Bundesärztekammerpräsident will impfkritische Mediziner aus Patientenversorgung nehmen

Die Forderung nach einer Impfpflicht spaltet die Mediziner

In der Debatte um eine Pflicht zur Impfung gegen die Masern will Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery gegen Ärzte vorgehen, die Eltern von derartigen Impfungen abraten. Eine Vereinigung deutscher Ärzte übt massive Kritik und kündigt rechtliche Schritte an.

»Ein Arzt hat nicht das Recht, Unsinn zu vertreten«, so Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery. Deswegen wolle er Kollegen, die Eltern von Impfungen abraten, so weit bringen, dass sie in einem anderen Bereich tätig werden. Diese Aussage tätigte der Präsident der Bundesärztekammer in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus auf die Frage, wie seine Organisation mit impfkritischen Ärzten umgehen wolle: »Man muss mit ihnen reden, und wenn sie sich nicht überzeugen lassen, muss man diese Kollegen so weit bringen, dass sie in einem anderen Bereich tätig werden, etwa im Labor oder als Gutachter.« Die ärztliche Zulassung, die Approbation, könne ihnen die Bundesärztekammer allerdings nicht entziehen, erklärte Montgomery weiter.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will zum März 2020 eine gesetzliche Pflicht zur Masernimpfung einführen. Der entsprechende Gesetzentwurf des Ministers sieht Bußgelder von bis zu 2.500 Euro gegen Eltern vor, die ihre Schulkinder nicht gegen Masern impfen lassen.

Die Vereinigung Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung mit Sitz in Heidelberg hat massive Kritik an Spahns Vorstoß zu einer verpflichtenden Masernimpfung geübt. »Der Gesetzentwurf ist blinder Aktionismus, der die Faktenlage völlig verkennt und ignoriert«, erklärte der Kinder- und Jugendarzt Michael Friedl, Vorstand der Gruppierung »Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung«. »Eine solche Impfpflicht geht an den Ursachen der gegenwärtigen Masernausbrüche vorbei, ist unverhältnismäßig und überdies verfassungswidrig«, betonte er.

Aktuell gebe es bereits eine Impfquote von 97 Prozent bei der ersten Masernimpfung – das spreche für die prinzipielle Impfbereitschaft der Eltern. Die zweite Impfung werde ohnehin in ihrer Bedeutung überschätzt. »Sie verbessert den individuellen Schutz nicht wesentlich, ihr Effekt auf die Herdenimmunität ist in Deutschland umstritten – zumindest bei einem frühen Impfzeitpunkt«, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

Die Mehrzahl der Erkrankten seien wie überall in Europa Erwachsene, in erster Linie Migranten aus dem europäischen Raum oder Touristen. Ohnehin liege die Zahl der Masernfälle deutlich niedriger als etwa in den Jahren 2017 oder 2015.

»Wir werden das Recht der Eltern auf eine individuelle Impfentscheidung nach einer Impfberatung, die diesen Namen verdient, verteidigen und uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die geplanten Grundrechtseinschränkungen wehren«, betonte Friedl. »Das schließt ausdrücklich auch rechtliche Schritte gegen den Spahn’schen Gesetzentwurf mit ein.«

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