CDU/CSU-Kanzlerkandidat:

WerteUnion sammelt im Netz Stimmen für Urwahl

Ein Mitgliederentscheid in der CDU über die Kanzlerkandidatur wäre beinahe ein revolutionärer Akt: Angesichts der desaströsen Werte für Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird der Druck auf die Parteispitze aber immer stärker

Angesichts erschreckend schwacher Umfragewerte für die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) werden in der CDU die Forderungen nach einem Mitgliederentscheid über die Kanzlerkandidatur lauter.

Die WerteUnion, die sich als Zusammenschluss konservativer Unionspolitiker versteht und sich schon länger für eine Urwahl bezüglich der Kanzlerkandidatur ausspricht, hat im Netz damit begonnen, Unterstützerstimmen für diese Idee zu sammeln. Auch die Junge Union (JU) will sich auf ihrem Deutschlandtag am kommenden Wochenende mit dieser Frage befassen, sagte JU-Chef Tilman Kuban der ›Bild am Sonntag‹.

Hintergrund ist: In der Bevölkerung schwindet die Zustimmung für die CDU-Bundesvorsitzende und Verteidigungsministerin dramatisch, wie aus aktuellen Umfragen hervorgeht. Nach einer Erhebung des Marktforschungsinstituts »Kantar Public« für die sogenannte Politikertreppe des Hamburger Haltungsmagazins ›Spiegel‹ wünschen sich nur 29 Prozent der Befragten für Kramp-Karrenbauer eine »wichtige Rolle« in der deutschen Politik. Im Vergleich zum vergangenen Dezember – also kurz nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden – ist das nur noch die Hälfte.

AKK, nein danke!

Diese Erhebung deckt sich weitgehend mit einer »Insa«-Umfrage für die ›Bild‹-Zeitung (Samstag). 63 Prozent stimmten demnach der Aussage zu: »Ich traue Annegret Kramp-Karrenbauer das Kanzleramt nicht zu.«

Im Vergleich möglicher Kanzlerkandidaten verschiedener Parteizugehörigkeit schneidet Kramp-Karrenbauer am schlechtesten ab. Allerdings erreichen auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), CSU-Chef Markus Söder, Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Grünen-Chef Robert Habeck keine mehrheitlich positive Zustimmung.

Für den Deutschlandtag der Jungen Union am kommenden Wochenende in Saarbrücken liegen laut ›Bild am Sonntag‹ Anträge mehrerer Untergliederungen auf Einführung einer Urwahl vor. Aber selbst wenn sich der Unionsnachwuchs dafür aussprechen sollte, wäre für entsprechende Satzungsänderungen bei CDU und CSU jeweils ein Parteitagsbeschluss nötig.

Die WerteUnion hat derweil im Internet eine Seite mit einem Vordruck freigeschaltet, auf der Unionsmitglieder sich für einen Mitgliederentscheid aussprechen können. Mit der Eintragung ihrer Daten unterschreiben sie den Satz: »Ich unterstütze den Vorschlag der WerteUnion, den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU per Urwahl der Mitglieder zu wählen.«

Lesen Sie dazu auch die Kolumne Berlin-Intim. (lol)

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