Ausgewogenheitsproblem:

Reuters Institute: Öffentlich-Rechtliche wenden sich vor allem an linke Zuschauer

Das öffentlich-rechtliche Programm in Deutschland zieht ein linkes Publikum an

Eine Studie des Reuters Institute liefert eine Bestandsaufnahme der Nachrichtenvermittlung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in acht europäischen Ländern. Deutschland wurde von den Studienmachern ein »Ausgewogenheitsproblem« bescheinigt, da ›ARD‹ und ›ZDF‹ mit ihrem Programmangebot mehrheitlich Menschen bedienen, die sich links der politischen Mitte verorten.

Die Studie des Reuters Institute, das an der Universität von Oxford beheimatet ist und von der Stiftung des Medienunternehmens Thomson Reuters gegründet wurde, liefert eine Bestandsaufnahme der Nachrichtenvermittlung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in acht europäischen Ländern. Die Kernfrage der Studie: Gelingt es den öffentlich-rechtlichen Sendern, die gesamten Bevölkerungen ihrer jeweiligen Länder zu erreichen oder verfehlen sie ihren Auftrag, im Dienst der gesamten Öffentlichkeit zu berichten?

Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland bestätigt das Reuters Institute ein »Ausgewogenheitsproblem«. Denn: ›ARD‹ und ›ZDF‹ wenden sich mit ihrem Programm vornehmlich an Menschen, die sich links der Mitte verorten. Die politische Mitte werde nur minimal gestreift. Eine Gegenprobe bei den privaten Anbietern hat ergeben, dass ›RTL‹ und der zur selben Senderfamilie gehörende Nachrichtensender ›n-tv‹ indes ein Publikum bedienen, das sich eher als rechts der Mitte einstuft. Gleichzeitig ist das Vertrauen der Zuschauer, die sich politisch rechts der Mitte einordnen, gegenüber ›ARD‹, ›ZDF‹ und ›Deutschlandradio‹ signifikant weniger ausgeprägt als bei den Zuschauern, die sich links von der Mitte oder in der Mitte verorten.

Diese Beobachtung würde sich auch für andere untersuchte Länder ergeben, wobei in Deutschland nach Griechenland die Vertrauensdifferenz in die Öffentlich-Rechtlichen zwischen links und rechts am größten ist. Von allen untersuchten Ländern – Griechenland, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich und Tschechien – vertrauen nur in der Tschechischen Republik mehr Rechte dem öffentlichen Sender als Linke.

Um bewerten zu können, welche der Befragten zum Lager der sogenannten »Populisten« zählen, wurde die Zustimmung zu zwei Aussagen abgefragt: »Das Volk sollte bei allen wichtigen Entscheidungen gefragt werden« und »Die meisten gewählten Offiziellen kümmert es nicht, was Leute wie ich denken«. Die Methode werde, so die Studienmacher, in der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt, um »populistische Einstellungen« zu messen. Wer beide Fragen bejaht, wird von den Forschern für die Untersuchung als »Populist« definiert. Ergebnis hierbei: Die deutschen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenangebote haben mehrheitlich Zuschauer, die »populistischen« Argumenten gegenüber nicht sehr empfänglich sind. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass Zuschauer, die für solche Argumente empfänglich sind, ›ARD‹, ›ZDF‹ und ›Deutschlandradio‹ eher skeptisch gegenüberstehen.

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