Die »Landshut«: Sinnbild für mutiges und entschlossenes Handeln

So einsam starb Ulrich Wegener, der »Held von Mogadischu«

Er kannte kein Pardon: »Immer auf die Beine zielen – Nasenbein, Jochbein, Brustbein, Schlüsselbein«, hämmerte Ulrich Wegener seiner Truppe als knallharter Ausbilder ein. Jetzt starb der legendäre Gründer der Antiterror-Einheit GSG 9 im Alter von 88 Jahren.

Der als »Held von Mogadischu« in die Geschichtsbücher eingegangene Grenzschutz-General war ein deutscher Patriot, ein Rheinländer mit preußischer Gesinnung. Zurückgezogen lebte er die letzten Jahre allein in seinem Landhaus in Schweifeld (Westerwald) südlich von Bonn.

18. Oktober 1977: Nachts um 2.07 Uhr gab Ulrich Wegener auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu das Kommando: »Drei, zwei, eins – los!« Blendgranaten zischten, Schüsse peitschten, Schreie gellten – »Köpfe runter! Heads down!«

Sieben Minuten später war die »Operation Feuerzauber« beendet.

GSG 9-Elite-Kämpfer hatten alle 86 noch lebenden Geiseln an Bord des Lufthansa-Jets »Landshut« unversehrt befreit.
108 Stunden hatte der Irrflug der von vier arabischen Terroristen entführten Boeing 737 kreuz und quer durch Europa und den Nahen Osten gedauert. Pilot Jürgen Schumann wurde ermordet.
Der Mythos der von Wegener (Spitzname: »Terror-Uli«) nach dem Münchener Olympia-Attentat 1972 aufgebauten Spezialeinheit des damaligen Bundesgrenzschutzes ist bis heute ungebrochen:

GSG 9 – das ist die Chiffre, vor der Terroristen, Kidnapper und das organisierte Verbrechen noch immer zittern!

Vor acht Jahren starb seine Frau. Auch die Töchter waren erwachsen und aus dem Haus. Nach seiner Pensionierung blieb Ulrich Wegener, wenn er von seinen Reisen als Anti-Terror-Berater mehrerer Regierungen und Weltunternehmen nach Hause in den Westerwald zurückkam, nur die Erinnerung: ein Modell der »Landshut« im Wohnzimmer; signierte Fotos mit handschriftlicher Widmung von allen, die im Terror-Herbst 1977 während der zeitgleichen Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer Verantwortung im Bonner Krisenstab trugen: Helmut Schmidt, Hans-Jürgen Wischnewski (»Ben Wisch«), Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, Franz Josef Strauß.

Wenn Besuch kam, zeigte Wegener stolz auf das Modell der »Landshut« auf dem Kaminsims. Mit kalter Sachlichkeit berichtete er: »Bevor die Terroristen reagieren konnten, schossen wir sie ab. Nur Suhaila Sayeh, die sie an Bord ›die Dicke‹ nannten, überlebte.«

Den Islamismus hielt er zuletzt für »Die Gefahr überhaupt – eine ganz andere Dimension, viel gefährlicher als der Terror der RAF.«

Die letzten Jahre war es ruhig geworden um den immer wieder als Zeitzeugen gefragten General a.D. Wegener war an den Rollstuhl gefesselt. Der silberne Mercedes 300 SL, ein Geschenk von Daimler-Benz, auf das er besonders stolz war, musste in der Garage bleiben.