Der enthauptete Obdachlose von Koblenz

Seit einem Jahr ermittelt die Soko »Hauptfriedhof« im Mordfall Straten. Gesucht wird ein «Rastamann» – als »Zeuge«.

Von Henry Homann

In einen der mysteriösesten Mordfälle der jüngeren Kriminalgeschichte kommt möglicherweise Bewegung. Am 23. März 2018 wurde der obdachlose Gerd Michael Straten enthauptet in einem öffentlich zugänglichen Bereich des Pulverturmes/Schwarze Madonna auf dem Koblenzer Hauptfriedhof gefunden. Der als freundlicher Einzelgänger bekannte ehemalige Kunsthändler hielt sich den Ermittlungen der 30-köpfigen Sonderkommission (Soko) »Hauptfriedhof« zufolge seit mehreren Jahren auf dem Gelände auf und übernachtete dort regelmäßig. Tagsüber war der 59-Jährige häufig im Bereich des Hauptbahnhofes und der Innenstadt zu Fuß unterwegs. Er wurde zuletzt am Nachmittag des 22. März 2018 gegen 18.30 Uhr im Bereich des Saarplatzes lebend gesehen.

Tatort Hauptfriedhof: Die bisherigen Ermittlungen blieben ergebnislos

Laut Polizei legte Straten trotz seiner traurigen Lebensumstände sehr viel Wert auf sein Äußeres. Er wurde weder mit Alkohol noch mit Drogen in Verbindung gebracht. Seine Stütze besserte er mit dem Verkauf von Partyartikeln sowie dem Sammeln von Pfandflaschen auf Musikfestivals im Großraum Koblenz auf. Hin und wieder nahm Straten Gelegenheitsjobs an.

Der oder die Täter ging(en) den Ermittlungen zufolge äußerst brutal vor. Der enthauptete Torso lag unweit einer Marienstatue. Das nährte zunächst Spekulationen, die Tat könnte einen satanistischen Hintergrund gehabt haben. Dann wurde bekannt, dass Straten ein gutes halbes Jahr vor seiner Ermordung in Streit mit einem dunkelhäutigen Mann mit Rastalocken geraten sein soll. Nach dem Unbekannten wurde als »Zeuge« gesucht.

Am Aschermittwoch stellte die Polizei den mysteriösen Mordfall bei »Aktenzeichen XY… ungelöst« vor – und erhielt einige angeblich interessante Anrufe. Inzwischen sollen mehr als 100 neue Zeugenhinweise eingegangen sein. Der Vertreter der Kriminalpolizei, Alfred Hettmer, sagte in der ›ZDF‹-Sendung, es gebe auch Hinweise auf mögliche Tatmotive. Am wichtigsten scheint dabei ein Zeuge zu sein, der nur wenige Tage nach der Tat zufällig ein Telefonat in einem Koblenzer Café mitgehört haben will. Die Beamten glauben, dass der Inhalt dieses Telefonats sehr wichtig sein könnte und geben deswegen keine weiteren Infos dazu heraus.

Der Obdachlose Michael Straten galt als freundlicher und umgänglicher Zeitgenosse

Parallelen zu anderem Obdachlosenmord?

Es meldete sich ein weiterer Zeuge, der kurz vor der Tat einen Streit zwischen dem Obdachlosen und »einem Fremden« beobachtet haben will. Eine dritte Spur führt zu einem Fall, der mehr als 30 Jahre zurückliegt. Ein LKA-Beamter entdeckte offenbar einige Parallelen zu einem Obdachlosenmord aus dem Jahr 1988.

Zwar gehe man davon aus, dass die meisten Koblenzer von dem Fall gehört hätten, hieß es im Vorfeld der Sendung seitens der Polizei. Man wollte mit der Ausstrahlung vor allem auch Pendler oder Touristen erreichen, die nicht so oft nach Koblenz kommen und deswegen von dem abscheulichen Verbrechen vielleicht nichts mitbekommen hätten. Straten sei, so die Polizei, oft überregional unterwegs gewesen, habe beispielsweise als Aushilfe bei einem Dekorateur in Nordrhein-Westfalen und Hessen gearbeitet. Bei dieser Tätigkeit habe er vermutlich einige Personen kennengelernt. Manchmal soll sich Straten in Spielhallen aufgehalten haben.

Insgesamt 1.800 Spuren sind die Ermittler bislang nachgegangen. Die berühmte »heiße Spur« war bis zur Ausstrahlung von »Aktenzeichen XY… ungelöst« offenbar nicht dabei. Das könnte sich jetzt ändern, hofft die Polizei.

Auch wenn es aus politischer Korrektheit niemand offen ausspricht – in Koblenz ist es ein offenes Geheimnis, dass auch in der Migranten-Szene ermittelt wird. Ein Profiler zum ›Deutschland-Kurier‹: »Die näheren Tatumstände könnten darauf hindeuten, dass der oder die Täter nicht im europäischen Sprachraum zu suchen sind.« Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren immer häufiger wehrlose Obdachlose Opfer von Migranten-Gewalt.

Grab des Mordopfers Michael Straten auf dem Hauptfriedhof Koblenz
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