Chef des Deutschen Journalisten-Verbands massiv in der Kritik

Kollegen werfen Frank Überall (CDU), dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes, Parteilichkeit vor

Mitglieder des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) werfen dem Präsidenten Frank Überall vor, die Interessen seiner Partei – so etwa bei der Unterstützung der EU-Urheberrechtsreform – über die der Journalisten zu stellen. DJV-Chef Überall ist Mitglied der CDU.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, sieht sich innerhalb des Verbands mit massiver Kritik konfrontiert. In einem offenen Brief wirft der freie Journalist Peter Welchering, bis vor einem Jahr stellvertretender Landesvorsitzender des DJV-Landesverbandes Baden-Württemberg, Überall vor, den Journalisten-Verband aus parteipolitischer Rücksichtnahme zu »zerlegen«.

Viele Journalisten im DJV würde es mit Sorge erfüllen, dass Überalls CDU-Parteibuch für ihn wichtiger sei als der Journalismus, so die massive Kritik Welcherings. Das sei besonders bei Frank Überalls Verhalten in der Debatte um die EU-Urheberrechtsreform deutlich geworden. Die Reform widerspreche den Interessen vieler Journalisten. Es sei deshalb sehr verwunderlich, dass sich Überall im Namen des DJV für die Reform stark gemacht habe. »Dieser Einsatz für die Urheberrechtsreform ist durch keinerlei Gremienbeschluss legitimiert«, meint Welchering.

Die Reform des Urheberrechts sei jedoch nicht sein einziger Kritikpunkt an Überall. Wie das Portal ›kress.de‹ darstellt, macht Welchering dem DJV-Chef seine Aussage, »PR sei auch eine Art von Journalismus« zu Vorwurf. »Das, was in der PR gemacht wird, also in der effektiven Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, ist eine Spielart des Journalismus«, erklärt Überall gegenüber dem ›NDR‹-Magazin ZAPP Anfang April. Mit seiner kritischen Haltung im DJV habe er sich offenbar Gegner geschaffen, muss Welchering feststellen. Er sei bereits 2014 auf dem Verbandstag öffentlich als »krimineller Hacker« diffamiert worden, so der freie Journalist.

Welchering ist indes nicht der einzige, der scharfe Kritik an der Bundesspitze des mächtigen DJV übt. Detlef Schlockermann, Mitglied des DJV-Gesamtvorstandes in Nordrhein-Westfalen, greift Überall ebenfalls an. Ihm »fehlt das Gespür dafür, was ein Interessenkonflikt ist und was nicht«, meint Schlockermann. Das aktuelle Vorgehen des DJV schade nicht nur dem Verband, sondern auch dem Journalismus im Allgemeinen. »Verschwörungstheorien« gegenüber Journalisten würden so vermeintlich bestätigt, stellt Schlockermann – allerdings Ursache und Wirkung verwechselnd – dar.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) – Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten e. V. – ist die größte Journalisten-Organisation Europas und vertritt rund 35.000 Mitglieder. Kriterium für die DJV-Mitgliedschaft ist die hauptberufliche journalistische Tätigkeit. Der DJV trieb den Beschluss der Innenministerkonferenz und des Vereins »Deutscher Presserat«, den bundeseinheitlichen Presseausweis ab 2018 wieder einzuführen, mit voran. Durch diese Maßnahme wurde – so die massive Kritik – verhindert, dass anerkannte Presseausweise künftig nicht mehr an Blogger und nebenberufliche Journalisten ausgegeben werden. Damit drohe eine empfindliche Einschränkung der Pressefreiheit, so der Vorwurf.

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