Branche in Gefahr:

Betriebsräte der Autokonzerne wehren sich gegen Dämonisierung der Autoindustrie

Der fanatische Öko-Kreuzzug gegen das Auto stößt auf Widerstand: Nun wehren sich die Vertreter der vier Millionen Mitarbeiter in der deutschen Automobilindustrie

Die Betriebsratschefs von BMW, Daimler und Volkswagen wehren sich gegen eine Dämonisierung der Autoindustrie durch sogenannte Umweltschützer. »In der öffentlichen Diskussion bekommt man im Moment den Eindruck, das Auto sei nichts als ein einziges Risiko. In der Gefahrenskala liegt es irgendwo zwischen Ebola und nordkoreanischen Raketen.«

Manche sähen das Auto offenbar nur noch als eine überholte Technik von Leuten, die in der Vergangenheit leben, so die Kritik von Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG gegenüber dem ›Handelsblatt‹. Auch Michael Brecht und Manfred Schoch, die Betriebsratsvorsitzenden von Daimler und BMW, wehren sich gegen die zunehmende Kritik an Autos und speziell an sportlichen Geländewagen (SUV).

Die Automobilindustrie mit ihren vier Millionen Mitarbeitern sei doch kein Klub von Verbrechern, so Brecht. Sie sei nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Die Branche bewege sich, indem sie die Elektrifizierung des Verkehrs vorantreibe, meint auch Manfred Schoch. Damit die Wende gelingt, schlug Brecht eine konzentrierte Aktion vor: »Wenn wir ein Bündnis aus Politik, Umweltverbänden und Autoindustrie schmieden, dann werden wir schneller zu Lösungen kommen.«

Ziel eines Dialoges könne aber nicht sein, das Auto abzuschaffen. Die drei Betriebsratsvorsitzenden, die rund eine Million Mitarbeiter repräsentieren, forderten zudem Unterstützung von der Bundesregierung: Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur sollte auch über einen Wegfall der Mehrwertsteuer auf E-Autos und günstigerer Strom nachgedacht werden, so der Vorschlag des BMW-Betriebsratsvorsitzenden Schoch. Für Daimler-Vertreter Brecht müsste die Regierung ein ureigenes Interesse an einer Lösung haben. Schoch, der nach den Kollektivierungsfantasien des Juso-Chefs Kevin Kühnert die SPD als unwählbar für Arbeiter deutscher Unternehmen erklärte, sieht die Gefahr einer Polarisierung, die »Parteien wie der AfD« die Menschen zutreibe. Der AfD unterstellt Schoch, dienstältester Gesamtbetriebsratsvorsitzender in der deutschen Automobilindustrie, sich nur deshalb für Dieselautos starkzumachen, um »Stimmen frustrierter Autofahrer zu sammeln«.

Umweltverbände im Schulterschluss mit linken- bis linksextremistischen Gruppierungen haben zu Protesten im Umfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) aufgerufen, die am heutigen Donnerstag eröffnet wird.

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