Begeisterte Selbstzerstörung

Im Klimawahn zum grünen Gesinnungsstaat

Der Medienhype um den »Klimawandel« und die anbiedernde Berichterstattung über das Personal der Grünen puschte die Öko-Partei in den letzten Monaten in ungeahnte Höhen. Ein gefährlicher deutscher Sonderweg. Denn gerade die »Klimaschutz«-Ideologie birgt totalitäres Potenzial. Eine grüne Herrschaft würde Zerstörung ganzer Wirtschaftszweige, Wohlstandsvernichtung und ein Ende der bürgerlichen Freiheiten bedeuten.

Klimademonstration in Berlin: Angesichts einer links-grüne Meinungshegemonie gehen immer mehr Deutsche begeistert den Weg in die Selbstzerstörung

Deutschland ist mal wieder auf einem Sonderweg in Europa. Die letzte EU-Wahl hat es schlagend an den Tag gebracht: Mehr als zwanzig Prozent holten die Grünen in Deutschland, während die »Volksparteien«, Union und SPD kräftig Federn lassen mussten; in den übrigen EU-Staaten blieben die Grünen und ihre Gesinnungsgenossen selbst bei wohlwollender Auslegung, wer alles dazugerechnet werden soll, deutlich unter zehn Prozent.

In Frankreich und Großbritannien haben verwandte »grüne« Bewegungen zwar leicht zugelegt, auch als Reaktion auf den rasanten Aufstieg EU- und migrationsskeptischer Parteien. Aber nicht einmal im schwedischen Heimatland der »Klimaschutz«-Ikone Greta Thunberg konnten grüne Bewerber vom Greta-Rummel und der damit verbundenen PR-Maschinerie profitieren.

Nicht nur im Deutschen Bundestag, auch im EU-Parlament sind die Grünen also eine Minderheit mit einstelligen Wahlergebnissen. Trotzdem konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die ganze Wahl und die gesamte deutsche und europäische Politik letztlich nur um sie dreht. Wie konnte es dazu kommen?

Der deutsche Tellerrand

Zunächst einmal: Der Grünen-Hype ist eine deutsche Anomalie in Europa. Das hat auch historische Gründe. Denn die Ideologie der Grünen appelliert sehr erfolgreich an einen tiefsitzenden Zug des deutschen Nationalcharakters: Die idealisierte Liebe und schwärmerische Verehrung für Natur, Wald und Tier, die Anliegen wie Natur- und Umweltschutz zu einer rückschauend betrachtet nachgerade deutschen Erfindung machen.

Naturromantik und die Flucht aus der Realität in ein mythisch überhöhtes Idealbild von Natur und »einfachem Leben« fielen in der deutschen Geschichte häufig mit Zeiten äußerer politischer Machtlosigkeit zusammen. Das war in der Epoche der Romantik so, in der Zeit der napoleonischen Fremdherrschaft über ein wehrloses und zersplittertes Deutschland, als die Zurück-zur-Natur-Bewegung recht eigentlich entstand.

Auch der Aufstieg der Grünen in der späten Alt-Bundesrepublik fiel in so eine Zeit: Im Kalten Krieg der siebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war Deutschland geteilt und Spielball der Supermächte, die die jeweiligen Teile für ihr Herrschaftsgebiet vereinnahmten. Weder im Osten noch im Westen schauten die Deutschen in ihrer Mehrzahl über den eigenen Tellerrand hinaus.

Als die Grünen (zumindest teilweise) noch konservativ waren: Ex-CDU-Umweltsprecher Herbert Gruhl (li.) und Ökobauer Baldur Springmann standen 1979/80 für eine nicht-linke ökologische Wende

Die ohnmächtigen Deutschen fanden Ersatz für fehlende nationale Souveränität und politische Handlungsfähigkeit im »gesellschaftlichen« Kampf gegen als Bedrohung empfundene Phänomene wie Rüstungswettlauf und Atomkraft, Umweltzerstörung und »Waldsterben«. Umwelt- und Friedensbewegung sind dabei Erscheinungen, die in Bundesrepublik und »DDR« nahezu parallel und zunächst unabhängig voneinander aufgetreten sind.

Von Marxisten gekapert

Der behutsame, der Verantwortung für kommende Generationen geschuldete Umgang mit Natur und Ressourcen ist dabei ein urkonservatives Anliegen. Nicht von ungefähr liegen die Ursprünge der »grünen« Bewegung der alten Bundesrepublik in der Kritik an Fortschrittsglauben und bedenkenlosem Raubbau und in der Skepsis gegenüber der »Perfektion der Technik«, die von konservativen Vordenkern und Wortführern wie dem CDU-Politiker Herbert Gruhl oder dem Bauern Baldur Springmann vorgebracht wurde.

Diese besonnene und nachdenkliche Bewegung, die in der Tradition der deutschen Romantik und Jugendbewegung stand, wurde freilich rasch von marxistischen Kadern der »Achtundsechziger« gekapert, die darin endlich ein geeignetes Vehikel zur Massenmobilisierung und zur Eroberung erst der gesellschaftlichen und dann der politischen Macht gefunden zu haben glaubten, nachdem sie zuvor die Erfahrung machen mussten, dass die »werktätigen Massen« in Deutschland von den sozialistischen Marx-Engels-Lenin-Ladenhütern nichts hören wollten.

Kampf um die kulturelle Hegemonie

Die Kulturmarxisten der »Achtundsechziger« setzten dabei die Lehren des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci und der »Frankfurter Schule« um: Bevor man die politische Macht gewinnt, muss man die kulturelle »Diskurshegemonie« gewinnen, also den tonangebenden Einfluss auf die öffentliche Meinung. Bringt man alle dazu, grünsozialistisch zu denken, wird in der Konsequenz der ganze Staat grünsozialistisch.

Schon Anfang der 1980er (im Bild die Bundesversammlung der Grünen 1983) bekamen marxistische K-Gruppen immer größeren Einfluss auf das Grünen-Programm

Vom sozialistischen Standpunkt ist dazu erforderlich, die bürgerliche Gesellschaft und ihre Grundlagen – Familie, rechtsstaatliche Ordnung, bürgerliche Institutionen – zu unterminieren oder in die eigene Hand zu bekommen. Alles, was sich dagegen auflehnte, hat man mit dem großen Staubsauger eingesammelt – neben Radikalinskis jeder Spielart bekanntlich auch Pädophile, Sektierer und allerlei Fanatiker.

Das massentaugliche Mobilisierungsthema Umwelt- und Naturschutz wurde darüber nur zu bald zur bloßen Dekoration und zum harmlosen Mäntelchen einer von in der Wolle gefärbten marxistischen Kadern geprägten Bewegung, die die ursprünglich konservativen Gründer der Grünen rasch an die Wand spielte, bis diese nach und nach enttäuscht davongingen.

Gleichzeitig machten die neuen Führer der Achtundsechziger-Generationenpartei »Die Grünen« sich zügig daran, wieder einmal das alte marxistische Projekt der Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft und der Schaffung eines »neuen Menschen« in Angriff nahmen.

Die ideologischen Vehikel der grünen Machtergreifung

Dass es den Grünen bis heute gelingt, dass man sie in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch weithin mit Umwelt- und Naturschutz identifiziert, ist eine nicht geringe propagandistische Leistung. In den gut vier Jahrzehnten ihres Bestehens haben sie nämlich alle möglichen ideologischen Vehikel ausprobiert und eingesetzt, um ihre gesellschaftliche Macht zu vergrößern.

In der großen Sammelverpackung mit dem »Umwelt«-Etikett haben uns grüne Achtundsechziger-Strategen im Bündnis mit anderen Linken eine ganze Reihe von abstrusen und gefährlichen Ideologien untergejubelt, auf die sie aufgesprungen sind und mit denen sie die Gesellschaft radikal umgekrempelt haben: Feminismus und Genderwahn, Einheits-Ganztags-Schulen und Zwangsgleichstellung, Multikulturalismus, »Antirassismus« und Islam-»Toleranz« bis zur Selbstaufgabe.

Das Ergebnis ist erschütternd. Vor 40 Jahren konnte sich die »Monty Python«-Truppe in ihrem Klassiker »Das Leben des Brian« noch genial lustig machen über linke Sektierer, die sich über die freie Wahl des eigenen Geschlechts die Köpfe zerredeten. Heute ist die Gender-Ideologie Mainstream.

Und nicht nur das. Jahr um Jahr haben sich Grün-Linke in Medien, Schulen, Hochschulen und großzügig mit Staatsgeld ausgestattete »Nichtregierungsorganisationen« als Rückgrat der »Zivilgesellschaft« – auch das seit Gramsci ein Kampfbegriff des Kulturmarxismus – breitgemacht, Netzwerke geknüpft und Ihresgleichen nachgeholt

So ist ein Resonanzraum geschaffen, dem sich keine etablierte Kraft in Politik und Medien entziehen kann. In Abstufungen singen sie alle das Lied von Vielfalt, Toleranz und Quote.

Der totale Klimaschutz

Das neueste ideologische Vehikel der grünen Machtergreifung ist der »Klimaschutz«. Eine verlockende Ideologie, denn sie ist potenziell totalitär: Wo die Apokalypse an die Wand gemalt wird, kann man rationale Gegenargumente und wissenschaftliche Skepsis einfach auf die Seite wischen. Der »Klimaschutz« kennt keinen Wettbewerb der Argumente, sondern nur Gut und Böse, Rechtgläubige und Ketzer.

Der Kampf gegen den drohenden Weltuntergang, an den gefälligst alle zu glauben haben, rechtfertigt extreme Zwangsmaßnahmen, Verbote und Einschränkungen. Wer zweifelt, ob das alles sinnvoll ist, der wird notfalls für verrückt erklärt – wie früher, wenn da einer wagte, an der »Wissenschaftlichkeit« des Marxismus-Leninismus zu kratzen.

»Klimaschutz«-Politik wird in vielen Staaten betrieben: Die Verlockung, die eigenen Bürger zu gängeln, ist für viele Regierungen groß; andere springen ganz pragmatisch auf den Zug auf, weil sie sich taktische Vorteile im Wettbewerb mit anderen erhoffen, sei es, dass Schwellenländer auf Zahlungen der von schlechtem Gewissen geplagten Industriestaaten hoffen, sei es, dass andere sich Nutzen von der Schwächung starker Industriebranchen der anderen erhoffen – im EU-»Klimaschutz« geht es schließlich seit Jahren nicht zuletzt darum, die deutsche Automobilindustrie durch immer strengere Grenzwerte zu schwächen, um beispielsweise der italienischen und französischen Konkurrenz einen Vorsprung zu erschaffen.

Begeisterte Selbstzerstörung

Wo die eigene Volkswirtschaft Schaden erleidet, hört die Begeisterung im Allgemeinen schnell auf. Auch deshalb hat die deutsche »Energiewende«, die neben der fossilen Energie auch gleich noch aus der Kernenergie als Rückgrat einer stabilen Versorgung aussteigen will, keine Nachahmer.

Anders in Deutschland: Hierzulande hat die links-grüne Meinungshegemonie den Boden dafür bereitet, dass sich selbst gegen die systematische Deindustrialisierung des Landes, die Zerstörung ganzer Wirtschaftszweige und die Extrem-Besteuerung breiter Bevölkerungsschichten bislang noch immer kaum Widerstand regt.

Medien, Polit-Establishment und staatsfinanzabhängige Wissenschaft berieseln die Bürger mit einem unaufhörlichen Propagandaregen. Und die Grünen erleben mit ihren utopischen Versprechungen, die die Axt an die Wurzel des deutschen Wohlstands legen, einen demoskopischen Rekord nach dem anderen.

Grünen-Politiker (im Bild der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn) springen gerne auf den medial gehypten Klimazug auf

Aufklärung statt Ideologie

Auch dieser Höhenflug grüner Moralpolitik auf der »Klimaschutz«-Propagandawelle ist ein deutsches Sonderphänomen. Die grünen Eliten und ihre medialen Helfer fühlen sich dadurch ermuntert, die Grenzen der Belastbarkeit immer weiter auszutesten, und können es kaum erwarten, bis endlich der erste grüne Kanzler direkt übernimmt und an der Spitze eines Linksbündnisses den Marsch in den linksgrünen Gesinnungsstaat vollenden kann.

Spätestens dann steht allerdings auch ihnen die Erkenntnis bevor, dass in der realen Welt ganz andere Probleme an vorderster Stelle stehen als das Abwenden einer hypothetisch heraufbeschworenen »Klima«-Apokalypse: Die Bewältigung der Migrationskrise, der globale Wettbewerb mit China und Ostasien, die Sicherung von Wohlstand und Sozialstaat in Zeiten von Globalisierung und weltweiten Wanderungsbewegungen.

Der AfD als einziger Oppositionspartei, die dem Klimawahn der anderen noch Skepsis und Vernunftargumente entgegenstellt, kommt bei der Verhinderung einer grün-linken Ökodiktatur eine Schlüsselrolle zu. Das wirksamste Gegenmittel gegen totalitäre Tendenzen sind immer noch aufgeklärte Bürger, die sich ihres eigenen Verstandes bedienen.

Umweltschutz statt »Klimaschutz«

Angesichts des immensen Drucks mehren sich zwar Stimmen, auch die AfD müsse sich zum »Klimaschutz« bekennen und dürfe sich einer staatlichen »Klimaschutz«-Politik nicht verweigern. Damit verlöre sie allerdings ihr Alleinstellungsmerkmal als Stimme der Besonnenheit. Nötig ist etwas anderes: Eine freiheitlich-konservative Opposition muss durch beharrliches Aufklären und Argumentieren den ideologischen Missbrauch aufdecken und herausarbeiten, dass die etablierte »Klimapolitik« im Widerspruch zum deutschen Grundanliegen eines nachhaltigen Natur- und Umweltschutzes steht.

Sie muss dem grassierenden Wahn widersprechen und betonen, dass nicht staatliche Planung, sondern Freiheit der Forschung und der Marktkräfte letztlich dafür sorgen kann, das eigentliche Ziel zu erreichen: Mit den vorhandenen Ressourcen schonend und sparsam umzugehen und Alternativen zu den endlichen fossilen Rohstoffen zu finden, um den erreichten Wohlstand auch für künftige Generationen zu sichern. (fh)

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