Der CSU-Stadtneurotiker

Erst war er dünn, dann dick – jetzt ist er wieder dünn. Mal trug er gedeckte Anzüge, dann großes Karo – aktuell bevorzugt er schmal geschnittenes Grau. Dazu trägt er einen Dreitagebart.

Die einzige Konstante in den vergangenen Jahren blieb die schwarze Nerd­brille. Damit erinnert Alexander Dobrindt (48), Chef der auf 46 Abgeordnete dezimierten CSU-Landesgruppe im Bundestag, an Woody Allen in seiner Paraderolle als »Stadtneurotiker«.

Dreitagebart und Nerdbrille: Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef
im Deutschen Bundestag

Dobrindt verkörpert eine Spezies, die den Beruf des Politikers erlernt hat wie andere den des Bäckermeisters oder Klempners. Nach der üblichen JU-»Ochsentour« kandidierte er 2002 für den Bundestag. Dort vertritt er seither den einstigen Wahlkreis von Franz Josef Strauß nördlich der Zugspitze.

Diplomsoziologe ist Dobrindts höchster Bildungsabschluss.

Früher hieß es in der CSU: Wenn schon Diplom, dann Diplombrauer! Die CSU ist schon lange nicht mehr das, was sie einmal war.

Dobrindt spricht langsam, fast bedächtig. So legt er sich mit sonorer Stimme und verschränkten Armen seine Sprachschablonen zurecht. Mit denen haut er dann voll in die Wolken. Zuletzt mit seinem Geschwafel von einer »konservativen Revolution«. Auf die folgte – nix!

Klopft man die Substanz seiner Worte ab, bleiben nur leere Hülsen. Etwa, wenn Dobrindt die Grünen (den aller Wahrscheinlichkeit nach künftigen Koalitionspartner der CSU in Bayern) eine »Protestsekte« nennt.

In Berlin ist zu hören: Dobrindt, mit dessen Amtszeit als Bundesverkehrsminister sich nachhaltig allein der Maut-Murks verbindet, hoffe darauf, seinen Mentor Horst Seehofer als CSU-Chef zu beerben. Die Chancen dürften gegen null tendieren. Trotz seiner absehbar krachenden Wahlniederlage am 14. Oktober (oder gerade deshalb) scheint Markus Söder dem Vernehmen nach wild entschlossen, den Parteivorsitz an sich zu reißen.

Niemandem im Berliner Altparteien-Establishment ist die Rolle des »Stadtneurotikers« besser auf den Leib geschnitten als Alexander Dobrindt. Franz Josef Strauß würde es wohl so sagen: Von den Menschen in Bayern ist dieser Polit-Funktionär so weit entfernt wie ein Ananaszüchter von Alaska! (oys)

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