Ausverkauf bei Axel Springer

Verlag will sich von der Börse verabschieden

Sitz der Axel Springer SE in Berlin: Der amerikanische Investor »KKR« will in großem Stil bei Springer einsteigen

Das geplante Übernahmeangebot des US-Großinvestors »KKR« für »Axel Springer« (›Bild‹, ›Welt‹) geht in die finale Runde. Der US-Finanzinvestor hat den Aktionären des Berliner Medienhauses eine Frist bis zum 2. August gesetzt, um ihre Springer-Anteile zu verkaufen, berichtet der Branchendienst ›Meedia‹.

Erreicht der Investor mindestens einen Anteil von 20 Prozent, plant der im M-DAX vertretene Berliner Medienkonzern, sich von der Börse abzumelden. Allerdings soll es keinen »Squeeze-out« geben. Darunter versteht man einen zwangsweisen Rausschmiss von Aktionären, die ihre Anteile nicht verkaufen wollen. Aktuell befinden sich 44,8 Prozent der Aktien von Axel Springer im Streubesitz, ein Teil davon unter der Belegschaft.

Sammelt »KKR« bis Anfang August mindestens 20 Prozent des Aktienkapitals der »Axel Springer SE« ein, wollen die Amerikaner den weiteren Mitgliedern des Konsortiums und dem Springer-Vorstand ein sogenanntes Delisting vorschlagen, also einen Rückzug des Unternehmens von der Börse.

Der US-Investor bietet den Springer-Aktionären 63 Euro je Aktie, die zuletzt bei etwas über 61 Euro notierte. Die Verleger-Witwe Friede Springer und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner wollen ihre Anteile von zusammen rund 45 Prozent an dem Berliner Medienhaus behalten.

»KKR« will bei einem erfolgreichen Einstieg mindestens fünf Jahre bei Axel Springer an Bord bleiben. In dieser Zeit soll das Unternehmen Weltmarktführer im digitalen Rubrikengeschäft werden. Als mögliches Kaufobjekt wird in der Branche seit Längerem das Kleinanzeigengeschäft von »Ebay« genannt. Doch hier hatte Döpfner kürzlich die Erwartungen der Anleger dämpfen müssen. »Ebay« habe überhaupt noch nicht entschieden, ob sich der Konzern von der Sparte trennt, so der Springer-CEO.

Unter der Überschrift Döpfners letzter Coup kommentierte kürzlich das medienkritische Online-Portal ›Spoekenkiekerei‹ den Ausverkauf bei Springer so:

»Und warum das alles? Sollte es dem Hochstapler [gemeint ist Döpfner, Anm. d. Aut.] gelingen, den Konzern von der Börse zu nehmen (…), wäre er den einzigen von ihm nicht bestimmbaren Indikator für sein wirtschaftliches Versagen los beziehungsweise weitgehend los: den Aktienkurs.« (elf)

Drucken