CSU-»Totengräber« Theo Waigel hetzt auf allen Kanälen gegen die AfD

Der 80. Geburtstag – oder wie ich mich selber belüge

Am Ostermontag wurde der frühere Bundesfinanzminister, D-Mark-Abschaffer und Ex-CSU-Vorsitzende Theo Waigel 80 Jahre alt. Auf allen gebührenfinanzierten Kanälen durfte der eitle CSU-»Ehrenschwafler« aus diesem Anlass seine selbstgefälligen Memoiren (»Ehrlichkeit ist eine Währung«, 24,00 Euro) vermarkten. Dies garniert mit infamer Hetze gegen die AfD. Ein anderer Titel für Waigels »Erinnerungen« wäre wahrhaftiger gewesen: »Wie ich aus der CSU von Franz Josef Strauß eine Bayernfiliale der CDU machte.«

Der Merkelianer Theo Waigel feierte am Ostermontag den Achtzigsten

Am Morgen des Ostermontags (22. April) dürfte Angela Merkel (CDU) zu den ersten Gratulanten Theo Waigels gehört haben. Waigel ist neben seinem Intimfeind, dem Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (77), und dem gescheiterten Grenzschließer Horst Seehofer (69) der dritte sogenannte Ehrenvorsitzende der CSU. Die Masseneinwanderungskanzlerin und er gehören quasi zusammen wie Topf und Deckel.

Waigel, das wird man wohl konstatieren dürfen, ist ein ausgesprochener »Merkelianer«. Im bayerischen Landtagswahlkampf 2018 gründete er in der CSU eine Art »Merkel-Fanclub«. Er lud die Masseneinwanderungskanzlerin, die Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zuvor praktisch zur »Persona non grata« erklärt hatte, zu einem Wahlkampfauftritt nach Ottobeuren (Allgäu) in die dortige weltberühmte Benediktinerabtei ein. Auf dem Höhepunkt des Asylstreits mit der CDU (Stichwort: Grenzabweisungen) fiel Waigel der eigenen Partei in den Rücken: »Angela Merkel hat gezeigt, dass sie in Europa immer noch über eine starke Autorität verfügt.«

Ein weiterer früher Gratulant am Ostermontag dürfte Kai Diekmann aus Potsdam gewesen sein. Der Ex-›Bild‹-Chef und der Ex-Finanzminister sind sich verbunden aus alten Bonner Tagen. Sie verehren ein gemeinsames Idol: Helmut Kohl, einen Mann, der sich im CDU-Spendenskandal über Recht und Gesetz stellte.

Diekmann und Waigel, jeder auf seine Weise, »verkohlten« ihre Schutzbefohlenen. Diekmann seine Leser, indem er den intellektuell und politisch eher mittelmäßigen Pfälzer, der zur deutschen Einheit kam wie die Jungfrau zum Kinde, penetrant bis zuletzt als größten Staatsmann aller Zeiten feierte. Waigel, indem er als Parteichef (1988–1999) die CSU von Franz Josef Strauß zu einer Bayernfiliale der Kohl-CDU deformierte.

Der D-Mark-Abschaffer und Euro-Geburtshelfer Waigel, der in zweiter Ehe mit der 19 Jahre jüngeren früheren Ski-Rennläuferin Irene Epple verheiratet ist, hat sich – das muss man neidlos anerkennen – für sein Alter gut gehalten. Das Ehepaar hat einen erwachsenen Sohn, Konstantin (24). Das Geheimnis von Waigels »Jungbrunnen«: Er macht nur noch, »wozu ich Lust habe«. Skilaufen gehört dazu und ein lukrativer Beraterjob hier und da für wohl etwas mehr als nur eine »Handvoll Euro«.

Aktuell besonders große Lust hat der CSU-»Ehrenvorsitzende« respektive CSU-»Ehrenschwafler«, seine Memoiren zu vermarkten. So wie dieser Tage auf Kosten der Gebührenzahler in ›ARD‹ und ›ZDF‹.

Im ›ARD‹-Politmagazin ›Report München‹ blickte der Autobiograf bedeutungsvoll zurück und wurde, so hieß es in einer Mitteilung des ›Bayerischen Rundfunks‹ (BR), »ungewöhnlich persönlich«. Waigel zitierte nämlich aus einem angeblichen Brief, den sein Bruder Gustl im Kriegsjahr 1944 von der Westfront (Lothringen) an die Familie geschickt haben soll:

»Man macht ja alles gern, wenn man wüsste, ob man noch einmal heimkommt. Ich denke mir nur manchmal, wenn es mich nur gleich erwischen würde. Aber: Es lebt doch jeder gern …«

Wenige Tage später war Gustl Waigel gefallen. Zumindest das ist unstrittig. 61 Briefe sollen es gewesen sein, die der ältere Bruder an Theo Waigels Eltern und an den jüngeren Bruder selbst geschrieben habe.

Auch bei »Markus Lanz« (›ZDF‹) zitierte Waigel am Dienstagabend aus den mit Maschine (!) geschriebenen Frontbriefen, um dann – ein Schelm, der AfD dabei denkt – theatralisch zu postulieren:

»Das ist mein Appell an die junge Generation, ihre Zukunft in die Hand zu nehmen. Zu verhindern, dass nie mehr so etwas passiert. Den Populisten und Feinden der Demokratie entschieden entgegenzutreten und für Europa einzutreten. Denn das ist das Beste, was wir haben.«

Waigel steht für die Euro-Einführung.

Dass es die von seinem »Parteifreund« Edmund Stoiber geführte CSU-Staatsregierung in Bayern war, die im Bundesrat gegen die Einführung des Euro stimmen wollte, hat Waigel bis heute nicht vergessen. Er wäre sofort zurückgetreten, als Parteichef und Finanzminister, sagt er. Stoiber machte bekanntlich einen Rückzieher.

Das Verhältnis der beiden ist bis heute – zurückhaltend formuliert – gespannt. Der Streit geht zurück auf das Jahr 1993, als Stoiber und Waigel um das Amt des Ministerpräsidenten im Freistaat konkurrierten. Damals wurden Details der privaten Situation Waigels – die Trennung von seiner alkoholkranken ersten Frau und die Liaison mit dem Ex-Ski-Star Irene Epple – an die Presse lanciert. Der ›Spiegel‹ zitierte eine angebliche Lästerei des damaligen Erzbischofs von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, der in Bezug auf Waigel gesagt haben soll: »Der is net gut katholisch.«

Stoiber (der dann Ministerpräsident wurde) wusch seine Hände in Unschuld. Waigel nimmt seinem Erzrivalen bis heute nicht ab, dass er mit den Durchstechereien nichts zu tun gehabt haben will.

Es ist letztlich auch egal.

Anders als Stoiber gehörte Waigel nie zum inneren Zirkel der CSU-Legende Franz Josef Strauß (FJS). Hier muss man allerdings einschränken, dass Strauß über Stoiber oft als den »Mensch gewordenen Leitz-Ordner« spottete. Im Rückblick jedenfalls war Waigel nach dem Tod von Strauß 1988 der erste von vielen CSU-Totengräbern, die noch folgen sollten. Er ebnete als willfähriger Erfüllungsgehilfe des damaligen CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlers Helmut Kohl den Weg der CSU zum Kanzlerwahlverein – und damit zur Bayernfiliale der CDU. Und er ebnete als Finanzminister (1989–1998) den Weg in den Schuldenstaat – als »Der Versager«, wie ihn der ›Spiegel‹, der damals noch ein Nachrichten- und kein »Relotius«-Magazin war, bereits im November 1992 sah. (oys)

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