Boris T. Kaiser:

Das Juso-Girly mit dem Baseballschläger

Die Berliner Jusos haben anlässlich des EU-Wahlkampfs auf ›Facebook‹ ein Foto von einer jungen Frau ein Foto von einer jungen Frau gepostet, die einen blauen Kapuzenpulli mit den Sternen der Europäischen Union trägt und einen Baseballschläger in den Händen hält. Das Ganze versehen mit einem Aufruf, zu Demonstrationen und zum Wählen zu gehen, der wie folgt formuliert war: »Heute finden überall Demos für ein geeintes Europa statt. Wir sind um 12:00 Uhr auch bei Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus: Berlin und machen klar, was für ein Europa wir wollen. Kommt vorbei! Unsere Botschaft ist klar: Nationalismus eiskalt abservieren – am 26. Mai wählen gehen! #WirPackenAn #EuropaistdieAntwort.«

Quelle: https://www.facebook.com/jusosberlin

Es ist mal wieder eine Story aus dem Buch mit den »Was wäre, wenn Rechte so etwas machen würden?«-Geschichten. Natürlich gibt es ein solches Buch nicht. Gäbe es so einen Schmöker, wäre es mittlerweile ein ganz schön dicker Wälzer, der täglich an Umfang zunimmt. Denn, während die politisch-mediale Klasse immer strenger nach rechts schaut, hat sie an sich selbst inzwischen offenbar überhaupt keine Ansprüche mehr, wenn es darum geht, was in der politischen Auseinandersetzung moralisch erlaubt ist und was nicht.

Diese Entwicklung ist schon lange zu beobachten. So sehr man sich den medialen Empörungs-Tsunami vorstellen kann, den ein solches Foto aus den Kreisen der Jungen Alternative oder der Identitären Bewegung ausgelöst hätte, so wenig überraschen einen die zurückhaltenden Reaktionen auf das offizielle Posting der Jungsozialisten.

Obgleich es zumindest aus den für sie relevanten Kreisen kaum echte Vorwürfe gab, sah sich die Parteijugend jetzt dazu bemüßigt, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Offenbar will der eine oder andere Juso doch noch politisch Karriere machen und weiß, dass die Bevölkerung einfach noch nicht weit genug umerzogen ist, als dass sie den Linksfaschismus, auch in seiner brutalsten Form, schon gänzlich gutheißen würde. Ihre Arroganz gegenüber dem verständnislosen Wahlvolk können die Nachwuchspolitiker von der SPD aber dennoch nicht unterdrücken.

In ihrer ebenfalls über ›Facebook‹ verbreiteten Pressemitteilung heißt es:

»Das Bild lässt Interpretationsspielräume offen und wirft Fragen auf. Kurzum: Es ist provokant – und das war auch unsere Absicht. Im Zusammenhang mit der Bildüberschrift ist die Botschaft des Postings nämlich eindeutig und lässt überhaupt keine Zweifel offen«. So die Landesvorsitzende der Jusos Berlin, Annika Klose.

Man habe lediglich zur »Europawahl« aufgerufen sowie zu den Demonstrationen »›Ein Europa für alle‹, an der gestern [Samstag, 19. Mai, Anm. d. Verf.] deutschlandweit Zehntausende teilgenommen haben«.

Den Baseballschläger hatte das Juso-Girly dann wahrscheinlich nur dabei, um den Wählern den Wahltermin am 26. Mai liebevoll in den Schädel zu meißeln oder um nach der ganzen anstrengenden Politik bei ein bisschen Sport im Park zu entspannen.

»Rechte Kräfte, die jetzt in einem provokanten Bild einen Aufruf zur Gewalt erkennen wollen, erschrecken sich vermutlich auch bei jeder zweiten Fernsehwerbung«, meint die Landesvorsitzende der Parteijugend, deren Mitglieder sich vor sexy Frauen in der Werbung so sehr erschrecken, dass sie glauben, sie verbieten zu müssen.

Weiter heißt es in dem Statement: »Das Bild steht gemeinsam mit unserem Aufruf gegen die Ideologie des Nationalismus, die die größte Gefahr für ein geeintes, solidarisches und friedliches Europa ist. Wir machen auf diese Gefahr aufmerksam und wollen insbesondere junge Leute wachrütteln, damit sie an der Wahl zum Europäischen Parlament teilnehmen und dem Nationalismus an der Wahlurne eine deutliche Absage erteilen.« Na also! Der Baseballschläger soll also tatsächlich zum Einhämmern des Wahltermins und natürlich der eigenen Ideologie verwendet werden.

Am Ende stellt die Juso-Vorsitzende klar: »Gewalt ist für die Jusos Berlin kein Mittel der politischen Auseinandersetzung.« In diesem Sinne: Es lebe der Baseballsport!

Boris T. Kaiser

startete seine Karriere als Gagschreiber für zahlreiche Comedy- und Satire-Formate. In den letzten Jahren arbeitet er vermehrt journalistisch und als politischer und gesellschaftlicher Kommentator. Er schreibt unter anderem für die ›Die Achse des Guten‹, ›Tichys Einblick‹ und die Wochenzeitung ›Junge Freiheit‹. Kaiser betreibt außerdem den Blog https://brainfuckerde.wordpress.com

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