Corona mischt die Karten neu:

Und der große Verlierer heißt Friedrich Merz!

Fast hatte man es im Zuge der kollektiven Corona-Hysterie schon vergessen: Die von CSU-Chef Markus Söder Anfang Januar zur Mitte des Jahres eingeforderte Kabinettsumbildung (»Verjüngung«) ist abgesagt. Aus der CSU-Spitze ließ sich ›Bild am Sonntag‹ in den Block diktieren: »Die Frage einer Kabinettsumbildung stellt sich inmitten der Corona-Krise nicht. Die Bundesregierung hat momentan höchstes Ansehen und die CSU-Minister leisten sehr gute Arbeit.«

Das war’s dann wohl: Friedrich Merz (64/CDU) gilt als der große Verlierer der Corona-Hysterie

Freuen dürfen sich über Söders Sinneswandel insbesondere die drei CSU-Minister in Merkels Kabinett: Eine »Verjüngung« hätte vor allem Innenminister Horst Seehofer (70) und Entwicklungsminister Gerd Müller (64) getroffen. Und auch »The Master of Disaster«, Verkehrsminister Andreas Scheuer (45), darf trotz Mautdebakel und Untersuchungsausschuss vorerst weiterwursteln.

Insoweit wird man feststellen dürfen: Alle drei CSU-Minister sind absolute Corona-Krisengewinnler! Der große politische Verlierer aber heißt Friedrich Merz (64, CDU)! Er wird nach allem, was in der Hauptstadt zu hören ist, seine Ambitionen auf den CDU-Vorsitz und damit auf die Kanzlerkandidatur endgültig auf dem »Friedhof hinter dem Kanzleramt« begraben müssen. Dafür sprechen gleich mehrere Gründe:

► Die offiziellen Mitbewerber Armin Laschet und Jens Spahn (beide CDU) sowie – bezüglich der Kanzlerkandidatur – der noch inoffizielle Aspirant Markus Söder (CSU) wussten die Gunst der Stunde zu nutzen und setzten sich während der Corona-Hysterie als »Macher« in Szene. Merz, ohne Funktion in Partei und Staat, wirkte dagegen wie das Mauerblümchen der Scheinkonservativen in der Union.

► Der Staat bzw. die ihn tragenden Politiker dominieren in Krisenzeiten immer. Der Staat verstaatlicht oder teilverstaatlicht Firmen, spannt sogenannte Rettungsschirme in dreistelliger Milliardenhöhe auf. Das Arsenal eines Wirtschaftsliberalen vom Schlage Merz (»Mehr Freiheit wagen«) wirkt in einer solchen Gemengelage auf die überwiegend staatsgläubigen Deutschen kontraproduktiv, ja fast schon irgendwie bedrohlich.

► Das strategische Versprechen von Merz, er werde große Teile der AfD-Wähler zurück zur Union holen, scheint durch die Wahlforscher widerlegt. AfD-Wähler sind nach allen Umfragen auch trotz des jetzigen Umfragehochs der Union ganz überwiegend nicht bereit, CDU oder CSU zu wählen. Vielmehr kommen die Prozente für die Unionsparteien vor allem aus dem Lager von SPD, FDP, Grünen und sogar der Linkspartei.

► Auch in der nach staatlichen Geldspritzen hechelnden Wirtschaft verliert Merz immer mehr an Zustimmung. Seine Themen – Steuerreform, Geldwertstabilität und schlanker Staat – gelten in Corona-Zeiten nicht als spielentscheidend.

► Last not least: Friedrich Merz ist und bleibt ein Egomane, war nie ein Teamspieler und wird auch nie einer sein. Armin Laschet soll es ihm bei einem vertraulichen Treffen im Industrie-Klub von Düsseldorf genauso gesagt und hinzugefügt haben: »Friedrich, du wirst es schon mal auf keinen Fall.« (oys)

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