Jahren nicht mehr, und die Zahl der Beschäftigten erreicht ein Rekordniveau. In Deutschland sind die Wirtschaftsaussichten so schlecht wie seit acht Jahren nicht mehr. Experten sprechen bereits von einer drohenden Rezession.

Angesichts der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Großbritannien seit 1975 steigen die Löhne der Beschäftigten dort kräftig – so stark wie seit elf Jahren nicht mehr. Einschließlich Sonderzahlungen legten sie um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Die Zahl der Beschäftigten stieg im zweiten Quartal um 115.000 auf das Rekordniveau von 32,811 Millionen, wie das Statistikamt am Dienstag in London mitteilte. Dennoch stieg die Arbeitslosenquote leicht von 3,8 auf 3,9 Prozent.

Ein Teil des kräftigen Zuwachses lasse sich laut der ›Welt‹ aus dem Umstand erklären, dass die Mitarbeiter des Gesundheitswesens im vergangenen Jahr erst im Juli ihre Lohnerhöhung bekamen und damit der Vergleichswert entsprechend niedrig ausfiel.

Europas größte Volkswirtschaft sendet »Rezessionswarnsignale«

Während die Wirtschaft auf der britischen Insel also allen Unkenrufen zum Trotz wächst, schätzen Beobachter die deutschen Konjunkturaussichten so negativ ein wie seit 2011 nicht mehr (der Deutschland Kurier berichtete). Das Barometer für ihre Erwartungen für das kommende halbe Jahr brach im August um 19,6 auf minus 44,1 Punkte ein. Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit.

»Die Entwicklung der deutschen Exporte und der Industrieproduktion dürfte sich weiter verschlechtern«, sagte ZEW-Experte Wambach. LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert sieht in dem Einbruch der Konjunkturerwartungen ein »Rezessionswarnsignal«: Es steige die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland im laufenden Quartal in eine technische Rezession rutsche, dass also die Wirtschaftsleistung über zwei Quartale zurückgeht. Ökonomen sprechen dann von Negativwachstum.

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