Der freundliche Herr Hofer gilt als neuer starker Mann der FPÖ

Der Unterschätzte

Auf ihm ruhen jetzt die Hoffnungen der national-konservativen Kräfte und Wähler in Österreich: Ex-Verkehrsminister Norbert Hofer gilt als neuer starker Mann der »Freiheitlichen Partei Österreichs« (FPÖ). Ein Politiker, der so ganz anders ist als der an sich selbst gescheiterte Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Hoffnungsträger: Der designierte neue FPÖ-Parteichef Norbert Hofer (48) strahlt Seriosität und Verbindlichkeit aus

Sein Auftreten ist freundlich, zurückhaltend – ja, man könnte sagen, fast sanft. FPÖ-Vize Norbert Hofer (48), der designierte neue Parteichef, strahlt eine Seriosität und Verbindlichkeit aus, die ihn für viele wohltuend von Heinz-Christian Strache unterscheidet. Sogar politische Gegner attestieren dem bis in die Knochen konservativen Mann aus dem Burgenland Höflichkeit und vor allem die Fähigkeit, zuhören zu können. »Hart in der Sache, verbindlich im Ton« – das ist in wenigen Worten das Credo von Norbert Hofer, der bei einem Paragleiterunfall 2003 in der Steiermark eine schwere Wirbelsäulenverletzung erlitt und seither auf einen Gehstock angewiesen ist.

Wenn Hofer eines fremd ist, dann ist es mit Sicherheit Geltungssucht. Zog es Strache oft in das Rampenlicht, so war Hofer der Strippenzieher im Hintergrund. Er ist Mitautor des Parteiprogramms der FPÖ und des »Handbuchs freiheitlicher Politik«. Unter Hofer fanden Themen wie soziale Sicherheit, aber auch wirtschaftliche Stabilität stärkere Betonung in der FPÖ-Politik.

Für ein »Recht auf Heimat«

Seine tieferen politischen Überzeugungen hat der Burschenschafter und gelernte Triebwerksingenieur indes nie verleugnet. Der designierte FPÖ-Chef will Österreich, seine Kultur sowie seine Werte »gegen die neue Völkerwanderung« verteidigen. Der Vater von vier Kindern steht für ein »Recht auf Heimat« und sieht im Schutz der österreichischen Grenzen eines der wichtigsten politischen Projekte.

Es hatte nicht viel gefehlt und Hofer wäre 2016 Bundespräsident der Alpenrepublik geworden. Im ersten Wahlgang der Präsidentenwahl am 24. April 2016 erhielt er mit 35,05 Prozent die meisten Stimmen vor dem linksgrünen Kandidaten Alexander Van der Bellen, der lediglich 21,34 Prozent erreichte. Im darauffolgenden zweiten Wahlgang (Stichwahl) am 22. Mai 2016 unterlag er diesem dann knapp mit 49,65 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Wahl wurde von der FPÖ angefochten und vom Verfassungsgerichtshof wegen formaler Mängel bei der Auszählung der Briefwahlstimmen aufgehoben. Bei der Wiederholung des zweiten Wahlgangs am 4. Dezember 2016 unterlag Hofer mit 46,21 Prozent der Stimmen erneut seinem Gegenkandidaten Van der Bellen (Grüne).

Politische Positionen

Hofer gehört der FPÖ seit 2007 an. Seine politischen Positionen sind schnell umrissen: Er befürwortet einen Wechsel von der repräsentativen hin zur direkten Demokratie »nach schweizerischem Vorbild«. Er bekennt sich zur »deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft«. Unkontrollierte Masseneinwanderung und Homo-Ehe lehnt er ab.

Kritik an der linkskatholischen Amtskirche

Norbert Hofer ist ein gottesfürchtiger Mann: »Ich spreche jeden Tag mit meinem Schöpfer«, sagt der FPÖ-Politiker, der Bibeltexte als »Leitbilder für den Tag« auf dem Schreibtisch liegen hat. Sein Glaube an Gott sei »ein Leuchtturm«, der ihm bei schwierigen Entscheidungen zeigt, »in welche Richtung ich gehen muss«. Das tägliche Gebet sei für ihn eine »Batterie, wo ich mich aufladen kann«.

Aus der katholischen Amtskirche trat Hofer allerdings schon vor 10 Jahren aus und wurde evangelisch: »Ich schätze viele Vertreter der katholischen Kirche, ich kann aber mit weiten Teilen der Amtskirche, mit Scheinmoral und den immer stärker werdenden linkskatholischen Strömungen nichts anfangen.«

Der Privatmensch Hofer

Hofer ist in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder, davon drei aus erster Ehe. Aus seiner Ehe mit Verena Hofer ging eine Tochter hervor. Sein Hauptwohnsitz befindet sich in Pinkafeld im Burgenland, wo seine Frau 2017 in den Gemeinderat gewählt wurde.

Hofer ist ehrenamtlich in der Behindertenpolitik engagiert sowie Ehrenmitglied der Schülerverbindung »pennal-conservative Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld«.

Kurzum: Nach dem Polit-Beben in Wien kann die FPÖ wohl von Glück sagen, dass sie einen Mann wie Norbert Hofer hat. (oys)

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