Der missbrauchte Élysée-Vertrag

Die deutsch-französische Freundschaft ist ein hohes Gut. Nach einer langen Ära der tiefen Feindschaft unserer beiden Völker manifestierte vor 55 Jahren der Élysée-Vertrag ein neues Miteinander. Dieses Miteinander wird durch die junge Generation, durch Städtepartnerschaften und durch lebhaften Handel gelebt.

Eines war dieser epochale Vertrag erkennbar nicht: eine Willenserklärung und der Start auf dem Weg zu den Vereinigten Staaten von Europa.

Der französische Präsident Charles de Gaulle war ein glühender Patriot wie die allermeisten Franzosen und er glaubte an die große französische Nation. Mit Konrad Adenauer war er sich darin einig, dass die einzelnen Nationen mit ihren Völkern der Reichtum Europas sind.

Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Ale­xander Gauland, hat in seiner Rede im Deutschen Bundestag daran erinnert, mit welchem Respekt de Gaulle 1962 bei einer Kundgebung in Bonn auch von Deutschland gesprochen hat, wo er sagte:
»Wenn ich Sie alle so um mich herum versammelt sehe, wenn ich Ihre Kundgebungen höre, empfinde ich noch stärker als zuvor die Würdigung und das Vertrauen, das ich für Ihr großes Volk – jawohl, für das große deutsche Volk – hege.«

Wer heute in Deutschland so sprechen würde, dem könnte leicht die inzwischen wohlfeile Vokabel »Nazi« entgegenschallen.

Und nicht nur von den Linken oder den Grünen. Außer von der AfD würde sich heutzutage keine Hand des Beifalls aus den anderen Bundestagsfraktionen für diese Aussage mehr rühren.

Warum also die Feierstunden für den Élysée-Vertrag in Berlin und Paris?
Ganz einfach! Dieser singuläre Vertrag war nichts weiter als Aufhänger für diejenigen, die sich für die Zukunft der Europäischen Union nicht ein Europa der Vaterländer wünschen, sondern zielgerichtet auf die Vereinigten Staaten von Europa hinarbeiten. Dafür musste dieser Vertrag herhalten. Es war nichts anderes als Missbrauch.

Mir scheint aber, dass man sich in Deutschland über die Begeisterung Frankreichs für diesen Weg elementar täuscht. Schäubles Rede vor den überwiegend leeren Plätzen in der französischen Nationalversammlung machte peinlich das Desinteresse der französischen Politiker deutlich.

Wer auf Macron baut, der muss wissen, dass es ihm um merkantile Vorteile und nicht um die Selbstaufgabe der französischen Nation in einem EU-Konglomerat geht.


Erika Steinbach

war von 1990  bis  2017 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie trat im Januar 2017 aus Protest gegen Merkels Massen-einwanderungspolitik aus der CDU aus.

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