Das Blaue Wunder

Klartext des Chefredakteurs

David Bendels

was für ein Wahlabend: Sensationsergebnisse für die AfD, die die besten Landtagswahlergebnisse ihrer nur sechsjährigen Parteigeschichte erzielt. Sie ist der eigentliche Wahlsieger, auch wenn sie weder in Brandenburg noch in Sachsen stärkste Partei wurde und auch in keinem der Bundesländer mitregieren wird. Sie kann jetzt noch machtvoller die Themen auf die Tagesordnung setzen, die wirklich zählen: Migrationskrise, Euro-Betrug, Klimawahn und Wirtschaftskrise.

In Sachsen ist die AfD sogar stark genug, um jederzeit allein, ohne auf andere Fraktionen angewiesen zu sein, einen Untersuchungsausschuss einsetzen zu können. Die panische Angst der anderen vor der neuen Konkurrenz, die offenkundig nicht so einfach loszuwerden ist, bestimmt die Agenda. Die Führungsetagen der Altparteien haben den Schuss nicht gehört. Trotz der Einheitsfront von Altparteien, linientreuen Medien und gesellschaftlichen Wasserträgern hat sie ihr Ergebnis in Brandenburg verdoppelt und in Sachsen sogar verdreifacht. Die Strategie der totalen Ausgrenzung ist gescheitert. Wenn die übrigen Parteien – sogar die SPD, die in Sachsen beinahe bis auf die Fünf-Prozent-Hürde abgestürzt ist – sich nur noch deswegen als »Sieger« feiern, weil sie verhindert haben wollen, dass die AfD stärkste Kraft wird, ist die Bankrotterklärung perfekt.

Das ganze Trommelfeuer der letzten Wochen hat nur bewirkt, dass die Regierungsparteien – SPD in Brandenburg, CDU in Sachsen – am Ende doch nicht ganz so stark verloren haben wie vorhergesagt. Aber nicht zu Lasten der AfD, die ihre Position trotzdem ausbauen konnte. Stattdessen sind die SED-Kommunisten von der Linken fast halbiert, die FDP aus beiden Landtagen draussen geblieben und die Bäume der Grünen auch nicht in den Himmel gewachsen. Sie bleiben die Splitter-Klientelpartei der saturierten Netto-Staatsprofiteure.

Die AfD muss jetzt klug mit diesem Pfund wuchern. Wenn sie weiter einen Kurs der Vernunft hält, die brennenden Probleme deutlich, aber besonnen anspricht, auf radikale Töne verzichtet und klare Kante gegenüber Extremisten und Sektierern zeigt, kann sie zur neuen Volkspartei und zur Kraft der Erneuerung heranwachsen. Sie muss die jetzt erkämpfte Position nutzen, um sich in den nächsten Jahren das Personal und die Professionalität zu erarbeiten, um im nächsten Schritt auch Regierungsverantwortung übernehmen zu können.

Das könnte schneller akut werden als gedacht. Das etablierte Kartell wird ihr mit seinen trotzigen und hysterischen Überreaktionen die Sympathien weiter zutreiben, wenn es AfD-Wähler weiter abwechselnd als »Nazis« beschimpft oder als unmündig und therapiebedürftig von oben herab behandelt. Dass die Masse der Mitglieder, Politiker und Wähler der AfD aus der bürgerlichen Mitte kommt, sieht jeder, der nicht mit heruntergezogenen Rollläden in der abgehobenen Berliner Filterblase sitzt. Die Propaganda ist jetzt schon stumpf. Das totalitäre Eiferertum, mit dem eine ›MDR‹-Redakteurin, die die naheliegende Frage nach einer »theoretisch möglichen« bürgerlichen schwarz-blauen Koalition gestellt hat, von Politik und Regierungsmedien heruntergeputzt wurde, ist ein deutliches Symptom des Zerfalls.

Die Einheitsfront von CDU bis Kommunisten, aus der sich die nächsten Landesregierungen in Sachsen und Thüringen rekrutieren werden, wird die AfD weiter stärken. Ihre besten Werbehelfer sind die Betonköpfe in den Zentralen der Altparteien: CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer zum Beispiel, die ungerührt erklärt, dass sie selbstverständlich ein Viertel der Wähler ignorieren will, weil ihr deren Wahlentscheidung nicht passt.

Oder ihr CSU-Gegenstück, der bayerische Wendehals, der sich schon mal als schwarz-grüner Hoffnungsträger warmläuft und in dreister Bürgerkriegsrhetorik behauptet, Franz Josef Strauß hätte »die AfD bis aufs Blut bekämpft«. Nein, Herr Söder. Auch wenn Sie es noch so sehr nicht hören wollen: Franz Josef Strauß hätte AfD gewählt, hätte er mitansehen müssen, was Sie und Ihresgleichen aus der CSU gemacht haben.

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