Das Tesla-Jobwunder in Brandenburg dürfte wohl ausbleiben:

Luftschloss im märkischen Sand

Die hohen Erwartungen in den Bau der Tesla-Gigafabrik in Brandenburg und die Hoffnungen auf ein Jobwunder in der Region könnten sich schon bald in Luft auflösen. Der E-Autobauer scheint vor allem billige Arbeitskräfte aus Polen zu suchen.

Die nächste Seifenblase? In der Nähe der Dauerbaustelle BER soll bis 2021 ein Tesla-Werk errichtet werden (Fotomontage: Deutschland Kurier)

Je prekärer die Lage eines Hochstaplers, desto höher seine Luftschlösser! Der am Rande der Pleite summende US-Elektrobauer Tesla scheint diese alte Lebenserfahrung zu bestätigen. Die hochtrabenden Pläne für eine Gigafabrik in Brandenburg geraten – um verkehrstechnisch im Bilde zu bleiben – unter die Räder.

Sucht Tesla vor allem billige Arbeitskräfte aus Polen?

»Der nächste Schritt ist getan«, frohlockt der Mainstream. Die sogenannten Qualitätsmedien könnten zu früh gejubelt haben.

Tatsächlich hat Tesla die ersten Antragsunterlagen für den Bau seiner geplanten Fabrik im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree östlich von Berlin eingereicht. In drei Rathäusern (Grünheide, Spreenhagen und Erkner) liegen die Dokumente seit Anfang dieser Woche aus. Das brandenburgische »Landesamt für Umwelt« stellte zudem eine diesbezügliche Veröffentlichung ins Internet. Sie lautet etwas sperrig: »Errichtung und Betrieb einer Anlage für den Bau und die Montage von Elektrofahrzeugen mit einer Kapazität von jeweils 100.000 Stück oder mehr je Jahr am Standort 15537 Grünheide (Mark).«

Zu früh gefreut? Der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach, der Landrat von Oder-Spree, Rolf Lindemann und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (v.l., alle SPD) im November 2019 auf einer Pressekonferenz zur geplanten Ansiedlung des Elektroautoherstellers Tesla in der märkischen Provinz

Grund zum Jubeln? Nicht unbedingt. Zwar ist in den Papieren, die mehrere Tausend Seiten umfassen, von einem potenziellen Produktionsvolumen von einer halben Million Autos die Rede; diese sollen von 12.000 Mitarbeitern gefertigt werden. In Wirklichkeit aber plant der von dem windigen Firmengründer Elon Musk geleitete Autobauer zunächst einmal nur den Bau einer Fabrik mit einer Kapazität für maximal 150.000 Fahrzeuge. Für deren Fertigung werden allenfalls 4.000 Mitarbeiter benötigt.

Selbst das vorläufige Planziel von 150.000 E-Fahrzeugen in Brandenburg muss traumtänzerisch anmuten, wenn man bedenkt, dass der hoch verschuldete kalifornische E-Auto-Pionier im vergangenen Jahr gerade mal 367.500 Einheiten abgesetzt hat – weltweit.

Dass die in die Elektromobilität investierten Milliarden so schnell verbrennen können wie ein Tesla im Straßenverkehr, muss aktuell der deutsche Premiumhersteller Daimler erfahren. Dessen E-SUV EQC brachte es zuletzt im November auf sensationelle 19 Neuzulassungen bundesweit (der Deutschland Kurier berichtete). Angesichts der offenkundigen Ablehnung der E-Mobilität durch die deutschen Autofahrer sowie der neuerdings auch erschwerten Bedingungen für Stromer in China ist also bei der politisch verordneten »E-uphorie« Vorsicht angesagt.

Und man sollte sich auch nicht täuschen lassen durch den Tesla-Aktienkurs: Zwar hat sich der Wert der Tesla-Papiere seit Mitte 2019 in etwa verdoppelt, man darf aber nicht vergessen: Tesla-Aktien sind ein hochriskantes Investment. Sie erleben immer wieder abrupte Einbrüche, weil das Unternehmen nach wie vor keine Gewinne erzielt und, um an frisches Geld zu kommen, immer neue Aktien ausgibt. Das funktioniert vielleicht eine begrenzte Zeit – dann ist auch das Pulver der künstlichen Kapitalerhöhungen verschossen und das Unternehmen ist so gut wie pleite.

Gefahr für Mensch und Umwelt: Brennender Tesla in Baarn (Niederlande), September 2016
Ausgebranntes Tesla-Wrack in Hangzouh (China), August 2019: In einer Tesla-Werkstatt hatte sich die Batterie des Elektrofahrzeugs entzündet
Der Besitzer eines Tesla-Fahrzeugs mit dem ausgebrannten Wrack in Walchsee/Tirol (Österreich), November 2019: Nachdem sechs Wochen zuvor sein Elektroauto ausgebrannt war, konnte kein Entsorger in Österreich gefunden werden, der das Wrack mit der hochgiftigen und leicht entzündbaren Batterie übernehmen wollte

Polnisch sprechender Personalreferent gesucht

Im Übrigen: Von den 4.000 Arbeitsplätzen, die ab 2021 in Brandenburg besetzt sein sollen, hat Tesla bisher in englischer Sprache gerade einmal 35 ausgeschrieben. Darunter auch die eines Personalreferenten (»Recruiter«), der neben Deutsch und Englisch vor allem Polnisch sprechen soll. Ein Schelm, der Arges dabei denkt:

Die Entfernung zwischen dem geplanten Standort Grünheide und dem Grenzübergang in Frankfurt an der Oder/Slubice beträgt gerade mal 56 Kilometer. Das heißt, für polnische Arbeitskräfte wäre es ein Leichtes, jeden Tag zu pendeln. Und es wäre auch höchst attraktiv:

Gewerbegebiet Grünheide, Brandenburg: Hier soll angeblich ein Tesla-Werk entstehen. Der notorisch finanziell klamme Konzern könnte möglicherweise auf polnische Billigarbeiter spekulieren

Laut polnischem Statistikamt beträgt der durchschnittliche Monatslohn in Polen 5.100 Zloty (1.200 Euro). Ein Fabrik-Vorarbeiter verdient 4.300 Zloty (1.000 Euro), ein Fließband-Arbeiter 3.000 Zloty (700 Euro). Zum Vergleich: Das durchschnittliche Gehalt eines deutschen Autobauers (ohne Hochschulabschluss) beträgt rund 4.700 Euro.

Naturschützer machen mobil

Als Tesla im vergangenen Herbst seine Pläne verkündete, sich in Brandenburg niederzulassen, kannte der politisch-mediale Jubel über das vermeintliche E-Jobwunder in der Region mit Tausenden von gut bezahlten Arbeitsplätzen keine Grenzen mehr. Man darf gespannt sein, wie gut bezahlt die Jobs wirklich sein werden – und wie viele dieser Arbeitsplätze – so sie denn überhaupt entstehen – dann von Deutschen besetzt sind.

Teslas hochtrabende Fabrikpläne könnten sich auch noch aus einem anderen Grund als in den märkischen Sand gesetzt erweisen: Es ist davon auszugehen, dass Naturschützer den Fabrikbau verhindern oder zumindest verzögern wollen. Einen Monat lang kann die Öffentlichkeit die Antragsunterlagen einsehen. Einwendungen sind bis zum 5. März 2020 möglich. Schaut man sich die Internet-Seite des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in der Region Fürstenwalde an, dürfte es eine ganz Menge von Einwendungen geben. (hh)

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