Das Neueste aus der Gerüchteküche:

F. Merz reloaded?

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ist in einen schwarz-weiß-karierten Kittel geschlüpft und hat sich ein Tuch um den Kopf gebunden. Mit einem riesigen Besen in der Hand fegt sie auch in diesem Jahr als »Putzfrau Gretl« im Saar-Karneval vor sich her. »Nee, Nee, Nee,« brabbelt sie auf der Bühne und mokiert sich im saarländischen Singsang (»un« statt »und«; »han« statt »haben«) über ihren Ex-Rivalen Friedrich Merz: »Der Wiedergänger der deutschen Politik.«

Dem Satz könnte (unfreiwillig) abermals eine Wahrheit innewohnen. Zumindest ist das die Hoffnung bei einigen in der Union.

Auch wenn Merz nach seiner knappen Niederlage auf dem Hamburger CDU-Parteitag im Dezember die Politik zum zweiten Mal verbittert hinter sich gelassen hat und in sein Amt als Aufsichtsratschef beim deutschen Ableger des weltweit größten Vermögensverwalters »BlackRock« zurückgekehrt ist – es gibt nicht wenige in der CDU, die einen erneuten Comeback-Versuch des Sauerländers herbeibeten und zwar nach dem absehbaren Desaster bei den Herbst-Wahlen im Osten.

Das Wunschkonzert in der Union geht von folgender Partitur aus:

Die SPD kündigt die Chaos-GroKo auf, es kommt zu Neuwahlen, viele rufen nach Merz, er solle auf einem CDU-Sonderparteitag erneut seinen Hut in den Ring werfen – dieses Mal als Kanzlerkandidat. Womöglich – fortissimo! – könnte es nach nicht einmal einem Jahr in einem Aufwasch auch zum Sturz von Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin kommen. Friedrich Merz, der nicht frei von Eitelkeit ist, könnte ein solches Szenario durchaus gefallen. Rache ist eine Speise, die am besten mundet, wenn kalt genossen.

Hat »AKK« schon bald in der CDU ausgeputzt?

In der Union heißt es jedenfalls: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der noch immer große Autorität genießt, sehe bei Neuwahlen weiterhin nur mit Merz als Kanzlerkandidaten eine reelle Chance für die Union. Darin fühle sich der CDU-Patriarch durch alle Umfragen bestätigt. Diese legen in der Tat den Schluss nahe, dass der anfängliche »AKK«-Hype bereits vorüber ist. CDU und CSU dümpeln im ›ARD‹-»Deutschlandtrend« aktuell bei 29 Prozent.

Auffällig ist zumindest, dass Schäuble keine Gelegenheit auslässt, um vor weiteren Personaldebatten in der Union zu warnen. Wer den Badenser kennt, weiß, dass er um drei Ecken denkt. Allein die Tatsache, dass er vor Personaldebatten »warnt«, dürfte geeignet sein, diese schon bald wieder anzuheizen. Dafür notiert sich der Kolumnist den 26. Mai auf Wiedervorlage. Es ist der Sonntag der Europawahl. (oys)

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