Das Strache-Drehbuch – jetzt wird’s richtig schmutzig

Die Finca auf Ibiza, in der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (kleines Bild) in die Falle gelockt wurde

Ein Kommentar von Hanno Vollenweider

Keine Angst, das hier wird keiner dieser Texte, die versuchen, das Strache-Video zu relativieren. Denn für mich gibt es da nichts zu relativieren. Wenn ein Heinz-Christian Strache seine persönlichen Interessen so in den Vordergrund stellt, dass er bereit ist, dafür seine Integrität zu verraten, dann ist er in meinen Augen nicht besser als Gazprom-Schröder & Co. Dabei mildern auch die Tatsachen der gezielt gelegten Falle oder des Alkoholspiegels von Strache den Fall nicht ab. Wer in diesem Business aktiv ist, der klärt vorher die Details, besorgt sich Informationen über die Teilnehmer, checkt die Lage vor Ort und bestimmt in der Regel auch den Treffpunkt selbst. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede, so was habe ich viele Jahre lang gemacht. Es war in meinen Augen wirklich dämlich von Strache, in so eine lausige Falle zu gehen. Und noch dämlicher war es, dass er trotz aufkommender Zweifel während des Treffens – O-Ton Strache: »Eine Russin in dieser Liga hat keine schmutzigen Füße.« – und der Warnung von Frau Gudenus – O-Ton: »Kann das eine Falle sein?« – nicht abbricht oder vertagt.

Nach so harten Worten muss ich dazu allerdings beschwichtigend sagen: Das alles erschüttert mein Weltbild nicht. Dass auch ein HC Strache das politische Geschäft nicht aus purem Altruismus betreibt, sollte jedem klar denkenden Menschen bewusst gewesen sein. Strache und seine FPÖ haben in den letzten Jahren das geliefert, was sie versprochen haben und das sollte zählen.

Was mich am vergangenen Wochenende wesentlich intensiver beschäftigt hat, waren die Hintergründe des Videos. Kommen solche Dokumente ans Tageslicht, handelt es sich meist um sogenannte Leaks. Davon gab es in der Vergangenheit viele und teils wichtige und erschreckende. Zum Beispiel die Panama-Papers, die Clinton-Emails oder die von »Wiki-Leaks« aufgedeckten Papiere der US-Militärs. Das Strache-Video ist kein »Leak«. Hier wurde minutiös geplant und inszeniert, als hätte man dafür ein Drehbuch geschrieben. Schauspieler wurden arrangiert, eine Vorgeschichte ersonnen und extra ein Drehort auf Ibiza angemietet. Wobei man im selben Atemzug sagen muss, dass dazu die dilettantische Art der Aufnahme nicht wirklich passt. Sie muss gewollt sein, um dem Ganzen doch den Anschein eines »Leaks« und nicht der durchgeplanten Falle zu geben.

Wenn etwas so viel »Professionalität« ausstrahlt, sollte man beginnen, Fragen zu stellen. Die Produktion so eines Films ist nicht günstig, inkl. Schauspieler, Kulissen und Vorbereitung dürften das sicher mehr als 100.000 Euro gewesen sein. Wer hat also das Interesse und gleichzeitig die Mittel?

Im Netz überschlagen sich dazu die Gerüchte. Von Jan Böhmermann als Beteiligter ist die Rede, er hat zumindest von der Existenz des Videos gewusst. Böhmermann hätte sowohl die technischen als auch die finanziellen Mittel und die politischen Kontakte nach Links. Die ›Wiener Zeitung‹ nennt das »Zentrum für Politische Schönheit« als möglichen beteiligten, diese will sich aber erst nach einem Rücktritt des österreichischen Innenministers Kickl äußern. Für mich scheiden beide als die wahren Hintermänner aus. Selbst wenn sie beteiligt sein sollten, es übersteigt sicherlich ihr Können und ihre Möglichkeiten. Hier sind andere am Werk gewesen und das wird besonders deutlich, wenn man sich den Zeitpunkt der Veröffentlichung anschaut. Die Frage, warum jetzt ein zwei Jahre altes Video auftaucht, erscheint mir deshalb als die wichtigste.

Die Europawahlen stehen vor der Tür, in der ganzen EU erstarken die EU-Kritiker, es wird gar mit einem unglaublichen Stimmgewinn am nächsten Wochenende für die sogenannten »Rechtspopulisten« gerechnet. In immer mehr Ländern gewinnen Parteien an Zuspruch und beteiligen sich an Regierungen, die der wachsenden Eurokratur und der Abschaffung nationaler Souveränität Einhalt gebieten werden und sich vor Kurzem erst auf europäischer Ebene zu einem starken Bündnis zusammengeschlossen haben. Und genau dort, unter den Feinden dieses Bündnisses, sind die Macher des Strache-Videos zu suchen. Weder ein Böhmermann noch ein »Zentrum für Politische Schönheit« haben die Weitsicht und die Geduld, ein solches Video so lange in der Schublade liegen zu lassen, sie sind höchstens als Verteiler oder Multiplikatoren eingesetzt gewesen. Dafür braucht es andere Institutionen. Solche, die es gewohnt sind, Informationen zu sammeln und diese zur richtigen Zeit am richtigen Ort aus dem Hut zu zaubern. Und genau diese Tatsache sollte uns zum Nachdenken bringen. Wer so viel kriminelle Energie hat, um derartig vorzugehen, der macht noch ganz andere Dinge, um seine Macht zu erhalten.

Besonders ist es aber ein Wink mit dem Zaunpfahl an die, die mit den alternativen Parteien arbeiten, wie es Sebastian Kurz getan hat. In Zukunft wird es sich der ein oder andere Altparteienpolitiker überlegen, ob er sich mit den »Schmuddelkindern« einlässt, wenn er damit rechnen muss, dass irgendwelche Dunkelmänner toxische Videos und Dokumente aus irgendeiner Schublade ziehen, von einem Tag auf den nächsten die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre keinen Wert mehr hat und sich verunsicherte Bürger zurück in alte Mühlen flüchten. Totalitäre Systeme wie China arbeiten übrigens schon sehr lange und sehr erfolgreich mit solchen Methoden. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis dieses »Erfolgsmodell« auch bei uns gang und gäbe ist.

Hanno Vollenweider

war viele Jahre Inhaber einer international tätigen Vermögens- und Unternehmensberatung in der Schweiz. Er ist Experte und Referent auf den Gebieten Risikomanagement, kreativer Steuergestaltung sowie Private Equity und Venture Capital. Vollenweider ist Vorstandsmitglied in der »Vereinigung der Freien Medien« und der Herausgeber dessen gemeinschaftlichen Buches »Wir sind noch mehr – Deutschland in Aufruhr«. Er ist gegen zu viel Staat, liebt die Natur, lebt auf seinem eigenen kleinen Hof mit rund 20 Tieren und beschäftigt sich in seiner mageren Freizeit intensiv mit der Geschichte der Freiheitskriege und der Märzrevolution.

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