Berlin-Institut:

Geflüchtete fassen auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß

Oft misslingt es sogenannten Geflüchteten, sich dauerhaft auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des »Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung«.

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Ende des Jahres 2017 lebten knapp 1,7 Millionen Schutzsuchende in Deutschland. Laut offiziellen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat das Amt von 2015 bis Ende Juli 2018 mehr als 1,3 Millionen Asylanträge angenommen. Lediglich 96.000 sogenannte Geflüchtete fanden zwischen Februar 2018 und 2019 eine Beschäftigung. Hierbei landete jeder Dritte in der Leiharbeit. Je 11.400 Geflüchtete kamen im Gastgewerbe oder bei wirtschaftlichen Dienstleistern unter, so eine aktuelle Studie des angeblich parteipolitisch unabhängigen »Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung«, das sich mit den demographischen Veränderungen befasst.

Das Institut, zu dessen Förderern und Auftraggebern unter anderem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die EU-Kommission oder die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zählt, stellt zwar fest, dass als Einstieg in den Arbeitsmarkt Leiharbeit für das benannte Klientel durchaus geeignet sei, da gute Sprachkenntnisse und formale Qualifikationen meist eine nachgeordnete Rolle spielen. Der Arbeitgeber könne sich zudem einen Eindruck des neuen Mitarbeiters verschaffen, Leiharbeit könnte also das Sprungbrett zur dauerhaften Anstellung sein, so die Studienmacher.

Genau das ist sie aber nicht. »Leiharbeit ist nicht der Integrationsmotor, wie das oft behauptet wird«, so Studienautor Frederick Sixtus. Stattdessen entpuppt sich für die meisten Geflüchteten die Leiharbeit als Sackgasse. 90 Tage nach dem Ende des Leiharbeitsverhältnisses ist über die Hälfte der Geflüchteten arbeitslos, jeder Fünfte erneut in Leiharbeit tätig.

Zahl der Auszubildenden auf niedrigem Niveau – Ausbildungen oft vorzeitig beendet

Hinzu kommt, dass Geflüchtete oft nur kurz angestellt sind. 83 Prozent der Syrer, Afghanen und Iraker sind nach neun Monaten ihre Anstellung schon wieder los. Hier zeige sich ein deutlicher Unterschied zu deutschen Leiharbeitern, von denen nur 27 Prozent nach neun Monaten nicht weiterbeschäftigt werden.

Auch bei Ausbildungen zeichnen die Studienautoren ein verhaltenes Bild. Zwar befanden sich im Juni 2018 mit 27.000 Geflüchteten doppelt so viele Geflüchtete in einer Ausbildung als noch im Vorjahr, insgesamt bewegen sich die Zahlen aber auf einem sehr niedrigen Niveau.

Eine Ausbildung stünde oft dem Ziel vieler Geflüchteter gegenüber, schnell Geld zu verdienen, heißt es weiter. Da Anerkennungsverfahren von beruflichen Qualifikationen oft lange dauern und viele Geflüchtete aufgrund ihrer noch nicht ausreichend vorhandenen Deutschkenntnisse ihre Ausbildungszeit verlängern würden, bedeute eine Ausbildung meist »fünf oder mehr Jahre geringen Verdienstes« für die mehrheitlich jungen, muslimischen Männer.

Aber auch jene wenige, die sich für eine Ausbildung entscheiden, sind alles andere als erfolgreich. Laut dem Bundesinstitut für berufliche Bildung wurden 2017 bundesweit zudem 37,5 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst – das sind über zehn Prozent mehr als bei deutschen Auszubildenden. Auch schaffen nur drei von vier Geflüchteten ihre Abschlussprüfung.

Der Steuerzahler wird zur Kasse gebeten

Mangelnde Sprachkenntnisse seien eine der größten Hürden für Geflüchtete bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Zudem weist diese Gruppe ein eklatant niedriges Bildungsniveau auf: Drei Viertel der Geflüchteten können keine berufliche Ausbildung vorweisen, 13 Prozent der volljährigen Geflüchteten haben noch nicht einmal eine Schule besucht oder sind funktionale Analphabeten.

Um Geflüchtete besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wird einmal mehr der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Die Studienautoren schlagen in ihrem Diskussionspapier vor, dass Geflüchtete unabhängig von ihrem Status Zugang zu Fördermaßnahmen erhalten sollen. Einer Analyse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe ergeben, dass 57 Prozent der Geflüchteten angaben, Hilfe bei der Arbeitssuche zu benötigen.

Wer dagegen Deutschland wieder verlasse, habe – auf Kosten des deutschen Steuerzahlers – Qualifikationen erworben, die im Herkunftsland von Nutzen sein könnten. »Das wäre dann im Sinne der Entwicklungspolitik«, so die Studienmacher.

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