Klartext des Chefredakteurs:

Das Märchen vom »Fachkräftemangel« — Wahnsinn mit Methode

David Bendels

Advent, Advent, das Märchen vom »Fachkräftemangel« ist wieder da. Nichts gibt so schöne Einwanderungspropaganda her wie die Behauptung, die deutsche Wirtschaft sei ohne importierte »Fachkräfte« zum Niedergang verurteilt. Wirtschaftsverbände warnen vor der größten Bedrohung für den Standort Deutschland, und die Kanzlerin greift die Vorlage dankbar auf und orakelt, es drohe ein regelrechter »Exodus« von Unternehmen, wenn die Anwerbung außereuropäischer »Fachkräfte« nicht zügig erleichtert würde.

Wahrscheinlich glauben beide selbst nicht, was sie da erzählen. Weder der Kanzlerin noch den Verbänden geht es um das Wohl des Landes, sondern um handfeste Eigeninteressen: Merkel will sich den Verbleib an der Macht sichern, indem sie den Internationalisten und Globalisten nach dem Munde redet, und Letztere versprechen sich ökonomische Vorteile, wenn sie Billigkräfte aus dem Ausland holen, statt die vorhandenen Fachkräfte selbst auszubilden und besser zu bezahlen.

Die Tatarenmeldungen vom »Fachkräftemangel«, die von den Fakten kaum gedeckt sind, dienen so vor allem dazu, die Bürger gefügig zu machen, wenn demnächst das vermurkste Einwanderungsgesetz der GroKo-Dilettanten in Kraft tritt. Ein Gesetz, das eine neue Baustelle aufmacht, aber die alten Probleme nicht löst, namentlich die unkontrollierte Einwanderung in die Sozialsysteme über sperrangelweit offene Grenzen und viel zu großzügig gehandhabten Familiennachzug.

Jeder kann sich jetzt schon ausrechnen, dass die GroKo-Manöver zur »Fachkräfte«-Anwerbung ein Rohrkrepierer werden. Echte Hochqualifizierte wird man damit kaum anlocken können. Die können sich auf dem globalen Arbeitsmarkt nämlich aussuchen, wo sie hingehen. Und entscheiden sich im Zweifelsfall für echte Einwanderungsländer, die ihnen mehr Perspektiven bieten: Kanada, Australien oder die USA zum Beispiel; Länder, die rigoros aussieben, wer nach Qualifikation und Leistungsbereitschaft zu ihnen passt, und die Leistungsträger auch nicht mit hohen Steuern und Abgaben auf mäßige Gehälter gnadenlos ausplündern. In den USA verdient ein Lastwagenfahrer bei WalMart netto mehr als ein Arzt an einem deutschen Krankenhaus. Da fällt die Entscheidung nicht schwer. Das gilt übrigens auch für die teuer im eigenen Land ausgebildeten einheimischen Fachkräfte. Jahr für Jahr kehren Hunderttausende Hochqualifizierte Deutschland den Rücken und gehen in Länder mit besseren Bedingungen, wo sie freudig genommen werden: Unterbezahlte Wissenschaftler, die an deutschen Unis in veralteten Laboren sitzen, Ärzte und medizinisches Personal, die in der Schweiz, Skandinavien und selbst in Großbritannien besser bezahlt und nicht bei schlechter Bezahlung und horrenden Arbeitszeiten ausgebeutet werden.

Statt einen Exodus deutscher Unternehmen wegen vermeintlichen Mangels an ausländischen »Fachkräften« herbeizufantasieren, sollte Angela Merkel sich vielmehr Sorgen um die massenhafte Abwanderung einheimischer Fachkräfte machen, die hierzulande bitter fehlen. Sie durch ausländische Billigkräfte ersetzen zu wollen, die dann wieder in ihrer Heimat fehlen, ist nicht nur eine Milchmädchenrechnung, sondern zeugt auch von neokolonialer Rücksichtslosigkeit gegenüber den Ländern, die man auf diese Weise aussaugen will, um selbstverschuldete Probleme vermeintlich lösen zu können.

Deutschland ist Auswanderungsland für Fachkräfte und Einwanderungsland für Sozialleistungs- und Transferempfänger. Der chaotische Import von 1,5 Millionen sogenannter »Flüchtlinge«, von denen über zwei Drittel direkt auf Transferleistungen angewiesen sind, hat die Lage noch verschärft. Die Probleme waren indes vorher schon da: Die Geburtenstatistik belegt, dass Migrantinnen mit niedrigem Bildungsstand deutlich höhere Geburtenraten als der Durchschnitt aufweisen, während einheimische Frauen, vor allem solche mit besserer Ausbildung, öfter als in jedem anderen Land kinderlos bleiben. Selbst ohne weitere Migration würde also die Demografie die gefährliche Schieflage von Arbeitsmarkt und Sozialsystemen immer schärfer zuspitzen bis zum drohenden Kollaps.

Bevor diese Probleme nicht gelöst sind, braucht niemand an ein »Fachkräfteeinwanderungsgesetz« auch nur zu denken. Sicher, Deutschland kann von qualifizierter Migration profitieren. Aber nur, wenn vorher alle Schlupflöcher, Hintertüren und offenen Anreize für legale und illegale Migration in die Sozialsysteme geschlossen und abgestellt werden. Stattdessen bereitet die GroKo ungerührt die nächste kapitale Fehlentscheidung vor, die vorhandene Missstände verstärkt, statt bestehende Fehlentwicklungen zu korrigieren. Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode.

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