Das deutsche Molenbeek im Bonner Norden

Salafisten haben im Bonner »Tannenbusch« ein Tunnelsystem

Der Stadtteil Tannenbusch im Bonner Norden gehörte einmal zu den besseren Wohngegenden: Vornehmlich Ministerialbeamte, Abgeordnete, Offiziere und Bundeswehr-Angehörige wohnten in den Hochhäusern und der angrenzenden schmucken Reihenhaussiedlung.

Die großzügigen Grünflächen waren ein Eldorado für spielende Kinder. In die Schlagzeilen geriet der Stadtteil 1992 durch den mysteriösen Tod des grünen Ur-Paares Petra Kelly und Gert Bastian. Bis heute ist ungeklärt, ob es ein gemeinschaftlich begangener Selbstmord war oder ob der ehemalige Bundeswehrgeneral seine Lebensgefährtin gegen deren Willen und dann sich selbst erschoss.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist Bonn-Tannenbusch wieder in den Schlagzeilen: als das deutsche Molenbeek!

So wie in dem Brüsseler Vorort haben sich auch hier Salafisten über Jahre hinweg ungehindert radikalisieren können. Aus diesem inzwischen verrufenen Bonner Stadtteil stammen zahlreiche islamistische Kämpfer. Hier sollen sie sogar unterirdisch abtauchen können. Unter den Wohnblöcken erstrecke sich ein großes, zusammenhängendes Tunnelsystem, berichtete der Bonner ›General-Anzeiger‹ und zitierte einen »Insider«: »Da kann man von einem Haus ins andere gehen, ohne gesehen zu werden.« Was sich unter der Erde abspiele, das wisse keiner so genau. Deshalb gehe auch »kein Polizist alleine da rein«. Streifenwagen würden die Gegend nur »im Doppelpack« anfahren.

200 gewaltbereite Islamisten soll es in der Bundesstadt Bonn geben, die meisten davon im Bonner Norden.

Immer wieder taucht bei Razzien der Bundesanwaltschaft und des NRW-SEK der Name Tannenbusch auf. Anhänger der Terrormiliz IS feierten auf den Plätzen vor den Siedlungen Grillfeste, offenbar um neue Kämpfer zu rekrutieren. Nachweislich wurden hier Konvois zur Unterstützung des IS in Syrien zusammengestellt. Die Spuren von inzwischen getöteten IS-Aktivisten auf Propaganda-Videos lassen sich zurück in den Tannenbusch verfolgen.

Der gefährlichste »Tannenbuscher« war zweifelsohne Marco G. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte den aus Oldenburg stammenden Konvertiten im April dieses Jahres wegen versuchten Mordes und Bildung einer terroristischen Vereinigung zu lebenslanger Haft. Der Islamist, der auch im Gerichtssaal noch »Allahu Akbar« rief, hatte am 10. Dezember 2012, mitten im adventlichen Reiseverkehr, eine Bombe am Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt. Weil der Zünder nicht funktionierte, kam es nicht zur Explosion. Sonst hätte es wohl Dutzende Tote gegeben.

»Terror-Fahnder durchsuchen Wohnung in Tannenbusch«, lautete unlängst eine Überschrift im Bonner ›General-Anzeiger‹. Es war nicht die erste Überschrift dieser Art – und es wird nicht die letzte gewesen sein!

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