Clan-Kriminalität breitet sich in NRW wie ein Krake aus

Erster CDU-Innenminister endlich aufgewacht!

Polizei und Landesinnenministerium haben im einwohnerreichsten Flächenland Nordrhein-Westfalen (NRW) die bundesweit erste Analyse zur Clan-Kriminalität vorgelegt. Beklagt werden – hört, hört! – »Mafiastrukturen und Parallelwelten«.

Mit dem bundesweit ersten Lagebild zur Clan-Kriminalität hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) 104 kriminelle türkisch-arabische Clans in seinem Bundesland verortet. In den Jahren 2016 bis 2018 sollen diese für rund 14.000 Straftaten verantwortlich sein. Allein 10 Clans verübten demnach fast die Hälfte dieser Verbrechen.

Am auffälligsten war dabei der anonymisiert genannte »Clan O« mit über 1.700 Delikten und 762 Tatverdächtigen. Insgesamt ermittelt wurden knapp 6.500 Verdächtige, unter ihnen zahlreiche Intensivtäter.

»Clankriminalität ist keine Kleinkriminalität«: Nordrhein-Westfalens Innenminster Herbert Reul (CDU) – hier zu Gast bei einer Polizeiübung

Zwei vollendete Tötungsdelikte

Laut der in dieser Woche vorgestellten Analyse des Düsseldorfer Landeskriminalamtes (LKA) waren mehr als ein Drittel aller Delikte sogenannte Rohheitsdelikte wie Bedrohung, Nötigung, Raub und gefährliche Körperverletzung. Es folgten Betrugs- und Diebstahlfälle. Ferner registrierte die Polizei zwei Tötungsdelikte und 24 versuchte Tötungen. Die meisten Verdächtigen mit Clanhintergrund waren den Angaben zufolge »Deutsche« mit 36 Prozent – also hier geborene und/oder eingebürgerte Täter. Es folgten Libanesen (31 Prozent), Türken (15 Prozent) und Syrer (13 Prozent).

»Keine Eierdiebe«

»Wir haben es hier eben nicht mit Eierdieben und Tabakschmugglern zu tun«, erklärte der CDU-Politiker Reul dazu. »Clankriminalität ist keine Kleinkriminalität – wir reden von schweren Verbrechen bis hin zu Tötungsdelikten.« Es gebe Clans, die zahlten nur etwa jedes zweite Bußgeld für Verkehrsdelikte. Die Clanmitglieder glaubten offenbar, sie müssten nichts und niemanden fürchten, sagte Reul. »Genau das muss sich ändern.«

Es kommt nur darauf an, wer was sagt

Nichts anderes hatte vor zwei Jahren auch der AfD-Kandidat für die Europawahl, Guido Reil, geäußert. Er durfte danach den seit vielen Jahren betreuten Seniorenbus der »Arbeiterwohlfahrt« (Awo) in Essen-Karnap nicht mehr fahren. Seine »Awo«-Mitgliedschaft wurde ausgesetzt – u. a., weil Reil erklärt hatte, in Gelsenkirchen seien »ganze Stadtteile umgekippt«. Dies nur am Rande.

Clane sogar auf dem Land aktiv

In ihrer Analyse kommt die NRW-Polizei jetzt zu dem Schluss, dass Clans in ganz Nordrhein-Westfalen aktiv sind. Der Schwerpunkt liege den Tat- und Wohnorten zufolge in den Ruhrgebietsmetropolen – allen voran in Essen, dahinter in Städten wie Gelsenkirchen und Recklinghausen. Türkisch-arabische Clane sind aber auch in den Großstädten am Rhein, vor allem in der Domstadt Köln, auf dem Vormarsch. Sie tauchen vereinzelt sogar im ländlichen Raum auf.

Es gebe Hinweise, dass die Clans in die gesamte Lieferkette des Handels mit Kokain und Marihuana verstrickt seien, heißt es in dem Lagebild des NRW-LKA. Kontakte zu Produktionsstätten in Südamerika gebe es ebenso wie die Beteiligung an Finanzierung, Transport und Verkauf auf Straßenebene. Zu den offen illegalen Aktivitäten wie Drogenhandel, Glücksspiel und Sozialleistungsbetrug betreiben Clanmitglieder demzufolge auch scheinbar legale Geschäfte. Dazu zählen Autohandel, Sicherheitsdienstleistungen oder auch Schlüsseldienste – meist mit dem Ziel zu betrügen, Geld zu waschen oder als Tarnung für kriminelle Vorhaben.

Zoll- und Polizeifahndungen gegen das organisierte Verbrechen fördern immer wieder Belege für das erschreckende Ausmaß der Clan-Kriminalität zutage

Ehre und das Recht des Stärkeren

»Jahrelang wurden die Hinweise der Bürger, aber auch aus Polizeikreisen, zu diesem Problem geflissentlich ignoriert«, erklärte Reul. »Ob aus falsch verstandener politischer Korrektheit, oder weil man der Auffassung war, dass nicht sein kann, was nicht sein darf – damit ist nun endlich Schluss.«

Kriminelle Clanmitglieder folgten nach Einschätzung der Ermittler den beiden Grundprinzipien, dass die sogenannte Ehre der Familie über alles gehe und das Recht des Stärkeren gelte, sagte Thomas Jungbluth, Leiter der Abteilung für Organisierte Kriminalität beim LKA.

Reul bekräftigte: »Bei uns gilt nicht das Gesetz des Clans, sondern das Gesetz des Staats.« Guten Morgen, Herr Innenminister! Auch schon aufgewacht? (lol)

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