Bückling nach Rassismus-Vorwurf

Kanadas Premier Trudeau entschuldigt sich für »Blackfacing«

»Das ist etwas, was ich nicht hätte tun sollen«: Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bittet für eine Verkleidung von vor fast 20 Jahren um Verzeihungle

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat sich für ein als »rassistisch« kritisiertes Foto medienwirksam entschuldigt. Die Aufnahme zeigt den heute 47-jährigen Premierminister vor 18 Jahren bei einer Motto-Party.

Zu diesem Anlass verkleidete sich Kanadas Premierminister Justin Trudeau (Liberal Party), Spross der bedeutendsten Polit-Dynastie seines Landes und ältester Sohn des früheren Premiers Pierre Trudeau, als Aladin und malte sich das Gesicht schwarz an. Das Magazin ›Time‹ veröffentlichte davon ein Foto.

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»Das ist etwas, was ich nicht hätte tun sollen«, räumte Trudeau, damals noch Lehrer an der »West Point Grey Academy« in Vancouver tätig, nun ein. »Es war etwas, von dem ich damals nicht gedacht habe, dass es rassistisch sei, aber heute realisiere ich, dass es rassistisch war.« Dafür entschuldige er sich und bitte die Kanadier um Vergebung. Auch räumte er bei der Gelegenheit ein, sich im Gymnasium einmal als jamaikanischer Sänger verkleidet zu haben.

Von seinen politischen Gegnern wird Trudeau trotz seiner »Bitte um Vergebung« mit Kritik eingedeckt. Der Chef der linken Partei New Democrat, Jagmeet Singh, warf Trudeau indes anstößiges Verhalten vor. Einige Menschen würden nun wegen des Regierungschefs erneut den Schmerz früherer rassistischer Erfahrungen durchmachen, kritisierte Singh, ein Anhänger der Sikh-Religion und Turbanträger. Der Vorsitzende der Konservativen Partei, Andrew Scheer – aussichtsreicher Herausforderer von Trudeau bei der anstehenden Wahl am 21. Oktober – sprach Trudeau die Eignung als Regierungschef ab. Sogenanntes Blackfacing sei schon 2001 rassistisch gewesen und sei es auch im Jahr 2019, so der politisch korrekte Scheer.

Im vergangenen Jahr belehrte Trudeau indes eine Frau bei einer öffentlichen Veranstaltung über gendersensible Formulierungen. Statt »mankind« solle sie doch besser »peoplekind« sagen, dies sei »integrativer«. Später wollte Trudeau, der sich selbst als Feminist bezeichnet, seine Einlassung als Witz verstanden wissen. Während seiner Amtszeit bekam das Land eine genderneutrale Neufassung der Nationalhymne.

Die Veröffentlichung des angeblich »rassistischen« Fotos fällt mitten in den kanadischen Wahlkampf. In rund einem Monat, am 21. Oktober, findet die Parlamentswahl Kanada im zweitgrößten Staat der Erde statt. Umfragen zufolge liegen Trudeaus Liberale und die Konservativen in etwa gleich auf. Trudeaus Aussichten auf Wiederwahl werden bereits durch eine Affäre um politische Einflussnahme und Korruption getrübt. Die Ethikkommission des Parlaments hatte den liberalen Regierungschef im vergangenen Monat gerügt und ihm vorgeworfen, in der Affäre um den Baukonzern SNC Lavalin Einfluss auf die Ermittlungen genommen zu haben. Seine frühere Justizministerin Jody Wilson-Raybould warf ihm vor, sie im benannten Bestechungsskandal unter Druck gesetzt zu haben.

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